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Kapital kann aufatmen

Der Tarifabschluss in der Metallindustrie bleibt weit unterhalb der Möglichkeiten der IG Metall.

Kapital kann aufatmen

// Der Tarifabschluss in der Metallindustrie bleibt weit unterhalb der Möglichkeiten der IG Metall. //

Mehr als 850.000 Beschäftigte der Metall- und Elektro­industrie beteiligten sich im Februar an Warnstreiks. Die Massivität drückt eine vorhandene Kampfbereitschaft aus, die sich nicht entfalten konnte. Die Streikaktionen der Beschäftigten erfolgten nach festem Drehbuch: Die GewerkschaftsfunktionärInnen rufen zu Warnstreiks auf, die Beschäftigten folgen dem Aufruf, ranghohe FunktionärInnen verhandeln mit den Bossen hinter geschlossenen Türen.

„Wir sind zufrieden mit dem Verlauf, wir sind zufrieden mit dem Ergebnis und wir können jetzt in unserer Industrie die nächsten 15 Monate wieder befriedet arbeiten“, bewertete Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger das Ergebnis. Detlef Wetzel, Erster Vorsitzender der IG Metall, meint: „Mit dem heutigen Tarifergebnis stabilisieren wir die Konjunktur in Deutschland.“ Das deutsche Kapital kann aufatmen, richtige Streiks sind nicht in Sicht.

Für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bringt der Tarifabschluss eine 3,4-prozentige Lohnerhöhung mit einer Laufzeit von 15 Monaten. „Wir wollten keinen Anspruch [auf Bildungsteilzeit], keine Ausweitung der Mitbestimmung und keine Teilzeit-Bildungsfonds. Die kriegen wir jetzt auch nicht“, freut sich Dulger von Gesamtmetall.

Doch obgleich viele Beschäftigte sich über das erzielte Ergebnis freuen werden, wäre viel mehr drin gewesen, betrachtet man die vorhandene und nicht eingesetzte Kampfbereitschaft unter den Beschäftigten und die gute Wirtschaftskonjunktur.

Das Problem: Für die GewerkschaftsbürokratInnen waren die Warnstreiks nur Mittel zur Betonung der eigenen Wichtigkeit für den „Standort Deutschland“, außerdem natürlich zur Legitimation gegenüber den Beschäftigten. Eine echte Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen war nicht einkalkuliert. In ihrer Rechnung nicht erfasst wurden mehr als eine Million Beschäftigte, die per Werkvertrag oder in Zeitarbeit arbeiten. Trotz der boomenden Profite in der Metallindustrie bekommen die Beschäftigten nur eine Lohnerhöhung, die unter dem Strich nicht einmal die Verzichtspolitik der letzten Jahre wettmacht.

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