Frauen und LGBTI*

Mütter in der Pflege

Im Rahmen des internationalen Weltfrauentags, am 8. März 2018, stellt sich ein großes Thema in den Fokus: Frauen in Pflegeberufen. Von Lisa Sternberg, Krankenschwester.

Mütter in der Pflege

Beson­ders betrof­fen von der hohen Arbeits­be­las­tung im Pflege­sek­tor – auf­grund enormer kör­per­lich­er Anstren­gung, psy­chis­chem Stress und dem Schicht­di­enst – sind Müt­ter. Neben den hohen Belas­tun­gen im Beruf müssen sie auch das Fam­i­lien­leben unter einen Hut bekom­men. Nach einem anstren­gen­den Früh­di­enst, meist ganz ohne oder zumin­d­est ohne erhol­same Pause, muss die Kinderver­sorgung anschließend und auch vor dem Dienst funk­tion­ieren.

Die Väter soll­ten da eigentlich das gemein­same Fam­i­lien­leben und die dazuge­hörige Organ­i­sa­tion mit tra­gen. Aber wie sieht die Real­ität aus? Durch den immer noch vorhan­de­nen Gehalt­sun­ter­schied (“Gen­der Pay Gap”) zwis­chen Män­nern und Frauen, arbeit­en die meis­ten Fam­i­lien­väter in ein­er 5‑Tage-Woche und sind tagsüber nicht ver­füg­bar für die Kinderver­sorgung. Am schlimm­sten betrof­fen sind natür­lich allein­erziehende Müt­ter ohne Unter­stützung von Fam­i­lie und Umfeld. Wer betreut das Kind, wenn der Früh­di­enst um 6:30 Uhr begin­nt? Wer betreut das Kind, wenn der Spät­di­enst um 22 Uhr endet?

Die logis­che Schlussfol­gerung ist, dass die betrof­fe­nen Müt­ter keinen Schicht­di­enst mehr machen kön­nen. Doch damit fol­gen dann die näch­sten Prob­leme, näm­lich finanzielle. Die Wech­selschichtzu­lage in der Pflege kann bis zu 300€ im Monat mehr Geld ein­brin­gen. 300€, die beson­ders für allein­erziehende Müt­ter ein wichtiges finanzielles Pol­ster aus­machen, ja ger­adezu exis­ten­ziell sind.

Viele Kliniken bieten Betrieb­skindertagesstät­ten an, ver­meintlich zur Ent­las­tung des Per­son­als. Ein Beispiel hier­für ist das Rotkreuzk­linikum in München. Dieser Kinder­garten hat von 7 Uhr – 16 Uhr geöffnet. Der Früh­di­enst im Rotkreuzk­linikum München fängt jedoch um 6:05 Uhr an. Da bleibt nun die Frage, wie eine allein­erziehende Mut­ter im Früh­di­enst, wie auch im Spät­di­enst, eine Ver­sorgung ihres Kindes leis­ten kann.

Wie schon oben beschrieben, ist natür­lich die finanzielle Frage ein großes The­ma. Oft bleibt für viele Müt­ter nur eine Arbeit­szeitre­duzierung als Lösung. Doch das ohne­hin schon geringe Gehalt ein­er Gesund­heits-und Krankenpflegerin wird somit noch geringer. Somit bleibt ein­er Mut­ter in der Pflege nur ein Full­time­job. Beru­flich wie auch pri­vat bis zum Ver­lust der Exis­tenz.

Die Müt­ter in der Pflege müssen durch den Staat ent­lastet wer­den. Das Prob­lem der Kinder­be­treu­ung darf kein pri­vates mehr sein, son­dern ein gesellschaftlich­es. Der Bund und die Län­der müssen für eine aus­re­ichende und bezahlbare Kinderver­sorgung sor­gen, und das auch für geringe bzw. keine Kosten.

Außer­dem muss die Pflege sich organ­isieren, um Arbeit­skämpfe zu führen. Wir brauchen in der Pflege einen höheren Per­son­alschlüs­sel und eine Arbeit­szeitre­duzierung bei vollem Lohnaus­gle­ich, um die Arbeits­be­las­tung zu reduzieren und das Fam­i­lien­leben zu fördern.

Dazu braucht es Unter­stützung aus der Gesellschaft, von Pfle­gen­den und aus der Poli­tik.

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