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Katholische Kirche zahlt Spielschulden von Geldern für Opfer von sexualisierter Gewalt

Das Erzbistum Köln steht erneut in der Kritik. Dieses Mal hat sie einem Sondervermögen für Opfer von sexualisiertem Missbrauch Millionen entwendet, um die Spielschulden eines Priesters zu tilgen.

Katholische Kirche zahlt Spielschulden von Geldern für Opfer von sexualisierter Gewalt
Foto: PhotoFires / shutterstock.com

Der Missbrauchsskandal hört einfach nicht auf. Immer wieder kommen neue Details und absolut unerträgliches Verhalten zu Tage. Dieses Mal geht es um die Entwendung eines Millionenbetrags aus einem Sondervermögen für die Opfer von sexualisiertem Missbrauch, um die Spielschulden eines Priesters zu decken. Zur Tilgung der Schulden wurden zwischen 2015 und 2016 laut Medienberichten 493.700 Euro aus dem Topf entwendet. Obendrauf zahlte das Erzbistum Köln auch die offene Lohnsteuer inklusive Zinsen in Höhe von 650.000 Euro. Die Gelder für die Schulden stammen aus dem sogenannten BB-Fonts, die “auch, aber nicht ausschließlich für Entschädigungszahlungen von Opfern sexuellen Missbrauchs im Erzbistum genutzt werden.”

Verantwortlich war anscheinend der ehemalige Erzbischof Joachim Meisner, der bis zu seinem Tod 2017 tief in diesen Skandal verwickelt war. Bei Meisner wurde schon 2021 beim ersten Missbrauchsgutachten, welches unter Verschluss steht, eine sogenannte “Pflichtverletzungen” festgestellt. Laut dem zweiten Gutachten, dass die katholische Kirche in Auftrag gegeben hat, nachdem ihr der Inhalt des Ersten nicht passte, hätten der Abtreibungsgegner Meisner und sein Generalvikar Dominikus Schwaderlapp an der Vertuschung mehrerer Fälle sexualisiertem Missbrauchs im Erzbistum Köln mitgewirkt. Unter anderem wurde einer Mutter von betroffenen Kindern ein Schweigegeld von über 30.000 Mark gezahlt. Ein strafrechtliches Verfahren gegen den Priester F., der Jungen unter 14 sexualisiert belästigt hat, wurde gegen eine Geldzahlung eingestellt.

Doch auch das Erzbistum Köln ist offensichtlich nicht unschuldig. In einem Statement behaupten sie, dass das Erzbistum Köln bemüht ist Priester im “Rahmen der Fürsorgepflicht” zu unterstützen, wenn sie in Not geraten. Mittlerweile hätte man aber aus dem Fall gelernt. Wer das glaubt, wird seelig. Es ist ein Schlag ins Gesicht für die Opfern, deren Fälle über jahrzehnte totgeschwiegen und vertuscht wurden. Auch heute hat die katholische Kirche noch nicht wirklich aus den unzähligen Fällen gelernt. Auch wenn das Erzbistum Köln erneut im Fokus steht, betreffen diese Fälle die die gesamte katholische Kirche. In Frankreich kam heraus, dass 330.000 Menschen Opfer von sexualisiertem Missbrauch wurden.

Die katholische Kirche und auch der deutsche Staat haben mittlerweile über jahrzehnte bewiesen, dass ihnen eine wirklich Aufklärung herzlich egal ist. Meisners Nachfolger Kardinal Rainer Maria Woelki ist verantwortlich für die Zurückhaltung des ersten Gutachtens über den Umfang der sexualisierten Übergriffe, weil er “rechtliche Bedenken” hatte. Im Klartext wollte er also aktiv verhindern, seinen verstorbenen Vorgänger zu belasten. Um den Opfer nur ansatzweise gerecht zu werden, braucht es eine unabhängige, freie Untersuchung von Betroffenen und Expert:innen über deren Einsetzung die Opfer bestimmen. Alle Rechnungsbücher der katholischen Kirche müssen offengelegt werden und die Täter zur Rechenschaft gezogen werden.

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