Nach Waffenstillstand: Israel verübt Massaker im Libanon
Israel hat die am Dienstag vereinbarte Waffenruhe gebrochen und im Libanon ein regelrechtes Massaker verübt. Der Angriff traf mindestens neun Stadtteile von Beirut sowie 60 Ortschaften im ganzen Land. Iran droht mit Vergeltungsmaßnahmen.
Am Mittwochmorgen startete Israel einen massiven Bombenangriff auf den Libanon, der innerhalb von nur zehn Minuten hundert verschiedene Orte traf. Unterschiedlichen Quellen zufolge ist dies der schlimmste Angriff seit der israelischen Invasion im Jahr 1982.
In Beirut haben Flugzeuge der zionistischen Luftwaffe ohne Vorwarnung ganze Wohnblocks dem Erdboden gleichgemacht, auch in Tyros sowie in anderen libanesischen Städten kam es zu Bombardements. Hunderte von Bildern, auf denen Menschen unter Trümmern begraben sind, machen in den Medien die Runde. Augenzeugen berichten von Dutzenden Verletzten, die auf der Suche nach Hilfe durch die Straßen rennen. Zehn Menschen kamen ums Leben, als sie an einer Beerdigung teilnahmen.
Das Libanesische Rote Kreuz bestätigte, dass landesweit mehr als hundert Krankenwagen ununterbrochen im Einsatz seien. Die Behörden des libanesischen Gesundheitsministeriums geben ihrerseits an, dass die Krankenhäuser überlastet seien und bislang mindestens 254 Tote und mehr als 1.100 Verletzte gezählt wurden. Es wird davon ausgegangen, dass die Zahl im Laufe der Stunden noch steigen wird, da viele Menschen weiterhin unter Trümmern begraben sind.
Widersprüchliche Interpretation des Waffenstillstands
In diesem Zusammenhang erklärte Präsident Donald Trump, dass „jeder weiß, dass der Libanon nicht Teil des Waffenstillstands mit dem Iran ist“, eine Aussage, die auch vom Völkermörder Benjamin Netanjahu bekräftigt wurde. Das israelische Militär hat zudem seine Absicht unterstrichen, trotz des Waffenstillstands weiterhin libanesisches Gebiet zu bombardieren und zu besetzen. Der Iran erwägt seinerseits, auf diese israelische Provokation zu reagieren, da sein zehn Punkte Verhandlungsplan für einen Waffenstillstand, auch die Beendigung der Aggressionen im Libanon beinhaltet.
Der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif, der eine zentrale Rolle bei der Vermittlung zwischen beiden Seiten gespielt hatte, erklärte, dass die erzielte Einigung auch den Libanon und andere Orte umfasse.
Unterdessen erklärte der libanesische Präsident Joseph Anoun: „Diese barbarischen Aggressionen, die keine Rechte anerkennen und keine Abkommen oder Verpflichtungen achten, haben wiederholt eine absolute Missachtung aller internationalen Gesetze und Normen gezeigt“, und verurteilte Israel dafür, erneut „allen menschlichen Werten“ zuwidergehandelt zu haben. Auch der Präsident des libanesischen Parlaments, Nabih Berri, verurteilte das, was er als „die Brutalität der israelischen Tötungsmaschine in ihrem Vernichtungskrieg gegen den Libanon“ bezeichnete.
Dieser kriminelle Angriff Israels, das auch am Mittwoch die Bombardierung des Gazastreifens fortsetzte, könnte den brüchigen Waffenstillstand,, der bereits durch Angriffe auf strategische Infrastruktur in mehreren Golfstaaten und im Iran bedroht war, zunichte machen. Der Iran hat als Antwort auf die israelischen Aggressionen erneut die Straße von Hormus blockiert und jedem Schiff gedroht, das versucht, diese ohne Genehmigung zu passieren.
Israel hält am Krieg fest
Das am Dienstagabend erzielte Waffenstillstandsabkommen hat Benjamin Netanjahu in eine heikle Lage gebracht. Er sieht sich bereits interner Kritik ausgesetzt, weil er ein Abkommen zugelassen hat, das viele in Israel als Sieg für den Iran bezeichnen. Yair Lapid, Vorsitzender der zionistischen Opposition, erklärte, der „Waffenstillstand sei eine politische Katastrophe von beispiellosem Ausmaß“, da „Israel keinerlei Mitspracherecht hatte“. Die israelische Regierung ist zudem unzufrieden mit der gestärkten Position, die der Iran in der Region einnehmen würde, sollte es ihm letztendlich gelingen, seine Bedingungen durchzusetzen.
Es scheint sich abzuzeichnen, dass die israelische Völkermordmaschinerie sich nicht damit zufrieden geben will, ihre gescheiterten Ziele, den Iran als regionale Macht zu zerstören und die Region am Rande des Abgrunds zu halten, aufzugeben. Es bleibt abzuwarten, wie weit sie gehen werden, um dieses Ziel zu erreichen.
Als Reaktion darauf ist es notwendig, weltweit die Mobilisierung gegen die anhaltende imperialistische Aggression gegen das libanesische, das iranische und das palästinensische Volk, das sich dieser kriegstreiberischen Politik widersetzt, massiv zu verstärken und eine echte antiimperialistische Bewegung aufzubauen, um dieser Barbarei entgegenzutreten.
Dieser Artikel erschien zuerst am 7. April bei La Izquierda Diario.