München: Dozierende, Pflegekräfte und Mensa streiken, aber was ist mit den Studierenden?

09.02.2026, Lesezeit 4 Min.
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Foto: Eingang des Instituts beim letzten Streikcafé vom 28. Januar diesen Jahres (privat)

Gerade streiken Studierende und Arbeiter:innen der Universitäten und Unikliniken in allen Bundesländern. Dozierende, Krankenpfleger:innen, Mensamitarbeiter:innen genauso wie Hausmeister:innen fordern 7 Prozent mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen. Aber wieso betrifft das uns als Studierende eigentlich?

Studieren am Limit

Während des Studiums ist die Wohnsituation eines der wichtigsten Themen für uns. Wenn wir das “Privileg” genießen dürfen, einen Platz in einem der umkämpften Wohnheime zu ergattern, leben wir in kleinen, oft heruntergekommenen Zimmern und teilen uns jahrelang Küche und Bad mit über 20 anderen Personen. Deswegen hat uns die Schlagzeile am Anfang des Wintersemesters alle nicht überrascht, als hunderte Bilder von vergammelten Zimmern in der Studentenstadt aufgedeckt wurden. Für uns die nüchterne Realität, aber damit nicht genug. Denn gleichzeitig sind die Mieten auf einem Rekordhoch. Für ein WG-Zimmer zahlt man in München mittlerweile durchschnittlich 730€ im Monat.

Viele von uns müssen neben dem Studium noch einem oder mehreren Minijobs nachgehen, für die wir dann so wenig bezahlt werden, dass wir uns über jeden Einkauf im Supermarkt Sorgen machen müssen. Und auch der Weg zur Uni wird immer teurer, da das Deutschlandticket sich jedes Semester weiter erhöht. Doch die aktuelle Regierung hat auf diese Probleme überhaupt keine Antworten, vielmehr verschlechtert sie unsere Situation und verhöhnt die Jugend und die arbeitende Bevölkerung. Kanzler Merz fällt nichts Besseres ein, als die „faulen“ Arbeiter:innen und Migrant:innen für die Krise verantwortlich zu machen. Damit befördert er aktiv den Rechtsruck und schafft mit antisozialen und ausländerfeindlichen Politik den Boden für den Aufstieg der extremen Rechten. 

Warum sollten wir als Studierende den Streik unterstützen?

Viele wissen es nicht, aber unsere Dozierenden arbeiten am Limit, retten sich von einem befristeten Vertrag zum nächsten und am Ende leidet vor allem unsere Lehre darunter. Als studentische Hilfskräfte müssen arbeitende Studierende oft unbezahlte Überstunden leisten und haben immer noch keine geregelten Arbeitsbedingungen durch einen gemeinsamen Tarifvertrag. Während unsere Mensapreise immer teurer werden, haben auch die Mensabeschäftigten mit Personalnot und schlechten Löhnen zu kämpfen. Und seit Corona ist allen klar, dass die Pflegekräfte an unseren Unikliniken täglich lebenswichtige Aufgaben leisten, ohne die unsere Gesellschaft nicht funktionieren würde. Klatschen vom Balkon hat deshalb noch nie gereicht und wir müssen sie und ihre Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen gerade beim Streik unterstützen. 

Auch im Kampf gegen die Merz-Regierung und die AfD zeigen uns die Reden der Kolleg:innen auf den bisherigen Streikversammlungen, wo die Richtung hingehen muss: auf ihrem Streik soll der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen mit dem Kampf gegen die Aufrüstungs- und soziale Kahlschlagpolitik der Merz-Regierung verbunden werden. Vertreter:innen der gewerkschaftlichen Jugend betonten dabei auch, dass der aktuelle Arbeitskampf deswegen auch in Solidarität mit den Schulstreiks gegen die Wehrpflicht steht. 

Wie kann unsere Unterstützung konkret aussehen?

Am Dienstag ist wieder ein bayernweiter Streik angesagt. Wir wollen alle Studierenden dazu aufrufen, die Kundgebung am Odeonsplatz ab 10:30 Uhr zu unterstützen. Danach laden wir alle Arbeiter:innen aus den Kliniken und den verschiedenen Münchner Universitäten und Hochschulen dazu ein, ab 13:00 Uhr zum Streikcafé ins Institut für Soziologie in der Konradstraße 6 zu kommen. Dort wird es eine Diskussion zwischen allen Streikenden und solidarischen Personen geben und wir wollen bei Kaffee, Tee und Kuchen über die Tarifrunde und unseren Kampf gegen die Kürzungs- und Aufrüstungspolitik der Länder- und Bundesregierung zu sprechen. 

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