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Real-Kampf: Einigung mit Schließungen oder Fortsetzung des Streiks?

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Warenhauskette Real einigen sich auf Eckpunkte eines Tarifvertrages. Die ursprünglich vom Real-Konzern geplanten Gehaltskürzungen und die Drohung von Standortschließungen bleiben im Raum stehen.

Real-Kampf: Einigung mit Schließungen oder Fortsetzung des Streiks?

Let­ztes Jahr stieg die Metro-Tochter real aus dem Flächen­tar­ifver­trag der Han­dels­branche aus. Damit wollte das Unternehmen Einsparun­gen bei Urlaubs‑, Wei­h­nachts­geld und Nachtzuschlä­gen durch­set­zen, Tar­ifer­höhun­gen und den Auf­stieg in den Beruf­s­jahren ver­hin­dern sowie eine neue Niedriglohn­gruppe ein­führen. Diese Maß­nah­men soll­ten mit der Schließung von bis zu 17 Stan­dorten dem Konz­ern Einsparun­gen von 400 Mil­lio­nen Euro auf dem Rück­en der Beschäftigten ermöglichen. Durch die Kürzun­gen wollte Metro das Unternehmen für Investor*innen inter­es­sant machen. Es dro­ht­en Zer­stück­elung und Ausverkauf des Konz­erns.

Dage­gen wehrten sich die Arbeiter*innen: Im März trat­en Tausende in den Streik. Nun hat sich die ver.di-Tarifkommission in Ver­hand­lun­gen mit den Bossen auf Eck­punk­te eines neuen Tar­ifver­trages geeinigt. Das Ergeb­nis: Einige Angriffe wie die Ein­führung ein­er neuen Niedriglohn­gruppe, die Stre­ichung der Nachtzuschläge sowie die Abschaf­fung des Durch- und Auf­stiegs­jahres kon­nten abgewehrt wer­den. Zudem soll sich der Konz­ern dazu verpflicht­en in den näch­sten fünf Jahren ins­ge­samt eine Mil­liarde Euro zu investieren. Real soll damit auch zum Flächen­tar­ifver­trag zurück­kehren. Das sind bere­its wichtige Errun­gen­schaften des Streiks.

Die mögliche Eini­gung bein­hal­tet aber einige drastis­che Aus­nah­men, die ver.di ohne weit­eres akzep­tieren würde. Ent­gel­ter­höhun­gen fie­len für drei Jahre aus und das Urlaubs- und Wei­h­nachts­geld würde in den näch­sten bei­den Jahren auf 40 Prozent gekürzt. Ver.di begrün­det diese Zugeständ­nisse in der Eini­gung, nur so könne eine Beschäf­ti­gungssicher­heit garantiert wer­den. Doch diese Sicher­heit gilt nicht ein­mal für alle Märk­te. Zwar soll es für 265 der 283 bun­des­deutschen real-Märk­te es eine Bestands­garantie geben. Das heißt aber, dass 18 Stan­dorte von der Schließung bedro­ht sind.

Die Ergeb­nisse sind noch nicht endgültig. Ver.di will über das Ver­hand­lungsergeb­nis zeit­nah eine Mit­glieder­be­fra­gung durch­führen. Soll­ten sich die Mit­glieder dage­gen entschei­den, wäre ver.di in der Pflicht mit neuen und aus­geweit­eten Streiks ein besseres Ergeb­nis zu erzwin­gen.

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