Welt

Kämpfen lohnt sich: Streikende Lehrer*innen in West Virginia erwirken Lohnerhöhungen

Nach neun Tagen intensivem Arbeitskampf der Lehrer*innen im US-Bundesstaat West Virginia konnten die Streikenden einen Erfolg verzeichnen. Nach vier Jahren ohne Lohnerhöhung erhalten sie fünf Prozent mehr Geld. Andere Fragen wie die geforderte bezahlbare Krankenversicherung und die Finanzierung der Lohnerhöhungen sind jedoch noch offen.

Kämpfen lohnt sich: Streikende Lehrer*innen in West Virginia erwirken Lohnerhöhungen

Es scheint das Ende ein­er harten Auseinan­der­set­zung gewe­sen zu sein. Gestern Abend unterze­ich­nete der repub­likanis­che Gou­verneur des US-Bun­desstaates West Vir­ginia, Jim Jus­tice, eine Lohn­er­höhung von fünf Prozent für die staatlich angestell­ten Lehrer*innen. Sie hat­ten zuvor seit dem 22. Feb­ru­ar neun Tage in Folge für höhere Löhne und eine Verbesserung ihrer Kranken­ver­sicherung (PEIA) gestreikt.

Dabei han­delte es sich um den ersten Streik seit 30 Jahren in diesem Sek­tor. Öffentlichen Beschäftigten ist es in West Vir­ginia ver­boten, zu streiken und im Falle ein­er Arbeit­snieder­legung dro­hen ihnen Strafen von Bußgeldern bis hin zu Gefäng­nisaufen­thalt. Mehr als 20.000 der 35.000 Lehrer*innen hat­ten sich zusam­men mit anderen Arbeiter*innen aus dem Lehrbere­ich an den Streiks beteiligt, der Schulen in allen 55 Coun­ties betraf.

Auch zahlre­iche Schüler*innen und Eltern sol­i­darisierten sich bei Protes­tak­tio­nen wie der kurzzeit­i­gen Stür­mung des Par­la­ments, wo die wüten­den Lehrkräfte die Politiker*innen mit ihren Forderun­gen kon­fron­tierten. Auch in anderen Teilen der USA wurde der Arbeit­skampf unter­stützt: Lehrer*innen aus Okla­homa kündigten an, auch bald in den Aus­stand zu treten.

Die Pädagog*innen in West Vir­gina gehören zu den am schlecht­esten bezahlten in den USA und hat­ten seit vier Jahren keine Lohn­er­höhung bekom­men. Beson­ders hart trafen sie die Kürzungs­maß­nah­men der ver­gan­genen Jahre im Sozial­bere­ich ihres Bun­desstaates, die zu ein­er Erhöhung ihrer Krankenkassen­beiträge führten. Zudem beklagten die Lehrer*innen, dass viele frei wer­dende Stellen nicht mehr neu beset­zt wer­den, was zu ein­er zusät­zlichen Belas­tung führe.

Aus­lös­er war die Ankündi­gung des Gou­verneurs Jus­tice, seines Zeichens Mul­ti­mil­lionär und eng mit der Kohlein­dus­trie ver­bun­den, den Lehrer*innen das Gehalt um zwei Prozent zu erhöhen. Daraufhin kam es zu dem „wilden“ Streik, der sich durch seine hohe Beteili­gung und Geschlossen­heit ausze­ich­nete.

Die Streik­enden zeigten sich im Laufe des Kon­flik­tes deut­lich kampf­bere­it­er als die Führun­gen ihrer Gew­erkschaften, die größere WVEA und die kleinere AFT-WV. Diese woll­ten den Streik so früh wie möglich been­den und hat­ten let­zte Woche sog­ar schon hin­ter dem Rück­en der Basis einen Scheinkom­pro­miss mit dem Gou­verneur aus­ge­han­delt. Doch sie streik­ten weit­er, um ihre Forderun­gen endgültig zu erzwin­gen.

Noch am Sam­stag hat­te der von den Repub­likan­ern geführte Sen­at eine Lohn­er­höhung von vier Prozent ver­ab­schiedet, doch diese Forderung wurde von den Lehrer*innen abgelehnt. Um eine weit­ere Eskala­tion des Arbeit­skampfes zu ver­hin­dern, stimmten nun sowohl das Par­la­ment als auch der Sen­at in West Vir­ginia ein­stim­mig für die Erhöhung von fünf Prozent.

Doch der Erfolg wird getrübt durch die Ankündi­gung des repub­likanis­chen Sen­a­tors Craig Blair, der die Lohn­er­höhung der Pädagog*innen durch aus­bleibende Lohn­steigerun­gen ander­er Beschäftigter des öffentlichen Dien­stes und Kürzun­gen in Höhe von 20 Mil­lio­nen US-Dol­lar unter anderem bei Med­ic­aid finanzieren will. Dabei han­delt es sich um ein Gesund­heit­spro­gramm zur Unter­stützung armer und arbei­t­en­der Men­schen, sowie Kindern und Rentner*innen.

Zudem kündigte Gou­verneur Jus­tice zwar an, sich um eine Verbesserung der Kranken­ver­sicherung zu küm­mern. Doch ist wenig von diesen Ver­sprechun­gen zu erwarten, wenn es nicht weit­er Druck von kämpfend­en Arbeiter*innen, wie den Lehrer*innen, gibt. Es bleibt abzuwarten, ob sich dieses Ergeb­nis nicht schnell als ein Manöver her­ausstellt, das die Streik­enden daran hin­derte, noch mehr zu erkämpfen.

Nichts­destotrotz hat der mutige Kampf der Lehrer*innen aus West Vir­ginia deut­lich gemacht, dass es möglich ist, mit Geschlossen­heit und kämpferischen Maß­nah­men auch gegen eine rechte Regierung Erfolge zu errin­gen. Dieses Beispiel kön­nte auch andere Sek­toren, wie die „Dream­ers“, die für ihr Bleiberecht protestieren, dazu motivieren, gemein­sam gegen die Trump-Regierung und ihre Angriffe zu kämpfen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.