Deutschland

Kann die Linke gegen die AfD zusammenstehen? Ein Beispiel aus Kassel, das Mut macht

Die Linke in Deutschland ist sehr zersplittert. Aber die AfD ist im Vormarsch und wir können uns diese Zersplitterung nicht leisten. Anhand eines aktuellen Beispiels aus Kassel wollen wir aufzeigen, wie das überwunden werden kann.

Kann die Linke gegen die AfD zusammenstehen? Ein Beispiel aus Kassel, das Mut macht

Die Linke in Kas­sel ist genau­so zer­split­tert wie ander­swo. Es gibt zwar ein Bünd­nis gegen Rechts, aber dieses wird lei­der nur dann wirk­lich aktiv, wenn es ras­sis­tis­che Mobil­isierun­gen gibt. Im Wahlkampf der AfD war es sog­ar kom­plett inak­tiv. Nach den Mobil­isierun­gen gegen den Kas­sel­er PEGI­DA-Ableger ist lei­der ein Großteil der Zusam­me­nar­beit zer­fall­en. Jede Gruppe hat mehr oder weniger ihre eigene Suppe gekocht.

Im Zuge der Mobil­isierung gegen den G20-Gipfel wurde das mehr und mehr über­wun­den. Es gab ein Bünd­nis von SAV, REVOLUTION, der SDAJ und sol­id. Die Mobil­isierungsphase wurde eigentlich von allen sehr pos­i­tiv bew­ertet. Man hat gese­hen wie viel stärk­er man ist, wenn man zusam­me­nar­beit­et. Gemein­sam kon­nten die Grup­pen über ihr eigenes Umfeld hin­aus neue Kon­tak­te knüpfen.

Nun hat sich der Recht­sruck im Zuge der Bun­destagswahl weit­er ver­schärft. In Kas­sel hat die AfD monatliche Ver­anstal­tun­gen gegenüber vom Hal­it­platz abge­hal­ten – jen­em Ort, an dem der NSU Halit Yoz­gat ermordet hat. Diese wur­den von Protesten begleit­et, welche von der SAV angemeldet wur­den und an denen sich ver­schiedene Grup­pen beteiligten. Dort gab es volle Rede­frei­heit: Jede Gruppe durfte zu Wort kom­men und Posi­tio­nen in Reden dar­legen. Eine wirk­liche Ein­heits­front – ohne dass man sich die Mühe gemacht hat, das so zu nen­nen. Das grund­sät­zliche Prinzip dabei war: Wir stellen uns gemein­sam den Rassist*innen ent­ge­gen und jede Gruppe darf dabei ihre eigene Poli­tik vertreten.

Kurz vor der Wahl gab es ein Bünd­nistr­e­f­fen — mit zugegeben sehr weni­gen Genoss*innen — um eine Demon­stra­tion gegen den Einzug der AfD in den Bun­destag zu organ­isieren. Anfangs waren sich alle noch recht unsich­er, ob die Aktion ein Erfolg wird. Die Mobil­isierungsphase ist sehr kurz und es musste noch viel organ­isiert wer­den.

Doch nach­dem die Ver­anstal­tung auf Face­book veröf­fentlicht wurde, war schnell klar, dass wir den Nerv getrof­fen haben. Mein per­sön­lich­es Ziel an Zusagen und Inter­essierten war nach 24 Stun­den übertrof­fen, obwohl noch kein Plakat verklebt und kein Fly­er verteilt wurde. Nun haben wir immer noch mehr als eine Woche Zeit um mit Plakat­en und Fly­ern Men­schen zu der Demon­stra­tion zu mobil­isieren. Über 600 haben bei Face­book schon Inter­esse angemeldet.

Eine Einheitsfront gegen Rechts

Wir haben alle gese­hen, dass wir den Recht­sruck und den Auf­stieg der AfD nur bekämpfen kön­nen, wenn wir zusam­me­nar­beit­en. Wir kön­nen mehr Men­schen mobil­isieren, als wenn jede Gruppe ihre eigene Demon­stra­tion macht.

Dafür braucht es auch kein krampfhaftes, prinzip­i­en­los­es Fusion­ieren der Linken oder son­stige Exper­i­mente. Es ist nur hin­der­lich, wenn Grup­pen, die ver­schiedene Analy­sen und Posi­tio­nen haben, sich als eine Gruppe sehen. Das führt immer nur dazu, dass die Wider­sprüche sich an unnöti­gen Stellen zus­pitzen und die Grup­pen sich dann zer­fleis­chen. Wenn jede Gruppe das Recht hat, ihre eigene Poli­tik zu vertreten, aber man gemein­sam Aktio­nen organ­isiert, kann man direkt über­prüfen, wer Recht hat. Es ist dann keine the­o­retis­che Tak­tik mehr, die ein­fach nur im Raum ste­ht, son­dern eine prak­tis­che Sache, die leicht zu über­prüfen ist.

Durch gemein­same Erfahrun­gen und anschließen­den Diskus­sio­nen darüber kön­nen die ver­schiede­nen Spal­tungspunk­te über­wun­den wer­den. Das ist der einzige Weg eine neue, rev­o­lu­tionäre Partei aufzubauen, die dem Kap­i­tal­is­mus und seinen Unter­drück­ungsmech­a­nis­men den Kampf ansagen kann. Kein Schönre­den des Recht­srucks, kein Schönre­den von Wahlergeb­nis­sen, kein prinzip­i­en­los­es Fusion­ieren brin­gen uns dazu, die Spal­tung in der Linken zu über­winden. So ein­fach es auch klingt und so schw­er es manch­mal prak­tisch ist: Wir müssen gemein­sam kämpfen.

Sich­er sind wir in Kas­sel noch lange nicht am Ziel ange­langt. Einige Parteien und Grup­pen haben sich lei­der noch nicht aktiv einge­bracht. Trotz­dem darf man hof­fen, dass sich das ändert, wenn die Aktion ein Erfolg wird. Wir kön­nen nur weit­er anbi­eten, mit uns Schul­ter an Schul­ter gegen Ras­sis­mus und dessen Ursprung zu kämpfen, egal ob in der eige­nen Stadt oder in ganz Deutsch­land.

Demonstration in Kassel

Wenn du aus Kas­sel kommst, dann komm zur Demo:

Sol­i­dar­ität statt Het­ze • 5. Okto­ber • 18 Uhr • Rathaus Kas­sel

One thought on “Kann die Linke gegen die AfD zusammenstehen? Ein Beispiel aus Kassel, das Mut macht

  1. Kaltenofen sagt:

    Liebe Rev­o­lu­tionäre,
    was soll ich dazu sagen? Ihr habt offen­sichtlich noch immer nicht begrif­f­en, was der Erfolg der AfD ist! Sie nehmen sich der Sor­gen der Benachteiligten an (wenn auch nur schein­bar, Rat­ten­fänger von Hameln läßt grüßen).
    Mit einem Kampf GEGEN werdet ihr da schw­er punk­ten kön­nen.
    Ihr müßt eine Ein­heits­front FÜR die Benachteiligten und Abge­hängten auf­bauen und damit Linke Posi­tio­nen stärken. Agieren statt Reagieren sollte die neue Ein­heits­front beflügeln! SOLIDARITÄT ist da schon ein richtiger Anfang!
    Lei­der bin ich schon fast 70 :-(

    Ihr müßt eine Ein­heits­front FÜR die Benachteiligten und Abge­hängten auf­bauen und damit Linke Posi­tio­nen stärken. Agieren statt Reagieren sollte die neue Ein­heits­front beflügeln!

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