Welt

Katalonien: “Das ist ein Generalstreik, und ihr wisst es!” [mit Bildern und Videos]

Hunderttausende streiken heute in Katalonien gegen Repression und für die Unabhängigkeit. Die Arbeiter*innenklasse Kataloniens erhebt ihr Haupt. Sie muss sich an die Spitze des Prozesses gegen Repression und für das Recht auf Selbstbestimmung der Nationen stellen.

Katalonien:

Kat­alonien erwachte heute Mor­gen zu einem mas­siv­en Gen­er­al­streik: Schulen waren geschlossen, die U‑Bahn von Barcelona lah­mgelegt, Uni­ver­sitäten, Museen und Geschäfte wur­den bestreikt. Schon um 9 Uhr mor­gens waren 47 Straßen block­iert, darunter die Auto­bahn. Auch die Hafenarbeiter*innen von Barcelona und Tar­rag­o­na hat­ten am Vortag in ein­er Vol­lver­samm­lung ein­stim­mig dafür ges­timmt, den Hafen zu paralysieren.

Am Vor­mit­tag demon­stri­erten tausende Men­schen vor dem Sitz der kon­ser­v­a­tiv­en Par­tido Pop­u­lar des Min­is­ter­präsi­den­ten Rajoy in Barcelona sowie vor dem Sitz der paramil­itärischen Guardia Civ­il.

Am Nach­mit­tag gin­gen dann über 300.000 Men­schen allein in Barcelona auf die Straße, um gegen die Repres­sion von Nation­alpolizei und Guardia Civ­il und für die Unab­hängigkeit Kat­aloniens zu demon­stri­eren. Sie riefen Parolen wie “Besatzer*innen raus!” und “Die Straßen wer­den uns gehören!”

Um 18 Uhr sollte eine weit­ere Großdemon­stra­tion begin­nen, die den Tag zu einem ful­mi­nan­ten Abschluss brachte. Im gesamten Spanis­chen Staat zeigten tausende Men­schen ihre Sol­i­dar­ität mit dem Gen­er­al­streik.

Die größten Held*innen des Gen­er­al­streiks waren heute allerd­ings die Feuer­wehrleute. Nach­dem sie am Son­ntag etliche Wahllokale gegen die Polizeire­pres­sion vertei­digt hat­ten, marschierten sie heute in großen roten Kolon­nen durch die Straßen Barcelonas und wur­den von allen Seit­en bejubelt. In den sozialen Net­zw­erken wurde das Hash­tag #Els­BombersSer­anSem­preNos­tres (“Die Feuer­wehrleute gehören für immer zu uns”) tausende Male geteilt.

Zu dem Gen­er­al­streik hat­ten schon am ver­gan­genen Don­ner­stag die kata­lanis­chen Gew­erkschaft­slinken aufgerufen, angesichts der schon im Vor­feld des Ref­er­en­dums wach­senden Repres­sion des spanis­chen Zen­tral­staats. Die bru­tale Repres­sion beim Ref­er­en­dum am Son­ntag zwang die Führun­gen der großen Gew­erkschaft­szen­tralen CCOO und UGT dazu, sich dem Streik anzuschließen, um die Repres­sion des spanis­chen Zen­tral­staats zu bekämpfen.

Allerd­ings haben CCOO und UGT ihre Mit­glieder nicht zum Streik aufgerufen, son­dern zur Teil­nahme an Demon­stra­tio­nen und Aktio­nen nach der Arbeit. Sie nan­nten das “paro cívi­co” (“Bürger*innenstreik”), in Abgren­zung zum Aufruf zum Gen­er­al­streik. Nur dort, wo die Arbeiter*innen sich mit ihren Bossen eini­gen kön­nten, soll­ten sie die Arbeit nieder­legen dür­fen. De fac­to stell­ten sich die bei­den Gew­erkschaft­szen­tralen damit gegen den Aufruf zum Gen­er­al­streik. An vie­len Arbeit­splätzen arbeit­eten sie direkt gegen die Vor­bere­itun­gen zum Streik.

Mit diesem Manöver woll­ten die Bürokra­tien die Kampf­bere­itschaft der Arbeiter*innen so gut wie möglich kon­trol­lieren. Denn vor nichts haben sie mehr Angst als vor der Selb­stor­gan­i­sa­tion der Arbeiter*innen und der Massen, die in den let­zten Tagen in Kat­alonien beein­druck­ende Aus­maße angenom­men hat. Das hat beson­ders der Tag des Ref­er­en­dums selb­st gezeigt, wo Tausende Men­schen die Wahllokale vor der Polizeire­pres­sion geschützt haben.

CCOO und UGT stellen sich mit diesem Nicht-Aufruf auf die Seite der Regierung und der Ver­fas­sung des Regimes von 1978, wie auch die Stel­lung­nah­men am Tag nach der Repres­sion, die mehr als 800 Ver­let­zte forderte, zeigte.

Die Arbeiter*innen Kat­aloniens, die heute gestreikt haben, kön­nen jedoch dieses Manöver der Gew­erkschafts­bürokratie gut iden­ti­fizieren: Tausende Demonstrant*innen in ver­schiede­nen Städten riefen bei Demon­stra­tio­nen heute “Das ist kein Bürger*innenstreik, und ihr wisst es. Das ist ein Gen­er­al­streik, und ihr wisst es.”

Das sind erste Beispiele dafür, dass die Arbeiter*innen sich der Rolle der Bürokra­tien bewusst wer­den. Doch es bedarf noch viel mehr, wie beispiel­sweise Streikkomi­tees in Betrieben, Schulen und Uni­ver­sitäten, um den Kampf fortzuführen. Denn die Massen müssen die bürg­er­lichen Führun­gen des Unab­hängigkeit­sprozess­es – und ihre Unterstützer*innen in den Gew­erkschaft­sap­pa­rat­en – angreifen, und sich selb­st mobil­isieren und organ­isieren, um ihr Recht auf Selb­st­bes­tim­mung zu vertei­di­gen, und schließlich darüber hin­auszuge­hen, um aus dem Unab­hängigkeit­sprozess einen Prozess zur Entschei­dung aller Forderun­gen der Arbeiter*innen und der Massen wer­den zu lassen.

Das heißt, sich nicht der Strate­gie ein­er bürg­er­lichen kata­lanis­chen Repub­lik unterzuord­nen, wie es das “Über­gangs­ge­setz” vorschreibt und wie es der kata­lanis­che Min­is­ter­präsi­dent Puigde­mont und Kon­sorten wollen, son­dern dafür zu kämpfen, ein für alle Mal die Monar­chie und das Regime von 1978 zu stürzen, einen freien und sou­verä­nen Ver­fas­sungs­geben­den Prozess zu starten, und eine Unab­hängige und Sozial­is­tis­che Repub­lik Kat­alonien zu erkämpfen. Das kann das mächtig­ste Sprung­brett dafür sein, dass die Arbeiter*innenklasse des gesamten Spanis­chen Staats die kata­lanis­chen Massen gegen die Repres­sion vertei­digt. Und sich mit ihnen in ein­er Freien Föder­a­tion Sozial­is­tis­ch­er Repub­liken auf der Iberischen Hal­binsel vere­inigt, in der Per­spek­tive der Vere­inigten Sozial­is­tis­chen Staat­en Europas, gegen das Europa des Kap­i­tals.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.