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Kolonialismus, Steuerverschwendung, Streikbruch: Die Skandale des britischen Königshauses

Während die Bevölkerung unter 10 Prozent Inflation leidet, lenken Medien und Regierung genüsslich ihre Aufmerksamkeit auf die verstorbene Queen Elizabeth II. und ihren Sohn und Nachfolger Charles III. Gegen alle Lobeshymnen zeigen wir ihre reaktionären Seiten.

Kolonialismus, Steuerverschwendung, Streikbruch: Die Skandale des britischen Königshauses
Foto: Queen Elizabeth II. und Prinz Philip bei einer Parade 2010. Wikimedia Commons.

73 Jahre dauerte es bis zum ersten „Arbeitstag“ von Charles III. Nach sechs Tagen brauchte er erst mal einen Ruhetag, um sich von seinen anstrengenden Verpflichtungen zu erholen: Er reiste durch die Länder des Vereinigten Königreichs (England, Schottland, Wales und Nordirland) und unterzeichnete Dokumente. Tausende jubelten ihm am Wegesrand zu. Noch größer ist der Andrang am Sarg der Queen, bis zu acht Kilometer lang soll die Warteschlange gewesen sein – wofür die Menschen bis zu 24 Stunden Wartezeit auf sich nahmen.

Nun verabschieden sich die Besucher:innen wahrlich von einer Jahrhundert-Persönlichkeit. Doch während UN-Generalsekretär António Guterres hervorhebt, die Queen habe „eine beruhigende Präsenz während der Jahrzehnte des tiefgreifenden Wandels, einschließlich der Entkolonialisierung in Afrika und Asien“ gehabt, sprechen die Fakten eine andere Sprache.

1952 erfuhr Elisabeth II. während eines Aufenthaltes in Kenia vom Tod ihres Vaters, George VI. In diesem Jahr wurden britische Kolonialtruppen in Kenia eingesetzt, um den Mau-Mau-Aufstand niederzuschlagen. Es folgte eine Schreckensherrschaft, die zur brutalen Ermordung und Folterung von Zehntausenden von Afrikaner:innen führte. Der persönliche Leibwächter Elisabeths in Kenia, Ian Henderson, verhaftete den Anführer der Rebellion, Dedan Kimathi, nachdem er ihn angeschossen hatte. 1957 wurde Kimathi gehenkt. Tatsächlich erlangte Kenia wie viele andere Länder nicht wegen der „beruhigenden Präsenz“ der Queen die Unabhängigkeit vom britischen Empire, sondern nach langen und blutigen Befreiungskämpfen.

In die 70-jährige Regentschaft der Königin fielen auch der Krieg gegen Argentinien um die Malvinas-Inseln (Falkland-Krieg) und der berühmte „Bloody Sunday“ 1972, bei dem die britische Armee im nordirischen Derry 13 Zivilist:innen ermordete. Später kamen noch die Einmärsche in Afghanistan und dem Irak 2001 und 2003 hinzu. Als oberste Repräsentantin des Vereinigten Königreichs dankte Elizabeth immer wieder in feierlichen Ansprachen den Truppen und legitimierte so die Auslandseinsätze.

Neben den imperialistischen Kriegen fällt auch die Zerschlagung der Bergarbeiter:innenstreiks 1984/85 unter Margeret Thatcher in die Zeit der Queen. Die Niederlage der Streiks hatte historische Ausmaße, sie ermöglichte der konservativen Regierung die Durchsetzung umfangreicher neoliberaler Reformen und schwächte die britische Arbeiter:innenbewegung auf Jahrzehnte. Die wirtschaftliche und soziale Misere, die Großbritannien heute schüttelt, nahm damals ihren Ausgangspunkt. Mittlerweile wehren sich die Gewerkschaften wieder: Im Sommer begann eine große Streikwelle von Beschäftigten in den Häfen, der Eisenbahn, Schulen, Gesundheitswesen, bei der Post, der Müllentsorgung und weiteren Bereichen. Doch auch hier trat die reaktionäre Rolle der Queen erneut zum Vorschein. Mit ihrem Tod setzten die Eisenbahner:innengewerkschaft RMT ihren Streik aus: Zur Wut vieler streikenden Postbeschäftigten ließ die CWU auch ihre Streiks abblasen. Ebenso skandalös war die Entscheidung des Gewerkschaftsdachverbandes TUC, seinen einmal jährlichen Kongress „aus Respekt“ auf unbestimmte Zeit zu verschieben. An den Häfen sollen die Streiks nun immerhin wie geplant weitergehen.

Dies ist dringend nötig, um sich gegen die drastischen Auswirkungen der Inflation  zu wehren. Gerade beträgt sie 10 Prozent, aber Prognosen zufolge könnte sie im Zuge des Winters auf bis zu 22 Prozent ansteigen. Während der neu gekrönte König Charles seinen Hauptwohnsitz zwischen sieben luxuriösen Schlössern und Residenzen wählen kann, müssen die britischen Haushalte dieses Jahr mit enormen Preisanstiegen rechnen. Trotz der Ankündigung der Regierung, die Profite der Energiekonzerne zu subventionieren und die Preise auf einem viel zu hohen Niveau zu deckeln, müssen Verbraucher:innen in diesem Winter im Schnitt 2.800 Euro für Strom ausgeben. Eine Kampagne zum Boykott der Rechnungen („Don’t pay UK“) wurde ebenfalls ausgesetzt – auch aus ‘Respekt’ vor der verstorbenen Monarchin!

Das britische Königshaus ist eine zutiefst verstaubte, mittelalterliche Einrichtung, die zur Legitimation und Aufrechterhaltung des britischen Kapitalismus beiträgt. Sie kostet die britischen Steuerzahler:innen jährlich 100 Millionen Euro. Sie gehört sofort und restlos abgeschafft – eine Forderung, die die Familie und der Staat gar nicht gerne hören. Die sozialdemokratische Labour Partei hat ihren Abgeordneten während der “Staatstrauer” sämtliche Pressetermine verboten, die anderen Themen als dem Tod der Queen gewidmet sind. Nach der Inthronisierung von Charles kam es zu Protesten; mehrere Personen wurden verhaftet, eine Frau wurde wegen „Landfriedensbruchs“ angeklagt, weil sie ein Plakat mit der Aufschrift „Abschaffung der Monarchie“ trug. Die heraufbeschworene nationale Einheit wird die britische Bourgeoisie angesichts des kommenden Winter aber nicht lange aufrechterhalten können: wie die Kolleg:innen am Hafen zeigen, geht der Klassenkampf weiter!

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