Deutschland

Hannover: Gewehre statt Fußball

Das Länderspiel sollte ein Zeichen für „Demokratie und Freiheit“ werden, wie es Fußballbundestrainer Joachim Löw vor dem Spiel ausdrückte. Daraus wurde jedoch nichts.

Hannover: Gewehre statt Fußball

Panis­che und mit Gewehren bewaffnete Polizist*innen, kreisende Hub­schrauber, ungewöhn­lich leere Bahn­höfe: Dien­stag, der 17. Novem­ber, endete in Han­nover nicht wie gewöhn­lich. Auf­grund ein­er ange­blichen Ter­ror­war­nung wurde das Fußball­spiel Deutsch­land – Nieder­lande nur 90 Minuten vor Anpfiff abge­sagt und das Sta­dion evakuiert. Ange­blich gab es eine War­nung vor einem Anschlag mit Sprengstoff und Waf­fen im Sta­dion. Die Fans wur­den per Laut­sprech­er aufge­fordert nach Hause zu gehen. Über Radio rief die Polizei die Hannoveraner*innen auf, ihre Häuser nicht zu ver­lassen.

Ver­schiedene Konz­erte und Ver­anstal­tun­gen – unter anderen das Konz­ert des Jaz­zsax­o­phon­is­ten Maceo Park­er und eine Lesung von Helge Schnei­der – wur­den eben­falls abge­sagt. Das durch bewaffnete Polizist*innen abgesicherte Konz­ert des recht­en Pop­sängers Xavier Naidoo fand zwar unter stren­gen Sicher­heit­saufla­gen statt. Der Saal blieb jedoch nur zur Hälfte gefüllt.

Sprengstoff oder Waf­fen wurde bei der akribis­chen Suche jeden­falls nicht gefun­den. Mehrere Jugendliche „durften“ jedoch dann stun­den­lang in der Kälte ste­hen – jed­erzeit streng überwacht von der Polizei. Zu Fes­t­nah­men kam es jedoch nicht.

Von wo droht die Gefahr?

Viele vor allem ältere Men­schen verun­sicherte die Sit­u­a­tion stark. Ein Anfang 60-jähriger Lehrer erk­lärte, dass er so etwas noch nie in seinem Leben erlebt hätte. Viele oft junge Fußball­fans ließen sich aber nicht von der Evakuierung beein­druck­en und fluteten nach der Absage des Spieles die Bars der Innen­stadt. Sich nach der näch­sten Kneipe erkundi­gend, erzählte eine Gruppe von Fans: „Wir sind aus Nürn­berg angereist. Nur, damit die Pen­ner hier jet­zt das Spiel absagen? Was wolln die denn? Was soll bei den tausenden Polizis­ten, die sie hier aufge­fahren haben, denn passieren?“

Eine weit­ere Episode ver­an­schaulicht die stärk­er wer­dende Islam­o­pho­bie: Einem Jugendlichem wurde von ein­er älteren Frau eine Backpfeife gegeben, als diese sah, wie er in ara­bis­chen Buch­staben auf sein Smart­phone tippte. Begrün­dung? „Das ist für Paris.“

Was wirk­lich passiert ist, wer­den wir wohl nie erfahren. Innen­min­is­ter Thomas de Maiz­ière hüllt die Hin­ter­gründe des Polizeiein­satzes „aus ganz grund­sät­zlichen Erwä­gun­gen“ im Dunkeln. Er wollte wed­er über die Quellen noch über das Aus­maß der Gefährdung Auskun­ft geben: „Das würde für die Zukun­ft Rückschlüsse auf unser Ver­hal­ten zulassen. Das dient nicht der nationalen Sicher­heit unseres Lan­des.“

Spricht er da von polizeitak­tis­chen Rückschlüssen oder doch von poli­tis­chen Rückschlüssen? Die durch die Evakuierung ent­standene Angst in der Bevölkerung vor möglichen Ter­ro­ran­schlä­gen in Deutsch­land bere­it­et auf alle Fälle einen poli­tis­chen Boden, auf denen die Kriegsrufe der Imperialist*innen bess­er frucht­en. Am Mittwoch beschloss das Kabi­nett eine Auf­s­tock­ung des Bun­deswehrkontin­gentes in Afghanistan. Am Woch­enende sicherten sie bere­its ein „stärk­eres mil­itärisches Engage­ment“ im Mali zu. Die bürg­er­lichen Het­zblät­ter wie „Bild“ fan­gen der­weil mit dem mil­i­taris­tis­chen Säbel­ras­seln an.

Doch haben die poli­tis­che und mil­itärische Ein­mis­chung und Besatzun­gen der Imperialist*innen nicht erst den Boden geschaf­fen, auf dem der IS gewach­sen ist? Ganz abge­se­hen von der finanziellen, logis­tis­chen und mil­itärischen Unter­stützung von mit den Impe­ri­al­is­mus ver­bün­de­ten Kräften in der Region? Und kön­nen wir heute von den Imperialist*innen einen “besseren” Ter­ror erwarten, als den, den sie mit den Beset­zun­gen in Afghanistan oder den Irak über die Zivil­bevölkerung gebracht haben?

2 thoughts on “Hannover: Gewehre statt Fußball

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.