Massaker in Manchester: Ihre Kriege, unsere Toten

25.05.2017, Lesezeit 4 Min.
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Der brutale Anschlag verursachte mindestens 22 Tote und mehr als 50 Verletzte. Der Islamische Staat beanspruchte die Täterschaft für sich. Die imperialistischen Länder bereiten eine neue Welle des Militarismus vor.

Die Nachricht des Attentats vor dem Fußballstadion in Manchester, in dem zehntausende Jugendliche das Konzert von Ariana Grande (Pop-Star und Darstellerin in verschiedenen Disney-Jugendserien) besuchten, erschütterte ganz Europa.

Der Attentäter, der sich beim Anschlag selbst umbrachte, zündete eine Bombe im Eingangsbereich der Konzerthalle, als Tausende Zuschauer*innen zum Ende der Show das Stadion verließen. Das Chaos begann sofort. Es brauchte nicht viel, um in einem Ort voller Kinder, Jugendlicher und ihrer Familien ein großes Massaker zu veranstalten. Millionen Menschen ging diese Nachricht sehr nah und sie fühlen immer noch mit den trauernden Freund*innen und Familienangehörigen der Opfer.

Es handelt sich um das größte Attentat in Großbritannien seit 2005, als vier Attentäter Bomben in der Londoner U-Bahn zündeten und dabei 56 Menschen ums Leben kamen. 2007 gab es die Explosion einer Autobombe am Flughafen in Glasgow, Schottland und 2013 den Angriff auf einen britischen Soldaten auf offener Straße, um „die von den britischen Soldat*innen getöteten Muslime*a zu rächen“, wie einer der Angreifer sagte. Vor fast genau zwei Monaten fuhr ein Mensch mit einem Auto in eine Gruppe Fußgänger*innen auf der Westminster Bridge im Londoner Stadtzentrum.

Paris, Brüssel, Berlin, München, Nizza, London, Manchester: in den letzten zwei Jahren häuften sich die Anschläge in europäischen Städten. Das Attentat vom Montag in Großbritannien erinnert an das im Konzertsaal Bataclan in Paris während des Konzerts der Eagles of Death Metall am 13. November 2015. Zur Mehrheit der Anschläge bekannte sich der Islamische Staat oder sie wurden durch Individuen und Gruppen durchgeführt, die sich im Internet radikalisierten oder in Syrien für den IS kämpften.

Alle Attentate, die viel Schmerz und Angst in der Bevölkerung verursachen, werden durch die Regierungen und die europäischen Staaten dafür verwendet, die Rufe nach Fremdenhass, Islamophobie, Militarismus und größeren Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Als Konsequenz werden dann „Ausnahmezustände“ oder „besondere“ Maßnahmen im Inneren verhängt und im Ausland kriegerische Offensiven durchgeführt, wie Bombardements in Syrien oder Irak. Das erleichtert jedoch die Rekrutierung für den IS und seinen „anti-westlichen Kreuzzug“.

Die grausame Kriegsoffensive der imperialistischen Staaten und ihre repressiven Maßnahmen verschärfen zusammen mit den reaktionären Attentaten des IS die Spaltung zwischen der arabisch-stämmigen Bevölkerung gegenüber anderen Migrant*innen und den einheimischen Arbeiter*innen in Europa. Die Islamophobie und die extreme Rechte gehen gestärkt heraus.

In den europäischen Hauptstädten scheint der „permanente Krieg gegen den Terrorismus“ zu etwas natürlichem zu werden, der von Theresa May, Mariano Rajoy, Emmanuel Macron, Angela Merkel und Donald Trump geteilt wird. Er ist eine Art „Zeitgeist einer neuen Epoche“ der imperialistischen Staaten mit größeren Militärinterventionen, wie es das Chaos in Syrien tragischerweise ankündigt.

In diesem Krieg treffen die Interessen von Regionalmächten, imperialistischen Mächten und reaktionären Fraktionen aufeinander, sowohl auf Seiten der Assad-Regierung als auch bei den „Rebellen“, und die zusätzliche Präsenz des IS in Syrien und dem Irak. Die jüngsten Bombardements von Donald Trump in Syrien und die Beteiligung von Großbritannien im Militärbündnis der USA gegen den IS stellen diese Länder ins Fadenkreuz der Anschläge.

Der Anschlag in Großbritannien, das sich auf den Brexit und den Austritt aus der kriselnden EU vorbereitet, zeigt, dass die Regierung von Theresa May es nicht geschafft hat, den Schlägen auszuweichen, die Folge ihrer eigenen imperialistischen Politik sind. Während die Regierung an dieser Politik festhält, muss die Zivilbevölkerung die Kosten dafür zahlen, mit Massakern wie am Montag.

Die Kampagne für die Neuwahlen am 8. Juni wurden von allen Parteien ausgesetzt, doch wenn sie weitergeht, wird sie sicher von einem reaktionären Klima geprägt ganz im Zeichen des Attentats stehen. Gibt es wieder Mobilisierungen gegen den Krieg und für die Aufnahme von Geflüchteten?

Ihre imperialistischen Kriege und die reaktionären Anschläge sind ein Ausdruck der kapitalistischen Barbarei, die den Tod von mehr als 20 Jugendlichen und Kindern forderte, die ein Konzert in Manchester besuchten. Das gleiche passiert, zehntausenfach, der Zivilbevölkerung in Syrien, Irak, Jemen oder Palästina.

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