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Mexiko: Papst-Besuch, Drogenpolitik und eine unabhängige Kandidatin der Arbeiter*innen

Vor einer Woche endete die Reise von Papst Franziskus in dem vom Drogenhandel und der Gewalt geplagten Land. Zur gleichen Zeit läuft eine Kampagne um die Arbeiterin Antonia Hinojos an, die als Vertreterin einer jungen und kämpferischen Arbeiter*innenklasse an der Grenze zu den USA Bürgermeister werden möchte.

Mexiko: Papst-Besuch, Drogenpolitik und eine unabhängige Kandidatin der Arbeiter*innen

Mario Bergoglio alias Papst Franziskus machte während sein­er Reise halt an eini­gen der beispiel­haftesten Orte für die Prob­leme Mexikos. Im südlichen Chi­a­pas, wo die indi­gene Bevölkerung aus­geschlossen und unter­drückt wird und die Mil­i­tarisierung voran­schre­it­et. In Ciu­dad Juarez an der Gren­ze zu den USA, die als Haupt­stadt der Frauen­morde und der Über­aus­beu­tung in den maquilado­ras (ähn­lich wie sweat­shops) bekan­nt ist. Und natür­lich im Präsi­den­ten­palast in Mexiko-Stadt, wo sich Franziskus mit den Vertreter*innen der poli­tis­chen Kaste traf, deren Verbindun­gen zum Dro­gen­han­del und der Kor­rup­tion erschreck­ende Aus­maße annehmen.

Nur wenige Tage vor dem Papst-Besuch wurde eine Jour­nal­istin tot aufge­fun­den – die Gewalt und Ver­fol­gung von Journalist*innen ist in Mexiko lei­der bru­tale Real­ität. Gle­ichzeit­ig wurde der Bericht ein­er argen­tinis­chen Spezialist*innengruppe über die Ursachen des Ver­schwindens der 43 Studieren­den im Sep­tem­ber 2014 veröf­fentlicht, der der Ver­sion der Regierung wider­spricht. Dies ver­wun­dert nie­man­den, war die Regierung doch selb­st an dem Ver­brechen beteiligt. Außer­dem wurde das Ver­schwinden von fünf Studieren­den in dem vom Dro­gen­han­del kon­trol­lierten Bun­desstaat Ver­acruz bekan­nt – auch hier spielte die Polizei eine nicht unwesentliche Rolle, indem sie die Opfer den Dro­gen­ban­den über­lieferte.

Auf sein­er Reise führte der Papst seine reformistis­che Mis­sion fort, dessen Ziel es ist – mit­tels eines sozialen Diskurs­es – die Stärke der Katholis­chen Kirche für ihre reak­tionären Pro­jek­te zurück­zuer­lan­gen. So suchte er den Dia­log mit der indi­ge­nen Bevölkerung und sagte, dass „Gott die Sklaven­hal­ter von heute zur Rech­nung ziehen wird“ und verurteilte die bru­tal­en Arbeits­be­din­gun­gen in den riesi­gen Indus­trieparks multi­na­tionaler Konz­erne wie Fox­conn oder Lex­mark.

Genau dort fan­den Ende let­zten Jahres zahlre­iche Streiks und Arbeit­skämpfe statt, die für bessere Arbeits­be­din­gun­gen, gegen sex­uelle Beläs­ti­gung und gew­erkschaftliche Organ­isierung ein­trat­en. Dabei han­delt es sich um die ersten Schritte ein­er jun­gen, vor allem weib­lichen, enorm konzen­tri­erten Klasse von 300.000 Arbeiter*innen alleine in Ciu­dad Juarez.

Nach diesen Kampfer­fahrun­gen macht jet­zt ein Teil dieser Arbeiter*innen einen Sprung hin zur poli­tis­chen Aktiv­ität: Die ent­lassende Lex­mark-Arbei­t­erin Anto­nia Hino­jos führt die Kam­pagne für eine unab­hängige Kan­di­datur der Lohn­ab­hängi­gen bei den Wahlen zur Bürgermeister*in in Ciu­dad Juarez. Dies ist ein wichtiger Schritt hin zu der Alter­na­tive der Klasse­nun­ab­hängigkeit und des Anti-Impe­ri­al­is­mus, die mit den Kämpfen der Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten ver­bun­den ist, welche die Arbeiter*innenklasse drin­gend braucht.

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