Jugend

Protestwoche an der FU

»International Week«: Studierende an Berliner Universität fordern ein Ende der Diskriminierung von geflüchteten Kommilitonen

Protestwoche an der FU
Foto: Anton Gvozdikov / shutterstock.com

Von Montag bis Freitag fand an der FU Berlin die sogenannte International Week statt. Begleitet wurde die vom Präsidium der Universität organisierte Veranstaltung von studentischem Protest – denn wie zu erwarten, ging es in der Woche »nicht um das rassistische Grenzregime der EU oder um den Krieg in der Ukraine«, kritisierte der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der FU in einem Positionspapier. Vielmehr drehe sich alles um Karrieretipps für die Konkurrenz auf dem weltweiten Jobmarkt und um das internationale Image der FU. Statt einer so verstandenen »Internationalität« brauche es einen »solidarischen Internationalismus«, forderten die Studierendenvertreter.

Die FU wolle zwar eine »weltoffene« Universität sein, doch werde sie diesem Anspruch nicht gerecht, so der AStA weiter. Beispielsweise seien aufgrund des Krieges in der Ukraine viele internationale Studierende auf der Flucht, von denen zahlreiche nicht in Deutschland studieren dürften und denen eine Abschiebung drohe. Wenn internationale Studienbewerber einen sicheren Aufenthaltsstatus hätten, würden ihnen dennoch Sprachtests als Zugangsvoraussetzung und das schwer verständliche Bewerbungsportal »uni-assist« im Wege stehen. Die Universität reproduziere so Diskriminierung und zeige kein Verständnis für die Betroffenen. Statt einer wirksamen Strategie für den Umgang mit Diskriminierung verliere sie nur leere Worte über »Diversity«-Konzepte.

So steht es auch in einem offenen Brief der Organisation »Student Coalition For Equal Rights«, in dem Gleichbehandlung von geflüchteten internationalen Studierenden gefordert wird und der sich unter anderem an die Berliner Hochschulpräsidenten richtet. In dem Brief wird erklärt, dass die Studierenden aus der Ukraine, die keine ukrainische Staatsangehörigkeit besitzen, nicht dieselben Rechte wie den anderen ukrainischen Geflüchteten gewährt würden. Vielfach würden ihre Zeugnisse und Sprachkenntnisse nicht anerkannt und finanzielle Hürden für die Zulassung zum Studium aufgestellt. Die Organisation fordert ein Ende dieser Doppelstandards. Es müsse Schluss sein damit, dass »internationale, migrantische und migrantisierte« Studierende im Alltag an der FU Rassismus ausgesetzt seien.

Eine Reaktion auf die Forderungen seitens des FU-Präsidiums gab es bis jetzt nicht. Dabei ist das Anliegen der Studierendenvertreter kein neues Thema an der Universität. Erst Anfang des Jahres gab es Proteste gegen den Dozenten Michael Grünstäudl, der laut AStA »neofaschistische Inhalte« verbreite und im Fachbereich Biologie, Chemie und Pharmazie habilitiert. Auch der Mitgründer des AfD-Ablegers »Campus Alternative« Yannic Wendt sei trotz Protesten von Studierenden weiter als Tutor angestellt.

Dieses Interview erschien zuerst in der Tageszeitung junge Welt am 20. Juni 2022.

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