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PepsiCo: Milliardenschwerer Konzern will 600 Arbeiter*innen in Argentinien entlassen

Von Erfrischungsgetränken bis hin zu Snacks – PepsiCo gehört zu den Riesen in der Getränke- und Lebensmittelbranche. Alleine 2016 erwirtschaftete der multinationale Konzern 10,6 Milliarden US-Dollar. Trotzdem soll jetzt die Fabrik in Buenos Aires geschlossen werden und die mehr als 600 Arbeiter*innen auf die Straße fliegen. Doch die Arbeiter*innen wehren sich.

PepsiCo: Milliardenschwerer Konzern will 600 Arbeiter*innen in Argentinien entlassen

Lay’s‑Chips, Quak­er-Müs­li, Rock­star-Energiedrinks, Pep­si-Cola… Das sind nur einige wenige bekan­nte Marken des Pep­si­Co-Konz­erns, die rund im den Globus von Mil­lio­nen Men­schen täglich kon­sum­iert wer­den. Das Unternehmen mit Sitz in Pur­chase, New York, beschäftigt mehr als 260.000 Arbeiter*innen in der ganzen Welt, und erzielte im ver­gan­genen Jahr einen Umsatz von 62,8 Mil­liar­den US-Dol­lar.

Konzern im Aufwind

Doch nicht nur im Umfang des Unternehmens han­delt es sich bei Pep­si­Co um einen Glob­al Play­er: CEO Indra Nooyi ver­di­ente im ver­gan­genen Jahr durch Gehalt und Boni 29,8 Mil­lio­nen US-Dol­lar – mit dem Durch­schnit­slohn eines*r PepsiCo-Arbeiters*in in Argen­tinien würde es 2200 Jahre dauern, um diese Summe zu erre­ichen! Im ersten Vier­tel dieses Jahres kon­nte der US-Konz­ern seine Gewinne zudem um 41 Prozent im Ver­gle­ich zum gle­ichen Zeitraum im Vor­jahr auf 1,318 Mil­liar­den US-Dol­lar steigern.

Diese Zahlen lassen auf vieles hin­deuten, nicht jedoch, dass sich das Unternehmen in ein­er Krise befind­en würde. Nichts­destotrotz kündigte Pep­si­Co Argenti­na let­zte Woche Dien­stag, am 20. Juni, der Belegschaft ihrer Fab­rik in Flori­da (einem Vier­tel im nördlichen Teil der Haupt­stadt Buenos Aires) die Schließung der Nieder­las­sung an. Es han­delt sich dabei um die größte Fab­rik des Unternehmens in Argen­tinien mit mehr als 600 Arbeiter*innen. Dies sei durch „hohe logis­tis­che Anforderun­gen und die schlechte Lage in einem Wohn­vier­tel“ bed­ingt, weshalb die Pro­duk­tion nun in die Fab­rik im 400 Kilo­me­ter ent­fer­n­ten Mar de Pla­ta umziehen soll.

Profitgier als Schließungsgrund

Beson­ders die Mit­glieder des kämpferischen Betrieb­srates macht­en diese Argu­mente von Unternehmens­seite her stutzig. Noch nie wur­den diese so geäußert und zudem ist Buenos Aires der größte Markt für Pep­si­Co in Argen­tinien. Tat­säch­lich steckt dahin­ter Prof­it­gi­er, oder, wie es Pep­si­Co selb­st schreibt, „die nach­haltige Entwick­lung und das Wach­s­tum von Pep­si­Co in Argen­tinien länger­fristig sicherzustellen“. Zum einen erhofft sich Pep­si­Co durch die Ver­lagerung in die Fab­rik in Mar de Pla­ta, wo die Arbeits­be­din­gun­gen schlechter und der Rhyth­mus höher sind, die Pro­duk­tiv­ität zu erhöhen.

Zum anderen ist die Belegschaft von Buenos Aires für ihren Aktivis­mus bekan­nt, dutzende Arbeiter*innen sind Mit­glieder linksradikaler Organ­i­sa­tio­nen, wählen die Front der Linken und Arbeiter*innen (FIT) oder sind sog­ar selb­st Kandidat*innen und auch einige Betrieb­sratsmit­glieder haben enge Verbindun­gen zu trotzk­istis­chen Organ­i­sa­tio­nen wie der Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (PTS). Die Fab­rikschließung ist ein direk­ter Angriff auf diesen kämpferischen Aktivis­mus.

Konflikt vorprogrammiert

Diese Entschei­dung der Unternehmensleitung fiel jedoch nicht vom Him­mel. Schon in den ver­gan­genen Jahren hat­te der Konz­ern ver­sucht, Pro­duk­tion­slin­ien nach Mar de Pla­ta zu ver­legen und die Belegschaft durch indi­vidu­elle Abschlüsse oder Frührente zu verklein­ern. Immer wieder hat­ten dabei die Arbeiter*innen mit kämpferischen Aktio­nen wie Straßen­block­aden und Arbeit­snieder­legun­gen dage­gen protestiert.

Und auch auf die Ankündi­gung der Schließung reagierte die Belegschaft nicht anders. Der Betrieb­srat kündigte an, einen Kampf­plan gegen die Schließung zu organ­isieren und ver­trat diese Posi­tion gemein­sam mit hun­derten Arbeiter*innen auf einem Plenum der Lebens­mit­tel­gew­erkschaft. Doch die bürokratis­che Führung um den Vor­sitzen­den Rodri­go Daer stellte sich gegen den Willen der Arbeiter*innen und legte fest, dass in den näch­sten Tagen keine Aktio­nen stat­tfind­en wer­den und nach­dem genaueres bekan­nt ist, für bessere Abfind­un­gen gekämpft wer­den soll.

Solidarität und Kampf

Trotz­dem kamen am ver­gan­genen Mon­tag 1.000 Arbeiter*innen und sol­i­darische Aktivist*innen zu ein­er Kundge­bung vor den Fab­rik­toren zusam­men. In ein­er Ver­samm­lung beschlossen sie, die Fab­rik friedlich zu beset­zen, um die Maschi­nen vor dem Abtrans­port zu schützen und Wider­stand gegen die Schließung auszuüben. Unter­stützung beka­men die Arbeiter*innen von Pep­si­Co von den Organ­i­sa­tio­nen der Front der Linken und Arbeiter*innen (FIT), sol­i­darischen Studieren­den und Arbeiter*innen ver­schieden­er Branchen, unter anderem von zwei Mon­delez-Fab­riken. Mon­delez ist hin­ter Pep­si­Co und Nestlé der drittgrößte Nahrungsmit­tel­her­steller der Welt.

Wie sich die konkur­ri­eren­den Bosse angesichts ihrer gemein­samen Feind­schaft ihren Arbeiter*innen gegenüber vere­inen, so schließen sich auch die Arbeiter*innen, unab­hängig ihres Betriebs oder Wirtschaft­szweigs zusam­men, um gegen die Angriffe des Kap­i­tals zu kämpfen. Denn die Ent­las­sung der 600 Arbeiter*innen wäre ein har­ter Schlag für die gesamte Arbeiter*innenklasse in Argen­tinien.

Im Gegen­teil kön­nte ein hart geführter Kampf, der möglicher­weise im Sieg endet, ein leuch­t­en­des Beispiel für alle Lohn­ab­hängi­gen sein, auch über die argen­tinis­chen Lan­des­gren­zen hin­aus. So kon­nten die Arbeiter*innen von Mon­delez (damals noch Kraft Foods), die heute mit den PepsiCo-Arbeiter*innen sol­i­darisch sind, 2009 in einem hero­is­chen Kampf gegen Ent­las­sun­gen den multi­na­tionalen Konz­ern besiegen.

Deshalb nimmt die Belegschaft von Pep­si­Co in Buenos Aires den Kampf gegen die Fab­rikschließung und die Ent­las­sun­gen auf und fordert gemein­sam mit den sol­i­darischen Unterstützer*innen die Gew­erkschafts­führung auf, zu einem lan­desweit­en Streik der Lebens­mit­telin­dus­trie aufzu­rufen und eine Streikkasse zu organ­isieren.

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