Deutschland

Hooligans gegen Salafisten: Eine Neuauflage in Hannover?

2.000 Teil­nehmerIn­nen auf der HoGeSa Kundge­bung in Han­nover, 6.000 Gegen­demon­stran­tInnen

Hooligans gegen Salafisten: Eine Neuauflage in Hannover?

// 2.000 Teil­nehmerIn­nen auf der HoGeSa Kundge­bung in Han­nover, 6.000 Gegen­demon­stran­tInnen //

Nach­dem am 26. Okto­ber einige tausend Hooli­gans und organ­isierte FaschistIn­nen in der Köl­ner Innen­stadt unter islam­feindlichen Vorze­ichen mar­o­dierten, woll­ten sie es am 15. Novem­ber noch ein­mal wis­sen. Nach gescheit­erten Ver­suchen, die Ran­dale in Ham­burg und Berlin zu wieder­holen, mobil­isierten sie nun nach Han­nover.

Nicht 5.000 wie von den Ver­anstal­terIn­nen angekündigt, son­dern lediglich rund 2.000 Per­so­n­en beteiligten sich am Sam­stag an der Kundge­bung in Han­nover. Isoliert von der Öffentlichkeit standen sie rund drei Stun­den auf einem großen Park­platz hin­ter den Haupt­bahn­hof. Bis auf laute „Ahu, Ahu“ Rufe erin­nerte die Ver­anstal­tung wenig an Hooli­gans. Organ­isierte Neon­azis dominierten das Bild. Neben vie­len HoGeSa-Shirts, Pullovern und Jack­en waren auch Pullover der Marke „Thor Steinar“ und mit Auf­schriften wie „White nations for white Europe“ (Weiße Natio­nen für ein weißes Europa) zu sehen. Nach­dem die Ver­samm­lungs­be­hör­den den Auftritt der Neon­azi-Band “Kat­e­gorie C” ver­boten hat­ten, pro­bieren die Recht­en zu impro­visieren und gröl­ten das Deutsch­land­lied lau­thals über den Platz.

Vor allem aus dem Ruhrge­bi­et, Thürin­gen und Sach­sen reis­ten Rechte an. Im Bahn­hof gerufene faschis­tis­che Parolen wie „Frei, sozial und nation­al“, „Nazis raus, Nazis raus aus den Knästen“ und „Anti-Antifa“ lässt ver­muten, dass die Mehrzahl der angereis­ten recht­en Demon­stran­tInnen organ­isierte Neon­azis waren. Gegen die recht­en Hools, die gegen „die Islamisierung Europas“ protestierten, gin­gen rund 6.000 Gegen­demon­stran­tInnen auf die Straße. Das aus Gew­erkschaften, Linkspartei und Grü­nen beste­hende Bünd­nis „Bunt statt Braun“ organ­isierte eine Kundge­bung im Zen­trum Han­novers, auf der bürg­er­liche Poli­tik­erIn­nen wie Clau­dia Roth auf­trat­en. Eine zweite Demon­stra­tion, an der sich über 3.000 Demon­stran­tInnen beteiligten, näherte sich der HoGeSa-Kundge­bung bis auf 200 Meter und störte diese durch Sprechchöre, Musik und Faule Eier. An dieser Demon­stra­tion unter dem Mot­to „gegen Ras­sis­mus und religiösen Fun­da­men­tal­is­mus“ beteiligten sich haupt­säch­lich linke Grup­pen, Antifa-Struk­turen, aber auch diverse Gew­erkschaft­sju­gen­den wie die ver.di-Jugend Nieder­sach­sen.

Am Rand der Demon­stra­tion kam es zu vere­inzel­ten Auseinan­der­set­zun­gen zwis­chen Polizei und Demon­stran­tInnen als diese ver­sucht­en, sich auf einem anderen Weg der HoGeSa-Kundge­bung zu nähern.Nachdem die HoGeSa-Kundge­bung 45 Minuten vor dem offiziellen Ver­samm­lungss­chluss von den Ver­anstal­terIn­nen aufgelöst wurde, begleit­ete die Polizei die Recht­en in Grup­pen von 50 Per­so­n­en zu ihren Bussen und in den Bahn­hof. Im Bahn­hof kon­nten sich die FaschistIn­nen anfangs jedoch ohne Kon­trolle der Polizei unter die Pas­san­tInnen mis­chen. Sie grif­f­en Linke und Jour­nal­istIn­nen kör­per­lich.

Später sper­rte die Polizei Teile der Bahn­steige ab, um die Hooli­gans dort zu sam­meln und in ihre Züge zu brin­gen. Eine Gruppe von AntifaschistIn­nen, die nach Ham­burg fahren woll­ten wurde von der Polizei hin­ter eine der Absper­run­gen gebracht, wo eine größere Gruppe von säch­sis­chen Nazis wartete. Es kam zu Auseinan­der­set­zun­gen, in deren Folge ein Antifaschist festgenom­men wurde.In den frühen Abend­stun­den wurde in Han­nover die als Tre­ff­punkt der recht­en-Szene bekan­nte Kneipe „Lar­i­fari“ ange­grif­f­en. Im Laufe des Tages kam es zu Fes­t­nah­men auf bei­den Seit­en. Die Polizei war mit 5.000 Ein­satzkräften aus ver­schiede­nen Bun­deslän­dern im Ein­satz.

Der Tag zeigte, dass HoGeSa nicht ohne Weit­eres das mil­i­tante Poten­zial der faschis­tis­chen Bewe­gung auf eine neue Ebene brin­gen kann. Vor dem Hin­ter­grund der neuen Welle an ras­sis­tis­chen Demon­stra­tio­nen wie „Pegi­da“ in Dres­den oder der Mobil­isierun­gen gegen Lager für Geflüchtete in Berlin kann sich hier­aus zweifel­los noch eine besorgnis­er­re­gende Entwick­lung ergeben.

Foto: Quilom­bo­fo­tos

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