Nicholas Potter und die Heiligtümer der taz

22.12.2025, Lesezeit 7 Min.
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Foto: Ein Lokal der Tageszeitung taz / Molgreen (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:20140925_xl_taz--Die-Tageszeitung-Shop-Rudi-Berlin-Dutschke-Strasse-25-9384.JPG)

Wer mit den Rechten hetzen will wie in der BILD, der ist auch mal bei der taz willkommen. Pseudointellektuelle mit Israelfetisch wie Nicholas Potter dürfen besonders oft ran.

Das Medienjournal Gegenwind bekommt eine Anfrage von der taz zu einem Diskussionspanel. Diese Anfrage ist keine wie jede andere: Plötzlich ist die Gegenwind-Redaktion in Aufruhr, Autor:innen sind beängstigt und wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Ihre Reaktion ist nun ein offener Brief, der die dunkle Seite der taz offenlegt – und im Fokus steht ein Journalist namens Nicholas Potter. Der möchte wissen, ob Hüseyin Doğru, der unter EU-Sanktionen für seine Arbeit mit Redstreamnet steht und keine Einkünfte mehr hat, Aufwandsentschädigungen oder Gelder von den Organisator:innen des Panels zu kritischem Journalismus bekommen hat. Wir solidarisieren uns an dieser Stelle mit der Redaktion von Gegenwind und mit Doğru – und schauen uns Nicholas Potter und seinen Arbeitgeber taz mal genauer an.

Wer seit einigen Jahren, bereits lange vor dem 7. Oktober, pro-palästinensisch auf Plattformen wie Twitter unterwegs war, kennt diesen Namen: Nicholas Potter, Journalist in Deutschland und seit 2024 als Redakteur bei der taz angestellt. Schon davor kannte man ihn durch über 100 Artikel bei der taz und durch seine Arbeit bei der Antonio-Amadeu-Stiftung und ihrer Online-Zeitung Belltower News sowie dem „investigativen“ Buch Judenhass Underground über „linken Antisemitismus“.

Wobei man seine „Arbeit“ besser als Hetze gegen etliche Bewegungen und Personen beschreiben kann, die sich auch nur ansatzweise palästinasolidarisch äußerten. Da konnte man auch mal eine ganze internationale Fridays For Future Bewegung diffamieren und ihnen Antisemitismus vorwerfen, weil sie sich gegen den Genozid in Gaza ausgesprochen und Israel berechtigterweise als einen Apartheidsstaat benannt haben, der illegale Siedlungen auf palästinensischen Gebieten baut, diese unrechtmäßig annektiert und dabei Menschen am laufenden Band ermordet. Der aktuelle Genozid in Gaza ist nur die Spitze des Eisbergs: Israels Geschichte ist voll von blutigen Angriffen in Gaza und im Westjordanland.

Potter ist ein Journalist, der seine Zeit gerne damit verbringt, in internen Chats herumrumzulungern, Jugendliche für die Art und Weise ihrer Kommunikation fertigzumachen oder sogar aktiv namentlich gegen sie zu hetzen, weil sie eine klare Haltung gegenüber Israel haben. Sowohl auf Twitter, als auch auf Instagram und in der Presse hat Potter schon einige Namen durch den Dreck gezogen – nicht nur aus reiner Boshaftigkeit, sondern auch, um sich sein Geld damit zu verdienen. Sowas verkauft er dann als Recherche und die deutsche Medienlandschaft schmeißt sich unter seinen Stiefel und nominiert ihn für den Theodor-Wolff-Preis.

Artikel schreiben und mit rechten Journalist:innen der BILD, des Tagesspiegels, etc. gegen die gesamte Palästinabewegung zu hetzen, war ihm aber nicht genug – unter anderem auch die Hetze gegen uns als Klasse Gegen Klasse und unseren Genossen Tom Krüger, der damals noch Mitglied der Linksjugend [’solid] Berlin gewesen ist. Mit seinem Buch „Judenhass Undercover“ wollte er was Neues schaffen, etwas „gegen den Strom“, etwas, das den „Antisemitismus in linken und islamischen Subkulturen“ aufdeckt und anklagt. Allerassistischen Inhalten dieses Buchs, zu denen auch Luisa Neubauer und andere pseudolinke Aktivist:innen beigetragen haben, basieren auf einem instrumentellen Verständnis von Antisemitismus, das, weit weg von jüdischer Herkunft, schlichtweg auf Identifikation des Judentums mit dem israelischen Staat beschränkt wird. Unter dem Vorwand von sogenanntem israelbezogenen Antisemitismus wird über die muslimische Bevölkerung vor allem in Berlin, aber auch über Antiimperialist:innen und Antizionist:innen hergezogen, wohin das Auge reicht. Was BILD-Reporter und selbsternannte „Antisemitismusexpertenn“ wie Ahmad Mansour direkt und offen machen, verpackt Nicholas Potter sicherheitshalber in pseudointellektuelle Wörter – die jedoch nicht darüber hinwegtäuschen können, dass er denselben rassistischen, antimuslimischen Mist in die Welt setzt wie Konsorten bei rechten Medienportalen und sogar Mitglieder der israelischen Regierung selbst.

Der Höhepunkt seiner Karriere ist wohl nun damit erreicht, dass er mit seiner „Recherche“ über und den Inhaber Redstreamnet Hüseyin Doğru dafür gesorgt hat, dass Doğrus Website und Redstreamnet auf allen Plattformen wie Twitter und Instagram gelöscht und verboten wurde. Doğru selbst ist mit krassen Sanktionen der EU konfrontiert: Seine Konten sind eingefroren, als Familienvater hat er nahezu keine Möglichkeiten mehr, seiner Familie Brot auf den Tisch zu bringen. Für Potter ist jedes Mittel gegen Leute recht, die in seinem Verständnis „antisemitisch“ sind. Die Lebensgrundlage eines Menschen komplett zu zerstören, aufgrund seiner Haltung gegen Israel, ist für Potter und Konsorten täglich Brot.

Aber genau da haben Nicholas Potter, die taz und Israel eine Sache gemeinsam: Sie machen sich zum verlängerten Arm des deutschen und europäischen Autoritarismus und Imperialismus. Israel, das als siedlerkoloniales Projekt auf den Böden Palästinas aufgebaut wurde, genießt den Schutz und die Unterstützung der USA, Deutschlands und der EU nur deshalb, weil sie mit Israel das Ziel der ökonomischen und politischen Vorherrschaft über die arabische Welt verwirklichen können. Dabei deklarieren sie Israel als „Schutzstaat für jüdisches Leben“, während ihre etlichen völkerrechtswidrigen Angriffe gegen die Menschen der Region als „Terrorbekämpfung“ verpackt werden.

Dass Nicholas Potter dieses Projekt ideologisch unterstützt, ist bereits schlimm genug. Noch schlimmer ist es aber, dass er die Repression und den autoritären Umbau Deutschlands nicht nur ausnutzt, sondern aktiv mitträgt. Seine Recherchen in „Judenhass Underground“ dienen nicht der „Bewusstseinsentwicklung einer kritischen Gesellschaft“, wie er das mit eigenen Worten erzählt, sondern nur dazu, eine gesamte Bewegung zu diffamieren und einzelne Personen aus dieser Bewegung in die Hände des deutschen Staates und ihre rassistischen Gefängnissen zu werfen. Und dabei bedient er sich demselben Racial Profiling wie die Polizei: Der vermeintliche Kampf gegen Judenhass wird gegen linke, migrantische und queere Communities geführt. Rechte Milieus oder die Neonazis, die gerade deutschlandweit unsere Straßen zum Alptraum machen, werden nicht einmal erwähnt. Verwunderlich ist es nicht, wenn man Nicholas Potter als das einordnet, was er ist: Ein durch und durch rechter Journalist mit Abschiebe- und Repressionsfantasien gegen pro-palästinensische und antizionistische Menschen.

Doch auch Zeitungen wie die taz, die sich als „unabhängig“ und links präsentieren, tragen diesen Kurs von rechten Journalist:innen und repressiver Politik mit. Sie mag zwar finanziell unabhängig sein, ihre politischen Ansichten und die Wahl ihrer Journalist:innen biedert sich aber regelrecht an die deutsche Staatsräson an. Eine Zeitung, die in allerhöchstem Maße rassistische Figuren wie Ahmad Mansour schreiben und veröffentlichen lässt, darf sich alles nennen, aber auf keinen Fall links.

Wer dafür sorgt, dass jugendliche Klimaaktivist:innen und Migrant:innen auf Demos zusammengeschlagen, abgeschoben oder in deutsche Gefängnisse verfrachtet werden, ist kein „kritischer Journalist“, sondern ein Knecht des deutschen Staates. Wir solidarisieren uns mit allen, die im Fadenkreuz dieser rechten Journalist:innen gelandet sind.

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