Jugend

Red Brain Nr. 0: Was ist der 1. Mai?

Red Brain Nr. 0: Was ist der 1. Mai?

Red Brain ist eine linke, antikap­i­tal­is­tis­che Schü­lerIn­nen­zeitung, die von ein­er unab­hängi­gen Schü­lerIn­nen­gruppe (in Zusam­me­nar­beit mit RIO) am John-Lennon-Gym­na­si­um in Berlin-Mitte her­aus­gegeben wird. Die Aus­gabe gibt es als PDF, die einzel­nen Artikel gibt es unten:

Neue Schüler­Innen­zeitung!

Hi Leute,

Wir sind Red Brain, die neue Schü­lerIn­nen­zeitung am John-Lennon Gym­na­si­um.

Wir ver­ste­hen uns als eine linke, antikap­i­tal­is­tis­che Zeitung, die über die Missstände in Deutsch­land und weltweit – und auch an dieser Schule – schreiben und informieren will. Unter anderem bericht­en wir in jed­er Aus­gabe über lokale wie weltweite poli­tis­che Geschehnisse.

Unsere nicht weniger wichti­gen Ziele sind es, gegen Ras­sis­mus, Faschis­mus, Homo­pho­bie und Sex­is­mus anzukämpfen. Wir unter­stützen jeden fortschrit­tlichen Kampf von Beschäftigten und Jugendlichen.

Wir wollen aber nicht nur eine Schü­lerIn­nen­zeitung sein, son­dern auch ein Por­tal für ver­schieden­ste Mei­n­un­gen, die das (Schul)System in Frage stellen. Von daher sind wir auch kom­plett unab­hängig von der Schulleitung. Artikel von Schü­lerIn­nen wer­den anonym veröf­fentlicht.

Jed­eR ist ein­ge­laden, in unser­er Schülerzeitung seine Mei­n­ung oder Wut über bes­timmte The­men ans Tages­licht zu brin­gen. Wir wollen ab jet­zt jeden Monat eine neue Aus­gabe machen.

Also, wenn ihr Euch uns anschließen wollt, oder ein­fach mal einen Artikel über etwas schreiben wollt, was euch zur Zeit ankotzt, dann kon­tak­tiert uns unter: red_brain@gmx.de. Wir freuen uns über Kom­mentare und Kri­tik.

Eure Red Brain-Redak­tion

Was ist der 1. Mai?

Es ist wieder ein­mal soweit, der 1. Mai ste­ht vor der Tür. Dieser Tag ist ja nicht nur ein­er von 10 Feierta­gen, die dieses Jahr ziem­lich unternehmer­fre­undlich aus­fall­en. Einige von uns verbinden mit dem 1. Mai selt­same Rit­uale mit geschmück­ten Bäu­men in Süd­deutsch­land. Andere denken an eine pflaster­stein­haltige Luft in Kreuzberg. Doch was hat es eigentlich mit dem 1. Mai auf sich?

Die Geschichte des 1. Mai

Die Geschichte des 1. Mais geht ins Jahr 1856 zurück, als die aus­tralis­che Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung mit ein­er Massendemon­stra­tion den Acht- Stun­den-Arbeit­stag forderte. 30 Jahre später, am 1. Mai 1886, rief dann die nor­damerikanis­che Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung zum Gen­er­al­streik auf, um eben­falls für den Acht-Stun­den-Tag zu protestieren. Der Streik in der Arbei­t­erIn­nen­hochburg Chica­go wurde jedoch von der Polizei blutig niedergeschla­gen. Auf dem Grün­dungskongress der Zweit­en Inter­na­tionale, einem Bund von sozial­is­tis­chen Parteien, im Jahre 1889 wurde dann der 1. Mai in Gedenken an die Opfer von Chica­go zum Kampf­tag der Arbei­t­erIn­nen­be­we­gung aus­gerufen. Bere­its ein Jahr später gin­gen rund um die ganze Welt Gew­erkschaften auf die Straße, um für bessere Arbeits­be­din­gun­gen zu kämpfen.

Der 1. Mai und die Nazis

Schon im Drit­ten Reich ver­sucht­en die Nazis, den 1. Mai als Arbeit­ertag für sich zu miss­brauchen, um gle­ich am 2. Mai 1933 die Gew­erkschaften zu zer­schla­gen. Sie hiel­ten also abso­lut gar nichts von Arbei­t­erIn­nen­recht­en. Auch dieses Jahr ist z.B. eine Nazi-Demon­stra­tion in Bre­men geplant. Doch der 1. Mai gehört uns als Kampf­tag und nicht den FaschistIn­nen. Lasst uns deshalb für die inter­na­tionale Sol­i­dar­ität aller Arbei­t­erIn­nen ein Zeichen set­zten und jeden Nazi­auf­marsch block­ieren!

Kreuzberg und sein 1. Mai

Der 1. Mai 1987 in Kreuzberg ist ein his­torisches Ereig­nis und wurde durch die inter­na­tionale Presse weltweit bekan­nt. Eigentlich fing alles mit dem Protest gegen die Volk­szäh­lung an. Am 1. Mai ‘87 wur­den dann die Büros und die Demo der Anti-Volk­szäh­lungs-Kam­pagne von der Polizei gestürmt. Daraufhin kam es dann zu Auseinan­der­set­zun­gen mit den sehr aggres­siv vorge­hen­den „Ord­nung­shütern“. Am Abend war Kreuzberg Zeuge von Straßen­schlacht­en, bei denen es viele Ver­let­zte gab. Seit dem gehen viele Men­schen am 1. Mai in Kreuzberg auf die Straße, um gegen die Gän­gelei durch den Staat und gegen soziale Missstände zu protestieren.

Der 1. Mai im 21. Jahrhun­dert

Nach über 100 Jahren des Beste­hens hat der 1. Mai wed­er an Bedeu­tung, noch an Notwendigkeit einge­büßt. Während die Konz­ernchefs wieder dicke Prof­ite erwirtschaften, hält die his­torische Wirtschaft­skrise für die Lohn­ab­hängige weit­er an. Leih- und Zeitar­beit find­en kein Ende, das Sparpaket zer­schlägt den kläglichen Rest des Sozial­staates und die kor­rupte Gew­erkschafts­bürokratie benen­nt ihren Ver­rat an Bahn­streiks und anderen Arbeit­skämpfen als „real­is­tis­che Forderun­gen“.

Im Süden jedoch hat der Zahlt­ag für die Kap­i­tal­istIn­nen bere­its begonnen. In Ägypten allein gin­gen Mil­lio­nen Lohn­ab­hängige und Jugendliche auf die Straße. Der Dik­ta­tor Mubarak gab seinen Platz ein­er Mil­itär­regierung, doch von den rev­o­lu­tionären Forderun­gen der Massen wurde nichts umge­set­zt. Der impe­ri­al­is­tis­che Regierungswech­sel im Süden dient nichts anderem, als der glob­al­isierten Aus­beu­tung von oben. Das macht es am 1. Mai 2011 wichtiger den je, Unter­drück­ung und Kap­i­tal weltweit mit ein­er geein­ten Antwort von unten zu Begeg­nen!

Also Leute, rafft euch auf, nehmt eure Fre­undIn­nen mit und ich hoffe, wir sehen uns auf der Rev­o­lu­tionären 1. Mai-Demo um 18 Uhr am Kot­tbusser Tor!

Artikel von: www.revolution.de.com

LehrerInnen-Streik in Berlin

Erwartet wur­den 3.000, es kamen aber 6.000…

Am ver­gan­genen Dien­stag wurde zu einem Warn­streik der LehrerIn­nen aufgerufen, um Druck für eine Arbeitsent­las­tung für ältere Kol­legIn­nen zu machen. Das würde auch wieder neue Arbeit­splätze für junge LehrerIn­nen schaf­fen, ander­er­seits haben auch deut­lich jün­gere LehrerIn­nen ohne­hin schon eine zu hohe Arbeits­be­las­tung (wie eine Lehrerin aus Neukölln sagte: „Es geht uns hier um das Gesamt­paket, denn die Zeit reicht ein­fach nicht, um alles zu machen, was wir eigentlich machen müssten.“). Einige beschw­erten sich, dass die Demo nur auf eine Kürzung der Arbeit­szeit aus­gerichtet wurde. Denn die Meis­ten woll­ten gegen die vielfälti­gen Prob­leme im Schul­sys­tem protestieren.

Diese über­raschend große Demon­stra­tion fand trotz mas­siv­er Ein­schüchterungsver­suche durch den Bil­dungsse­n­a­tor Jür­gen Zöll­ner (SPD) statt. Dieser hat­te die Schulleitun­gen dazu aufge­fordert, die Namen streik­ender LehrerIn­nen an den Sen­at weit­erzuleit­en, weil der Warn­streik für ver­beamtete und angestellte Lehrer­Innen gle­icher­maßen „rechtswidrig“ sei. In einem Schreiben dro­hte er Streik­enden mit Gehaltsabzü­gen, Abmah­nun­gen und bei Wieder­hol­un­gen sog­ar mit Kündi­gun­gen!

Ich kann mich noch zu gut daran erin­nern, als man uns Schü­lerIn­nen beim Bil­dungsstreik einre­den wollte, dass man unsere Demos nur ernst nehmen würde, wenn wir sie am Woch­enende ver­anstal­ten wür­den. Doch Streiks sind die beste Maß­nahme, um seine eige­nen Inter­essen durchzuset­zen. Lei­der war das JLG mal wieder schwach vertreten. Ich finde, wir soll­ten den LehrerIn­nen, die gestreikt haben, Sol­i­dar­ität zeigen und zusam­men für ein besseres Bil­dungssys­tem demon­stri­eren bzw. streiken. Und nie vergessen: „Wer nicht kämpft, der hat schon ver­loren!!!“

Ein bisschen linke Musik…

Die Skep­tik­er

Die Skep­tik­er sind eine 1986 in Ost-Berlin gegrün­dete Punkband, deren Lieder zumeist hart und schnell sind. Die unver­gle­ich­liche Stimme von Eugen Bal­an­skat und die aus­ge­feilte Lyrik unter­schei­den die Skep­tik­er von anderen Punkbands. Linksradikale Texte, meist mit poli­tis­chem Hin­ter­grund, sind außer­dem ein Marken­ze­ichen der Band. Nach­dem sich Die Skep­tik­er 2000 aufgelöst haben, schlossen sie sich 2006, pünk­tlich zum 20jährigen Jubiläum, wieder zusam­men. Zwei neue Alben fol­gten, in denen mal wieder mit dem Sys­tem abgerech­net und Songs für die näch­ste Demo geliefert wur­den.

Dabei sind sie aber nicht so „platt“ wie ihre Parolen („Deutsch­land halt‘s Maul!“ oder „Straßenkampf“) vielle­icht beim ersten Hin­hören klin­gen mögen. Eugen Bal­an­skat, noch der einzige von den dama­li­gen Mit­be­grün­dern der Skep­tik­er, hat auch Heute noch den „geilen“ Hass und die gle­iche Wut wie damals, als wir noch als Kaulquap­pen in den Hoden unser­er Väter herum geschwom­men sind…

Hol­ger Burn­er

Tagsüber ist David Schultz ein poli­tis­ch­er Aktivist, der Arbeit­skämpfe unter­stützt. Doch unter den AntifaschistIn­nen ist er eher bekan­nt als der Hip-Hop Super­man der linken Szene: Hol­ger Burn­er. Er ist ein­er der bekan­ntesten Antifa-Rap­per Deutsch­lands und ist regelmäßig auf Demos zu sehen, wo er auf den Laut­sprecher­wa­gen rappt.

Der zurzeit in Ham­burg lebende Kas­sel­er hat im März 2011 sein drittes Album „Mil­i­tant“ raus­ge­bracht. In 19 Tracks deckt Burn­er ein bre­ites The­men­spek­trum ab, damit sich jed­er in der linken Szene in min­destens einem Lied wiederfind­en kann: Es geht um Streiks in Griechen­land und inter­na­tionale Sol­i­dar­ität, um das Ham­burg­er Schanzen­vier­tel und Gen­tri­fizierung, um Flüchtlinge und Bullen, und um „Deutsch­land, halt’s Maul!“ Aus seinen Liedern schöpft man wieder neuen Mut (und auch neue Wut) für die näch­ste Demo. Z.B.: „Alle Räder ste­hen still, wenn wir sie nicht bewe­gen. Die Betriebe sind längst unsere, wir müssen sie nur nehmen.“

Zitat des Monats…

Imag­ine no pos­ses­sions. I won­der if you can. No rea­son for greed or hunger. A broth­er­hood of man.

John Lennon, „Imag­ine“

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