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Präsidentschafts­wahlkampf von Anasse Kazib endet mit einem Akt des Widerstandes

Um ihn einzuschüchtern, bestellte die französische Polizei den revolutionären Kandidaten Anasse Kazib aufs Polizeirevier. 300 Menschen unterstützten ihn bei der letzten Wahlkampfaktivität vor dem Revier.

Präsidentschafts­wahlkampf von Anasse Kazib endet mit einem Akt des Widerstandes
Bild: Philippe Alcoy

Die erste Phase der Präsidentschaftswahlen in Frankreich ist vorbei: 500 Unterschriften von Bürgermeister:innen haben die Kandidat:innen gebraucht, um sich offiziell aufstellen lassen zu können – eine hohe undemokratische Hürde, die es revolutionären linken Kräften schwer macht, zu kandidieren. Dennoch unternahm unsere Schwesterseite Révolution Permanente mit dem Eisenbahner Anasse Kazib genau diesen Versuch. Am Ende hat es nicht für die nötige Zahl an Unterschriften gereicht. Dennoch war es für uns eine erfolgreiche Kampagne, weil sie es ermöglicht hat, im ganzen Land als eine revolutionäre Stimme bekannt zu werden.

Vergangene Woche fand nun die abschließende Kundgebung statt. Paradoxerweise war dies der letzte Ort, an dem ein Trotzkist eine Wahlkampfkundgebung abhalten würde, nämlich vor einer Polizeiwache. Anasse äußerte sich dazu auf Twitter:

Mein Anwalt hat mir mitgeteilt, dass die Pariser Staatsanwaltschaft unnachgiebig ist und beschlossen hat, mich am 18. Mai vorzuladen. Es ist unglaublich, was da passiert, man will mich ohne Gerichtsverfahren wegen eines Vortrags an der Sorbonne strafrechtlich belangen, bei dem ich von der Génération Identitaire bedroht wurde.

Anasse, Eisenbahner, Sohn von Migrant:innen und Revolutionär, wurde vorgeladen, weil er an einer Veranstaltung im symbolträchtigen Pantheon der Pariser Universität Sorbonne teilgenommen hatte. Dort war zu einer Diskussionsrunde eingeladen worden, das sich zu einer Veranstaltung gegen Faschismus und Rassismus entwickelte.

Die rechtsextreme Gruppe Géneration Identitaire hatte eine rassistische und islamfeindliche Kampagne gegen Kazib gestartet, weil er aus einer marokkanischen Einwandererfamilie stammt, aber auch, weil sie seine Ideen ablehnt: Anasse setzt sich mit seiner ganzen Kraft für die Verteidigung der Rechte der Arbeiter:innen, der Jugend und Migrant:innen Frankreichs ein.

Um Anasse zu unterstützen, kamen zu seiner Vernehmung im Kommissariat im 5. Bezirk in Paris 300 Menschen zusammen. Mehr als 40 Organisationen hatten zur Veranstaltung aufgerufen. Neben den Mitgliedern unserer Schwesterseite Révolution Permanente sprachen Menschenrechtsaktivist:innen und Betroffene von rassistischer Polizeigewalt, wie Assa Traore, deren Bruder Adama von der Polizei ermordet wurde. Daneben waren auch zahlreiche Gewerkschafter:innen und Mitglieder der Nouveau Parti Anticapitaliste (NPA) anwesend. Auch Sandrine Russeau vom linken Flügel der Grünen zeigte sich solidarisch.

Dieser Kampagnenabschluss richtete sich gegen die Einschüchterungsversuche der Polizei und zeigte die Macht, die hinter Anasse steht. Wie die Schauspielerin Adèle Haenel in einer Botschaft an den Kandidaten mitteilte:

Die Schikanen gegen die Kampagne von Anasse Kazib und deren Unsichtbarmachung in den großen Medien sind unerträglich. Vor einem Jahr hätte ich mich noch nicht als antikapitalistisch bezeichnet. Aber dank der Arbeit von Aktivist:innen von Révolution Permanente und Anasse haben die Ideen ihren Weg in meinen Kopf und auch in mein Herz gefunden. Für mich ist jetzt klar, dass im Rahmen des Kapitalismus keine Emanzipation möglich ist und dass ein anderes System eingeführt werden muss. Sie haben eine Vision voller Hoffnung und Intelligenz. Ich bin zu einhundert Prozent auf Ihrer Seite. Frankreich hätte heute ein anderes Gesicht, wenn die politischen Vorschläge von Révolution Permanente und die klugen Gedanken von Anasse in den Medien ebenso viel Beachtung gefunden hätten wie die Worte der extremen Rechten. Wir wären nicht hier, denn was Sie sagen, ist kraftvoll und ansteckend. Vielen Dank, dass Sie uns gemeinsam schlauer gemacht haben. Offen gesagt, Sie sind die Hoffnung dieser Welt.

Noch nie wurde ein Präsidentschaftskandidat mit der Ausstrahlung von Anasse Kazib von den französischen TV- und Radiostationen derart ignoriert. Noch nie von der extremen Rechten so bedroht. Darüber hinaus wurde Kazib von großen Banken die Eröffnung eines Kontos verweigert und schließlich schaltete sich sogar die Polizei ein.

Obwohl Anasse nicht kandidieren kann, haben sich Hunderte von Aktivist:innen und Sympathisant:innen für die Kampagne engagiert und Anasse konnte sich eindeutig als antikapitalistische und revolutionäre Stimme etablieren. Der Philosoph Frederic Lordon brachte es auf der Veranstaltung am vergangenen Donnerstag treffend auf den Punkt:

Anasse ist weder bei den Meinungsforschern noch bei den Medien, den Banken oder der Polizei beliebt. Das ist der Grund, warum wir Anasse so lieben.

Dieser Artikel basiert auf einer Übersetzung von La Izquierda Diario.

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