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Massaker in Manchester: Ihre Kriege, unsere Toten

Der brutale Anschlag verursachte mindestens 22 Tote und mehr als 50 Verletzte. Der Islamische Staat beanspruchte die Täterschaft für sich. Die imperialistischen Länder bereiten eine neue Welle des Militarismus vor.

Massaker in Manchester: Ihre Kriege, unsere Toten

Die Nachricht des Atten­tats vor dem Fußball­sta­dion in Man­ches­ter, in dem zehn­tausende Jugendliche das Konz­ert von Ari­ana Grande (Pop-Star und Darstel­lerin in ver­schiede­nen Dis­ney-Jugend­se­rien) besucht­en, erschüt­terte ganz Europa.

Der Atten­täter, der sich beim Anschlag selb­st umbrachte, zün­dete eine Bombe im Ein­gangs­bere­ich der Konz­erthalle, als Tausende Zuschauer*innen zum Ende der Show das Sta­dion ver­ließen. Das Chaos begann sofort. Es brauchte nicht viel, um in einem Ort voller Kinder, Jugendlich­er und ihrer Fam­i­lien ein großes Mas­sak­er zu ver­anstal­ten. Mil­lio­nen Men­schen ging diese Nachricht sehr nah und sie fühlen immer noch mit den trauern­den Freund*innen und Fam­i­lien­ange­höri­gen der Opfer.

Es han­delt sich um das größte Atten­tat in Großbri­tan­nien seit 2005, als vier Atten­täter Bomben in der Lon­don­er U‑Bahn zün­de­ten und dabei 56 Men­schen ums Leben kamen. 2007 gab es die Explo­sion ein­er Auto­bombe am Flughafen in Glas­gow, Schot­t­land und 2013 den Angriff auf einen britis­chen Sol­dat­en auf offen­er Straße, um „die von den britis­chen Soldat*innen getöteten Muslime*a zu rächen“, wie ein­er der Angreifer sagte. Vor fast genau zwei Monat­en fuhr ein Men­sch mit einem Auto in eine Gruppe Fußgänger*innen auf der West­min­ster Bridge im Lon­don­er Stadtzen­trum.

Paris, Brüs­sel, Berlin, München, Niz­za, Lon­don, Man­ches­ter: in den let­zten zwei Jahren häuften sich die Anschläge in europäis­chen Städten. Das Atten­tat vom Mon­tag in Großbri­tan­nien erin­nert an das im Konz­ert­saal Bat­a­clan in Paris während des Konz­erts der Eagles of Death Met­all am 13. Novem­ber 2015. Zur Mehrheit der Anschläge bekan­nte sich der Islamis­che Staat oder sie wur­den durch Indi­viduen und Grup­pen durchge­führt, die sich im Inter­net radikalisierten oder in Syrien für den IS kämpften.

Alle Atten­tate, die viel Schmerz und Angst in der Bevölkerung verur­sachen, wer­den durch die Regierun­gen und die europäis­chen Staat­en dafür ver­wen­det, die Rufe nach Frem­den­hass, Islam­o­pho­bie, Mil­i­taris­mus und größeren Sicher­heits­maß­nah­men zu ver­stärken. Als Kon­se­quenz wer­den dann „Aus­nah­mezustände“ oder „beson­dere“ Maß­nah­men im Inneren ver­hängt und im Aus­land kriegerische Offen­siv­en durchge­führt, wie Bom­barde­ments in Syrien oder Irak. Das erle­ichtert jedoch die Rekru­tierung für den IS und seinen „anti-west­lichen Kreuz­zug“.

Die grausame Krieg­sof­fen­sive der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en und ihre repres­siv­en Maß­nah­men ver­schär­fen zusam­men mit den reak­tionären Atten­tat­en des IS die Spal­tung zwis­chen der ara­bisch-stäm­mi­gen Bevölkerung gegenüber anderen Migrant*innen und den ein­heimis­chen Arbeiter*innen in Europa. Die Islam­o­pho­bie und die extreme Rechte gehen gestärkt her­aus.

In den europäis­chen Haupt­städten scheint der „per­ma­nente Krieg gegen den Ter­ror­is­mus“ zu etwas natür­lichem zu wer­den, der von There­sa May, Mar­i­ano Rajoy, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Don­ald Trump geteilt wird. Er ist eine Art „Zeit­geist ein­er neuen Epoche“ der impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en mit größeren Mil­itärin­ter­ven­tio­nen, wie es das Chaos in Syrien tragis­cher­weise ankündigt.

In diesem Krieg tre­f­fen die Inter­essen von Regionalmächt­en, impe­ri­al­is­tis­chen Mächt­en und reak­tionären Frak­tio­nen aufeinan­der, sowohl auf Seit­en der Assad-Regierung als auch bei den „Rebellen“, und die zusät­zliche Präsenz des IS in Syrien und dem Irak. Die jüng­sten Bom­barde­ments von Don­ald Trump in Syrien und die Beteili­gung von Großbri­tan­nien im Mil­itär­bünd­nis der USA gegen den IS stellen diese Län­der ins Fadenkreuz der Anschläge.

Der Anschlag in Großbri­tan­nien, das sich auf den Brex­it und den Aus­tritt aus der krisel­nden EU vor­bere­it­et, zeigt, dass die Regierung von There­sa May es nicht geschafft hat, den Schlä­gen auszuwe­ichen, die Folge ihrer eige­nen impe­ri­al­is­tis­chen Poli­tik sind. Während die Regierung an dieser Poli­tik fes­thält, muss die Zivil­bevölkerung die Kosten dafür zahlen, mit Mas­sak­ern wie am Mon­tag.

Die Kam­pagne für die Neuwahlen am 8. Juni wur­den von allen Parteien aus­ge­set­zt, doch wenn sie weit­erge­ht, wird sie sich­er von einem reak­tionären Kli­ma geprägt ganz im Zeichen des Atten­tats ste­hen. Gibt es wieder Mobil­isierun­gen gegen den Krieg und für die Auf­nahme von Geflüchteten?

Ihre impe­ri­al­is­tis­chen Kriege und die reak­tionären Anschläge sind ein Aus­druck der kap­i­tal­is­tis­chen Bar­barei, die den Tod von mehr als 20 Jugendlichen und Kindern forderte, die ein Konz­ert in Man­ches­ter besucht­en. Das gle­iche passiert, zehn­tausen­fach, der Zivil­bevölkerung in Syrien, Irak, Jemen oder Palästi­na.

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