Frauen und LGBTI*

Motzstraßenfest: Bullen, Konzerne und Reaktion unter dem Regenbogen

Das lesbisch-schwule Stadtfest in Schöneberg soll ein Zeichen gegen Unterdrückung setzen. Doch es ist zu einer Bühne für reaktionäre Institutionen aller Art geworden.

Motzstraßenfest: Bullen, Konzerne und Reaktion unter dem Regenbogen

„Wir wünschen uns mehr Polizei“, sagte jemand auf der Hauptbühne. „Da sind wir uns alle einig.“ Bei der Podiumsdiskussion saßen Politiker von der CDU, den Grünen und der Linkspartei. Die drei Parteien stritten darüber, wer von ihnen die meisten neuen Stellen bei der Polizei schaffen könnte.

Doch das Zitat könnte auch das Motto des ganzen Straßenfestes sein. Die Berliner Polizei war nicht nur im Einsatz, sondern auch mit Ständen präsent. Alle Parteien stellten sich vor – auch die besonders homophobe CDU war dabei – zusammen mit Konzernen ohne Ende. Die israelische Botschaft verteilte Israel-Fähnchen in Regenbogenfarben, obwohl der israelische Staat nicht nur palästinsische LGBTI* in den besetzen Gebieten unterdrückt, sondern auch jüdische LGBTI* diskriminiert. Im vergangenen Jahr hatte es einen Protest von israelischen und palästinensischen Queers gegen diesen Stand gegeben.

Einst kämpften die Aktivist*innen der Motzstraße gegen die Berliner Polizei für ihre Rechte. Früher brannten hier Barrikaden – nun geht es um „pinken Kapitalismus“. Das bürgerliche Regime heuchelt vor, schwule Männer zu akzeptieren, wenn sie Kleinfamilien gründen und nicht anderweitig auffallen. Tatsächlich aber gibt es weiter legale Diskriminierung bei kirchlichen Trägern und tätliche Angriffe auf der Straße. Der Kapitalismus hat keine Antwort darauf.

Die gleiche Polizei, die sich hier LGBTI*-freundlich zeigen will, schiebt queere Geflüchtete ab. Denn Homosexualität wird regelmäßig nicht als Fluchtgrund anerkannt. Da werden Menschen in Länder abgeschoben, wo sie aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Geschlechts verfolgt werden.

Das Motzstraßenfest bietet höchstens für einige wenige schwule Männer eine Perspektive, die innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft aufsteigen können – etwa die Politiker auf der Bühne, die prächtige Gehälter kassieren.

Aber wenn wir die Unterdrückung beenden wollen, müssen wir zu den Traditionen von Stonewall zurückkehren. Befreiung gibt es nur, wenn wir uns mit allen Unterdrückten verbinden und gegen den Kapitalismus kämpfen.

In diesem Sinne war das Bündnis „Gemeinsam Kämpfen für Befreiung“ beim CSD in München eine wunderbare Sache, um den Kampf gegen LGBTI*-Unterdrückung mit Kämpfen gegen Rassismus zu verbinden. So etwas fehlte leider in der Motzstraße.

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