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Neupack: Wieder „Flexi-Streik“ statt „Flexi-Arbeit“

Beim Verpackungshersteller Neupack in Hamburg legten die KollegInnen am Montag erneut die Arbeit nieder

Neupack: Wieder

// Beim Verpackungshersteller Neupack in Hamburg legten die KollegInnen am Montag erneut die Arbeit nieder //

Genau seit 158 Tagen dauert der Arbeitskampf beim Hamburger Verpackungshersteller Neupack: Seit dem 1. November befindet sich ein Teil der Belegschaft – mit Unterbrechungen – im Streik. Nach einigen Wochen Pause kam es am heutigen Montag erneut zu einer Arbeitsniederlegung: Rund 40 KollegInnen, dazu auch einige GewerkschaftssekretärInnen und AktivistInnen vom Soli-Kreis, bezogen Streikposten vor dem Werkstor. Sowohl vor der Frühschicht wie vor der Spätschicht konnten sie StreikbrecherInnen jeweils etwa 15 Minuten lang daran hindern, das Gelände zu betreten. Das Unternehmen hatte sich mit Unterstützung der Leiharbeitsfirma Work Express aus Katowice unmittelbar nach Streikbeginn im November Ersatzarbeitskräfte aus Polen besorgt. Nachdem ein politischer Skandal drohte, wurden die LeiharbeiterInnen durch Neupack befristet eingestellt. Für die polnischen Streikbrecher gab es am Montag Infomaterial in ihrer Sprache.

„Es ist immer noch besser, gemeinsam für einen Tarifvertrag zu streiken, als unter der Willkür des Familienpatriarchen Krüger weiterzuarbeiten“, erklärte Christin Bernhold, eine Aktivistin vom Soli-Kreis. „Die Stimmung ist gut“, meinte Betriebsratsvorsitzender Murat Günes.

Vergangenen Freitag hatte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Industrie (IG BCE) die Verhandlungen mit der Unternehmerfamilie Krüger für gescheitert erklärt. „Immer noch ist Neupack nicht dazu bereit, auf Maßregelungen gegenüber streikenden Mitarbeitern vollständig zu verzichten“, erklärte der Landesbezirksvorsitzender der Gewerkschaft, Ralf Becker, im Streikinfo Nr. 50. Ein zentraler Knackpunkt der Verhandlungen war bisher, dass die Eigentümerfamilie Krüger sich gegen eine Maßregelungsklausel im Tarifvertrag sperrte, mit der die zahlreichen Kündigungen und Abmahnungen gegen Streikende zurückgenommen werden würden. Letzte Woche fand vor dem Hamburger Arbeitsgericht eine Verhandlung wegen der versuchten Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Murat Günes statt – allein er hat während des Streiks schon mehrere Kündigungen erhalten.

Die IG BCE erklärt auch weiterhin, dass sie für einen Tarifvertrag für die Neupack-Beschäftigten eintrete. Doch aus Kreisen der Streikenden heißt es, dass die Gewerkschaft nur noch auf eine rechtlich minderwertige „Regelungsabsprache“ zielt. Im von der IG BCE herausgegebenen Streik­info heißt es, „die große Solidarität zwischen den Streikenden, dem Betriebsrat und der IG BCE“ war bei der letzten Mitgliederversammlung „überdeutlich“. Doch Beobachter meinen, bei der ausgesprochen kurzen Mitgliederversammlung am Freitag mussten die FunktionärInnen Aktionen versprechen, weil die Kritik der Mitglieder an der Streikführung immer lauter wurde.

Der Vollstreik, der ab dem 1. November vergangenen Jahres lief, wurde ab dem 25. Januar durch einen „Flexi-Streik“ ersetzt. Danach haben die Kollegen an den meisten Tagen normal gearbeitet (bis zur gestrigen Arbeitsniederlegungen gab es mehr als drei Wochen keine Streiks), so dass das Unternehmen seine Lagerhallen gut auffüllen konnte. Weil die Streiktaktik in der Bundeszentrale der IG BCE in Hannover entschieden wird, hatte der Betriebsratsvorsitzender Murat Günes im Interview den Flexi-Streik schon als „Flexi-Verarschung“ beschrieben. Andere Kollegen sprechen schlicht von „Flexi-Arbeiten“. „Die Streikenden müssen jetzt zusammenhalten und über den weiteren Verlauf des Streiks eigenständig entscheiden“, so Bernhold. „Die Bittstellerei der IG BCE bei der Geschäftsleitung war eine mehrwöchige Tragödie für die Belegschaft.“

Weitere Arbeitsniederlegungen diese Woche sind wahrscheinlich. Günes sagt, dass weitere Unterstützung für die Streikenden nötig ist. Neben dem Soli-Kreis in Hamburg hat sich auch in Berlin ein Soli-Kreis gegründet, der in der vergangenen Woche eine Kundgebung organisierte.

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