Frauen und LGBTI*

Oprah for President?

Ihre Rede auf der Golden Globe Ceremony 2018 hat sie für viele in eine "feministische Hoffnung" verwandelt. Andere sehen in ihr sogar eine mögliche Präsidentschaftskandidatin für die Wahlen 2020. Was steht hinter Oprah Winfreys Rede?

Oprah for President?

Die Rede der bekan­nten TV-Mod­er­a­torin und Unternehmerin Oprah Win­frey auf der 75. Gold­en Globe Ver­lei­hung hat viele bewegt und eine Welle der Sym­pa­thie in den sozialen Net­zw­erken erzeugt. Fans und öffentliche Per­sön­lichkeit­en haben sie zur “fem­i­nis­tis­chen Hoff­nung” und sog­ar zu ein­er möglichen Gegenkan­di­datin zu Don­ald Trump bei den Präsi­dentschaftswahlen 2020 erhoben.

Das gesamte ver­gan­gene Jahr wurde durch die Frauen­be­we­gung und ihre unter­schiedlichen Aus­drücke auf der ganzen Welt geprägt. So nah­men auch im Gegen­satz zu anderen Jahren fem­i­nis­tis­che Reden einen bedeu­ten­den Platz bei den Gold­en Globes ein. Vom Roten Tep­pich an spielte die Ini­ti­aitve #TIMESUP bei der diesjähri­gen Zer­e­monie eine wichtige Rolle. Diese wurde von Schaus­pielerin­nen ins Leben gerufen, um die #metoo-Bewe­gung zu unter­stützen.

Im Mit­telpunkt standen Reden für mehr Frauen­rechte, Lohn­gle­ich­heit, gegen Diskri­m­inierung, sex­u­al­isierte Beläs­ti­gung und Gewalt. So zitierte Elis­a­beth Moss die Schrift­stel­lerin Mar­garet Atwood:

Wir waren diejeni­gen, die nicht in den Zeitun­gen erschienen. Wir waren zwis­chen den Lin­ien in dem weißen Raum zwis­chen den Geschicht­en. […] Jet­zt leben wir nicht mehr am Rande der Geschicht­en, wir sind die Geschicht­en, wir sind die Lin­ien und wir selb­st schreiben sie.

Oprah: Feministische Hoffnung?

Die Rede von Oprah Win­frey war der Höhep­unkt der Preisver­lei­hung. Die Hol­ly­wood For­eign Press Asso­ci­a­tion ver­lieh ihr den Cecil B. DeMille Award, da sie ein “Vor­bild für Frauen und Jugendliche” und “eine der ein­flussre­ich­sten Frauen unser­er Zeit” sei. Der Preis hat einen hohen poli­tis­chen Inhalt und wird dazu genutzt, Men­schen auszuze­ich­nen, die den Zeit­geist wider­spiegeln. Im ver­gan­genen Jahr wurde mit der Preisträgerin Meryl Streep die “Clin­ton-Fem­i­nis­mus” und die Anti-Trump-Bewe­gung aus­geze­ich­net.

Dieses Jahr wurde Oprah Win­frey der Preis ver­liehen, was eine indi­rek­te Antwort auf die Kri­tik an einem “zu weißen” Fem­i­nis­mus ist. Oprah, eine Fig­ur der schwarzen Elite, wird als Beispiel dafür dargestellt, dass der Sieg der afroamerikanis­chen Com­mu­ni­ty möglich ist, oder zumin­d­est der eines Teils von ihr. Die Wahl von ihr ist nicht zufäl­lig gewe­sen, die Fil­min­dus­trie hat nicht ein­fach irgen­deine schwarze Per­son aus­geze­ich­net, son­dern eine ein­flussre­iche und mil­liar­den­schwere Frau.

In ihrer emo­tion­s­ge­lade­nen Rede sprach sie viel mehr über die aktuelle Sit­u­a­tion als über sich selb­st.

1982 bekam Sid­ney [Poiti­er] den Cecil B. DeMille Award hier bei den Gold­en Globes, und nicht umson­st gibt es jet­zt Mäd­chen, die sehen, wie ich jet­zt zur ersten schwarzen Frau werde, die den gle­ichen Preis erhält.

Sie bezog sich immer wieder auf die Frauen, die nicht die Möglichkeit haben, ihrer Stimme gegen Unter­drück­ung und Gewalt Gehör zu ver­schaf­fen. Sie erzählte die Geschichte von Recy Tay­lor, ein­er schwarzen Frau, die 1944 von sechs weißen Män­nern ent­führt und verge­waltigt wurde. Kein­er der Täter wurde je verurteilt – ein klar­er Beweis für die Straf­frei­heit für machis­tis­che Gewalt, die der Kap­i­tal­is­mus sichert. “Sprechen und die Wahrheit zu sagen, ist die mächtig­ste Waffe, die wir alle haben”, sagte Oprah und erk­lärte, dass die Frauen sie inspiri­eren und Stolz machen, die “sich in der Lage gefühlt haben, ihre Erfahrun­gen zu veröf­fentlichen.”

Diese Worte weck­en zurecht Sym­pa­thie unter Feminist*innen und Aktivist*innen, die sich täglich gegen frauen­feindliche Diskurse wehren und die völ­lige Abwe­sen­heit von Forderun­gen der Frauen in den Massen­me­di­en verurteilen. Die #metoo-Bewe­gung hat es geschafft, dass diese The­men nun im Mit­telpunkt der Debat­te ste­hen. Trotz­dem ist es immer noch schw­er, das Schweigen zu brechen, das die alltägliche Gewalt gegen Mil­lio­nen von Frauen umgibt, sie zum Großteil Arbei­t­erin­nen und Arme sind. Dazu kommt, dass die meis­ten For­men dieser sex­u­al­isierten Gewalt von den Medi­en, dem Estab­lish­ment und der­sel­ben Kul­turindus­trie als natür­lich dargestellt wer­den, die heute Skan­dale von Nöti­gung und Beläs­ti­gung ans Licht bringt. Denn es ist so, dass die Unter­drück­ung und die unter­schiedlich­sten For­men der Gewalt, die gegen die Mehrheit ange­wandt wer­den, dazu dienen, die Herrschaft ein­er sozialen Klasse aufrecht zu erhal­ten, die dank der Aus­beu­tung durch nicht endende Arbeit­stage, schlechte Lebens­be­din­gun­gen und niedrige Löhne von diesen Frauen beste­ht.

Oprah: Fortschritt oder Meritokratie?

Doch auch wenn Oprahs Rede für Euphorie gesorgt hat, ist sie in den ver­gan­genen 30 Jahren eine Vertreterin des Neolib­er­al­is­mus gewe­sen. Vor weni­gen Wochen wurde sie von einem Jour­nal­is­ten als „Hoff­nung für die Demokrat­en“ beze­ich­net, da sie ihren Reich­tum von drei Mil­liar­den US-Dol­lar, im Gegen­satz zu Trump, „ohne Kon­tro­ver­sen“ gewon­nen habe. „Sie selb­st ist die Verkör­pe­rung des amer­i­can dream.“ Ist es möglich, ein solch­es Ver­mö­gen ohne Kon­tro­ver­sen anzuhäufen, noch dazu in ein­er Gesellschaft mit Mil­lio­nen Armen, von denen beson­ders viele schwarz und weib­lich sind?

Die Show von Oprah Win­frey erre­icht mit aus dem Leben gegrif­f­e­nen Geschicht­en die Massen. Sie und ihre Zeitschrift O, die sich beson­ders an Frauen richtet, strotzen nur von Aus­sagen und Vorschlä­gen, um in ein­er von Konkur­renz geprägten, ent­fremde­ten und ungle­ichen Gesellschaft zu über­leben. Ihre Zeitschrift will den Frauen helfen, aus jed­er Erfahrung und Her­aus­forderung eine Chance zu machen, zu wach­sen und das Beste von sich zu ent­deck­en. Frauen sollen davon überzeugt wer­den, dass das eigentliche Ziel darin beste­ht, die zu wer­den, die man wirk­lich sein will. So kön­nten auch „Bournout und emo­tionale Angstzustände ver­ringert wer­den.“

Die Verbesserung der eige­nen Per­son ist genau­so ein Kennze­ichen von Oprah wie die Phil­antro­phie und Empathie mit den Äng­sten und prekären Sit­u­a­tio­nen, die von der kap­i­tal­is­tis­chen Gesellschaft her­vorgerufen wer­den. Häu­fig benutzt sie ihre eigene Geschichte, um zu zeigen, dass es möglich ist, die Armut hin­ter sich zu lassen und erfol­gre­ich zu sein. Wenn Oprah es geschafft hat, wieso kön­nen es dann ihre Mil­lio­nen Zuschauer*innen nicht auch schaf­fen?

Beschw­ert euch nicht über das, was euch fehlt. Nutzt was ihr habt. Weniger als das Beste zu geben ist eine Sünde. Jed­er von uns hat die Möglichkeit, Großes zu leis­ten. – Oprah Win­frey

Jan­ice Peck hat eine Unter­suchung von Oprahs Diskurs vorgenom­men (erschienen in The New Prophets of Cap­i­tal) und zeigt dort, dass dieser

ein Ensam­ble von ide­ol­o­gis­chen Prak­tiken [ist], das dazu beiträgt, eine Welt der zunehmenden Ungle­ich­heit und immer weniger Möglichkeit­en zu legit­imieren, indem sie dazu beiträgt und selb­st diese Idee verkör­pert, dass man sich an diese Welt anpassen muss.

Ist Oprah Win­frey die Vertei­di­gerin der Frauen­rechte, die wir Frauen brauchen? Doch gibt es eigentlich einen Unter­schied zwis­chen ihrem Diskurs, sich selb­st zu verbessern, und der Mer­i­tokratie?

Oprah Win­frey ist die Vertreterin ein­er Ide­olo­gie, die dazu auf­fordert, sich an diese beson­ders für die Massen immer unerträglichere Welt anzu­passen. Das ste­ht im Gegen­satz zu dem Wun­sch viel­er Fans von Oprah, diese Welt zu verän­dern. Deshalb wurde sie dafür aus­ge­sucht, zu Mil­lio­nen von Frauen zu sprechen, die den Ver­sprecherun­gen der Geschlechter­gle­ich­heit des Estab­lish­ments mis­strauen, die in dieser Gesellschaft nur ein­er kleinen Min­der­heit zur Ver­fü­gung ste­hen.

Ob es nun wirk­lich dazu kommt oder nicht — die Tat­sache, dass Oprah über­haupt als Kan­di­datin infrage kommt, sagt viel über die Verzwei­flung der Demokratis­chen Partei (die schon durch den ehe­ma­li­gen Kam­pag­nen­leit­er von Oba­ma verkün­det hat, sie mit offe­nen Armen zu emp­fan­gen) und die tiefe Krise des Zweiparteien­sys­tems in den USA seit der Wahl von Don­ald Trump aus.

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