Mord an Journalist:innen: Israel für zwei Drittel der Tode verantwortlich
Die gezielte Tötung von Journalist:innen erreichte 2025 einen neuen Höchststand – für die Mehrheit der Tode ist der israelische Staat verantwortlich. Dahinter steht der Versuch, die Presse auszuschalten, um den Völkermord in Palästina zu verschleiern.
In seinem letzten Bericht, der am Mittwoch veröffentlicht wurde, kommt das CPJ (Komitee zum Schutz von Journalist:innen) zu einem erschütternden Ergebnis: Im Jahr 2025 wurden weltweit 129 Journalisten getötet. Damit ist 2025 das tödlichste Jahr für Journalist:innen seit Beginn der Datenerhebung durch das CPJ vor mehr als 30 Jahren. Das Komitee nennt mehrere Konflikte, die für Journalist:innen besonders gefährlich sind: vier Tote in der Ukraine, neun im Sudan – Zahlen, die bereits schwer wiegen und die Brutalität dieser Kriege verdeutlichen. Die überwiegende Mehrheit der Morde ereignete sich aber in Palästina, wo dutzende Journalist:innen in Gaza und den besetzten palästinensischen Gebieten getötet wurden. Diese Morde sind keineswegs Kollateralschäden, sondern Teil einer Strategie der israelischen Armee, die darauf abzielt, die Presse zum Schweigen zu bringen und den Völkermord unsichtbar zu machen.
Seit dem 7. Oktober 2023 wurden mehr als 200 palästinensische Journalist:innen und Medienmitarbeiter:innen von Israel getötet. Trotz des vermeintlichen ‚Waffenstillstands‘ in Gaza setzt der zionistische Staat seine Morde fort, wie der Mord an drei Journalist:innen am 21. Januar 2026 in Gaza-Stadt zeigt. Diese zahlreichen Fälle sind Teil eines Versuchs Israels, das Ausmaß des Völkermords zu verschleiern, mit gezielten Angriffen auf Journalist:innen, die über die organisierte Hungersnot, die Angriffe auf Krankenhäuser und die systematische Zerstörung der zivilen Infrastruktur berichtet hatten. Es gibt zahlreiche Beispiele, die ein Muster gezielter Angriffe erkennen lassen.
Einer der symbolträchtigsten Fälle ist die Ermordung des Al-Jazeera-Journalisten Anas al-Sharif, der nach wiederholten und unbegründeten Verleumdungskampagnen Israels öffentlich auf die Gefahren für sein Leben hingewiesen hatte. Nach Jahren des Drucks und falscher Anschuldigungen wurde er am 10. August 2025 zusammen mit drei weiteren Al-Jazeera-Journalisten bei einem Angriff auf ein Pressezelt hingerichtet.
Zu dieser Strategie gezielter Morde kommt eine systematische Politik der Diffamierung hinzu: Sobald Journalisten getötet wurden, beschuldigt der israelische Staat sie, „Terroristen“ gewesen zu sein, ohne jemals auch nur den geringsten Beweis dafür vorzulegen. Auch die Familien der Journalist:innen werden bewusst ins Visier genommen, um sie kollektiv zu bestrafen: Seit Oktober 2023 wurden mehr als 700 Angehörige getötet. Zusätzlich zu diesen Morden werden zahlreiche palästinensische Journalist:innen ohne Anklage in israelischen Gefängnissen inhaftiert, gefoltert und sexuellen und psychologischen Demütigungen ausgesetzt.
Auch die Presse in Israel wird durch massive militärische Zensur, Druck seitens der Regierung und Angriffe auf unabhängige Medien mundtot gemacht. Es wird alles getan, um zu verhindern, dass die israelische Bevölkerung, wie auch der Rest der Welt, das tatsächliche Ausmaß des laufenden Völkermords erkennen kann.
Diese Unsichtbarmachung erstreckt sich über Palästina hinaus auf die imperialistischen Komplizenländer, wo Solidarität mit dem palästinensischen Volk systematisch kriminalisiert wird. Demonstrationsverbote, Verfolgung von Aktivist:innen, Journalist:innen und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vor Gericht: Überall zielt die Unterdrückung darauf ab, Schweigen zu erzwingen.
Dieser Artikel erschien zunächst am 25. Februar in unserer Schwesterzeitung Révolution Permanente.