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Proteste in Südafrika: Zahl der Toten steigt auf 337

Die Regierung versucht, die soziale Explosion mit 25.000 Soldat:innen unter Kontrolle zu bringen. Doch die hohe Arbeitslosigkeit von 33 Prozent, Korruption und Machtkämpfe in der Regierungspartei schüren die Instabilität.

Proteste in Südafrika: Zahl der Toten steigt auf 337
Foto: Dirk.D.Theron / Shutterstock.com

Die Proteste begannen am Freitag vor zwei Wochen als Reaktion auf das Urteil gegen den ehemaligen Präsidenten Jacob Zuma. Weil er sich wiederholt weigerte, zu Korruptionsvorwürfen auszusagen, wurde er wegen Missachtung der Gerichte zu 15 Monaten Haft verurteilt.

Der ehemalige Präsident stellte sich den Behörden, woraufhin die ersten Proteste als Zeichen der Unterstützung in Form von Straßenblockaden stattfanden. In den folgenden Tagen breiteten sich die Proteste in ganz KwaZulu-Natal und in anderen Gebieten, vor allem um Johannesburg, aus.

Wachsenden Armut und Arbeitslosigkeit hat zudem eine Welle von Plünderungen ausgelöst. Die Regierung von Präsident Cyril Ramaphosa mobilisierte daraufhin etwa 25.000 Soldat:innen, die gemeinsam mit der Polizei die Demonstrationen gewaltsam unterdrücken.

Zuma wurde 2018 durch einen Putsch seiner eigenen Partei, dem African National Congress (ANC), abgesetzt. Die Partei wählte Cyril Ramaphosa, ANC-Präsident und Zumas stellvertretender Präsident, inmitten starker Proteste unter dem Slogan „Zuma muss fallen“ zu seinem Nachfolger. Die Demonstrant:innen gingen damals aufgrund von wachsender Armut und Arbeitslosigkeit, sowie der zahlreichen Korruptionsvorwürfe während der zehnjährigen Regierungszeit Zumas zwischen 2008 und 2018, auf die Straße.

Dieser Palastputsch gegen Zuma konnte jedoch die Risse innerhalb des ANC, der Südafrika seit dem Ende der Apartheid 1994 regiert, nicht verhindern. Innerhalb der Partei gibt es unterschiedliche Interessen, unter anderem von multimillionenschweren Geschäftsleuten, korruptionsbelasteten Karrierist:innen, einer Armee mit eigener politischer und wirtschaftlicher Macht und ehemaligen Gewerkschaftsführer:innen, die zu Geschäftsleuten mit Einfluss innerhalb der Partei geworden sind. Innerhalb dieses Ökosystems hält Zuma einen Teil der Macht der Partei aufrecht, was sich heute darin zeigt, dass die Menschen in den von ihm historisch kontrollierten Hochburgen aufgrund seiner Inhaftierung auf die Straße gehen.

Die Symbolik und das Spektakel von Zumas Korruptionsprozess haben es nicht geschafft, die endemische Korruption innerhalb des ANC zu verbergen, aber vor allem reichen sie nicht aus, um die zunehmend desolate soziale und wirtschaftliche Situation zu vertuschen.

Die Proteste wachsen also nicht nur zur Unterstützung von Zuma, sondern auch wegen der Arbeitslosigkeit und der Armut – die Arbeitslosigkeit ist mit 32,6 Prozent unter der arbeitenden Bevölkerung so hoch wie nie zuvor und liegt unter den Jugendlichen sogar bei erschreckenden 46,3 Prozent. Die Proteste finden auch während der Covid-19-Krise, mit einer aggressiven dritten Welle im Land, statt. Südafrika ist das am stärksten von der Pandemie betroffene Land in Afrika, mit etwa 2,2 Millionen Infektionen und 64.000 Todesfällen.

Die Situation, wie von Ramaphosa selbst zugegeben wird, ist sowohl eine von Nahrungsmittelunsicherheit und pandemiebedingter Krise, sowie ein Schlag für die prekäre wirtschaftliche Erholung im Allgemeinen. Unabhängig davon, wie sich die Proteste gegen die Verhaftung Zumas entwickeln, wird das Land weiterhin Demonstrationen gegen die alarmierende soziale, gesundheitliche und wirtschaftliche Situation erleben.

Übersetzt aus dem Spanischen. Zuerst am 13. Juli 2021 auf La Izquierda Diario erschienen und in einer aktualisierten Version auf Klasse gegen Klasse veröffentlicht.

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