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München: Landesbeschäftigte im Warnstreik

Der Streikfrühling geht weiter. 3000 Landesbeschäftigte aus München treten in den Warnstreik, darunter auch Universitätsangestellte. Studierende begleiten sie solidarisch.

München: Landesbeschäftigte im Warnstreik

// Der Streikfrühling geht weiter. 3000 Landesbeschäftigte aus München treten in den Warnstreik, darunter auch Universitätsangestellte. Studierende begleiten sie solidarisch. //

Heute fand in München der Warnstreik von Beschäftigten im öffentlichen Dienst der Länder statt. Mit dabei: Arbeitende aus den Münchener Unikliniken, Angestellte der Studentenwerke, ArbeiterInnen der Autobahnmeistereien, Beschäftigte aus dem Theater, der öffentlichen Verwaltung und der Stadt. Sie streiken für höheren Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. BeamtInnen waren von ver.di zur Teilnahme in ihrer Freizeit oder Mittagspause aufgerufen.

Insgesamt folgten circa 3.000 Beschäftigte dem Streikaufruf. Den Auftakt bildete eine Kundgebung vor der Ludwig-Maximilians-Universität. Von dort zogen die Streikenden in Richtung Technische Universität, um ihre Demonstration am Odeonsplatz abzuschließen. Die Spitze des Demonstrationszuges bildete ein kämpferischer Block von Auszubildenden.

Zwei Krankenschwestern in Ausbildung eines Münchener Uniklinikums beschreiben ihre Situation im Interview: „Als Auszubildende bekommen wir sehr schlechte Löhne, obwohl wir täglich eine hohe Verantwortung tragen.“ Zur fehlenden finanziellen Anerkennung kämen die Bedingungen der Ausbildung: „Wir müssen zahlreiche Überstunden leisten, die wir weder bezahlt bekommen, noch zeitlich an anderen Tagen ausgleichen können. Wir arbeiten in wechselnden Schichten, mal um sieben in der Früh, mal bis in die Nacht hinein. Die Ausbildung dauert drei Jahre, wobei wir während den ersten drei Monaten von heute auf Morgen gefeuert werden können.“

Die Parolen des Blocks der Auszubildenden richteten sich neben der Forderung nach höheren Löhnen gegen die Praxis der Befristungen, für eine sichere Übernahme und bezahlten Urlaub. Besonders gut in der Spitze der Demo kam auch der Spruch „Wer nicht hüpft, ist Arbeitgeber“ an. Auf der Abschlusskundgebung bekräftigten die RednerInnen von ver.di und DGB die Forderung nach 5,5 Prozent und mindestens 175 Euro mehr Lohn.

Der heutige Warnstreiktag ist eine Station im Münchner Streikfrühling 2015. Am 20. März traten die Beschäftigten des Sozial- und Erziehungsdienstes unter anderem für die Anerkennung ihrer Berufe und gleichwertige Bezahlung von Männern und Frauen in den Warnstreik. Die Interessen von ErzieherInnen, Krankenschwestern und StraßenarbeiterInnen sind ähnlich: Anerkennung ihrer Arbeit, staatliche Ausfinanzierung öffentlicher Güter, finanzielle Gleichstellung der Geschlechter und einen Anteil am Produktionsfortschritt für alle Lohnabhängigen. Würde ver.di die Streiks der Landes- sowie der Stadt- und Bundesbeschäftigten im öffentlichen Dienst zusammenführen, könnte das den Kampf entscheidend stärken.

Auch solidarische Studierende nahmen an den Aktionen teil. Sie haben gute Gründe, sich in die Streiksolidarität einzuschalten. Zum einen sind sie direkt von den Arbeitsbedingungen Universitäts- und Hochschulbeschäftigter des Landes sowie von der Finanzierung der öffentlichen Gesundheitsversorgung oder dem Verkehrswesen betroffen. Zum anderen befinden sich StudentInnen oft genug selbst in prekärer Arbeit oder bekommen nach ihrem Studium keinen festen Job. Ein Sieg der öffentlich Beschäftigten um Lohn und Anerkennung wäre auch ihr Sieg, da er eine Verschiebung der Kräfte zugunsten aller Lohnabhängigen bedeutet.

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