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Großbritannien: Streik der Universitätsbeschäftigten geht in die vierte Woche

Bis zu 42.000 Beschäftigte von 65 Universitäten in Großbritannien treten in der vierten Woche in Folge in den Streik, um ihre Altersvorsorge zu verteidigen.

Großbritannien: Streik der Universitätsbeschäftigten geht in die vierte Woche

Der Arbeit­skampf ist der größte, der jemals an britis­chen Uni­ver­sitäten stattge­fun­den hat und wird von Akademiker*innen, Dozieren­den, Forschen­den, sowie IT‑, Ver­wal­tungs- und Bibliotheksmitarbeiter*innen geführt. Die Zahl der Streik­tage hat sich von Woche zu Woche erhöht und gipfelt in fünf Aktion­sta­gen in Folge, die am 12. März starteten.

Der Streik hat bere­its Auswirkun­gen gehabt und eine Rei­he von Uni­ver­sitäten — darunter jüngst auch Oxford — gezwun­gen, ihre ursprüngliche Posi­tion zurück­zunehmen und sich gegen den Plan des Arbeit­ge­berver­ban­des Uni­ver­si­ties UK (UUK) zu wen­den, die fest­gelegten Leis­tun­gen bei Ein­tritt in den Ruh­e­s­tand zugun­sten vari­abler, an den Aktienkursen ori­en­tierten Auszahlun­gen aufzugeben. In diesem Fall wür­den nach den neuen Renten­regelun­gen alle Beitragszahler*innen des Uni­ver­si­ties Super­an­nu­a­tion Scheme (USS) schlechter gestellt, in eini­gen Fällen sog­ar um 10.000 Pfund (11.3000 Euro) pro Jahr.



Der Kampfeswille unter den Universitätsmitarbeiter*innen ist hoch und sie sind fest entschlossen, diesen Kampf zu gewin­nen. Das UUK war verpflichtet, die Ver­hand­lun­gen mit der Uni­ver­si­ty and Col­lege Union (UCU) bei der staatlichen Schlich­tungsstelle ACAS wieder aufzunehmen.

Die UCU-Mit­glieder haben an jedem Streik­tag vor Uni­ver­sitäts­ge­bäu­den im ganzen Land Streik­posten aufgestellt, Flug­blät­ter verteilt und Plakate mit der Auf­schrift “Unsere Rente wurde gestrichen” und “Unter­stützen Sie unseren Streik zur Vertei­di­gung der USS“ mit­ge­bracht. Der Streik wurde stark unter­stützt von Studieren­den, die sich bei eisi­gen Tem­per­a­turen und Schnee für die Teil­nahme an Streik­posten mit handbe­mal­ten Ban­nern mit den Worten “Studierende unter­stützen die Lehrer*innen” und “Vertei­di­ge Deine Bil­dung” entsch­ieden haben. Der Aufk­le­ber “Ich unter­stütze die streik­enden Universitätsmitarbeiter*innen“ ist zu einem ver­traut­en Teil rund um den Cam­pus gewor­den. An eini­gen Uni­ver­sitäten bracht­en die Studieren­den auch Kaf­fee, Tee, Kekse und Kuchen an die Streik­posten und san­gen bekan­nte Gew­erkschaft­slieder wie “Sol­i­dar­i­ty For­ev­er”, “There Is Pow­er in a Union” und “Bread and Ros­es”, manch­mal mit Versen, die an den aktuellen Streik angepasst waren. In Lon­don beset­zte eine kleine Gruppe von Demonstrant*innen, die Ban­ner und Trom­meln tru­gen, das Haup­tquarti­er von UUK und ander­swo insze­nierten Studieren­den­grup­pen Beset­zun­gen von Uni­ver­sitäts­büros.



Nach­mit­tags haben Studieren­den­ver­bände und Lehrkräfte gemein­sam eine Rei­he von Teach-Ins ver­anstal­tet, zu The­men wie Entkolo­nial­isierung der Bil­dung, Gew­erkschafts­be­we­gung und Streikrecht, lokale Kämpfe und Sol­i­dar­ität, sowie zum Ausverkauf von Bil­dung.



Am 14. März ver­anstal­tete die UCU eine lan­desweite Demon­stra­tion in Lon­don, um Bil­dung und Renten zu vertei­di­gen. Obwohl die Uni­ver­sitäts­bosse gezwun­gen waren, zu Gesprächen zurück­zukehren, gibt es zum aktuellen Zeit­punkt (13. März) keine Anze­ichen für eine baldige Bei­le­gung des Kon­flik­ts.



Nach sechs Tagen Ver­hand­lun­gen und drei Wochen Streiks haben sich die Verhandlungsführer*innen von UUK und UCU auf eine Vere­in­barung geeinigt. Das Abkom­men ist jedoch bei weit­em nicht aus­re­ichend, da die Hochschulbeschäftigten ein Fün­f­tel ihrer Rente­nansprüche ver­lieren und gle­ichzeit­ig ihre Beiträge erhöht wer­den. Die Vere­in­barung hat nur eine Laufzeit von drei Jahren und wird von ein­er unab­hängi­gen Stelle begutachtet wer­den. Kurz gesagt: Es verzögert die Angele­gen­heit um drei Jahre, aber zu viel schlechteren Bedin­gun­gen.



Die anfängliche Reak­tion der streik­enden Hochschulbeschäftigten war mit über­wälti­gen­der Mehrheit gegen die von der Gew­erkschafts­führung getrof­fene Vere­in­barung gerichtet. Beschäftigte der Uni­ver­sität haben ihren Ärg­er und weit ver­bre­it­eten Wider­stand in ein­er Kundge­bung vor dem UCU-Haup­tquarti­er im Nor­den Lon­dons zum Aus­druck gebracht, wo die Vere­in­barung von hochrangi­gen Mit­gliedern disku­tiert wurde. Streik­posten sind geschäftiger als üblich und Tre­f­fen wer­den an Uni­ver­sitäten im ganzen Land abge­hal­ten, um die näch­sten Schritte zu besprechen.

Viele UCU-Zweignieder­las­sun­gen und einzelne Mit­glieder äußerten ihren Miss­mut mit dem Hash­tag #NoCa­pit­u­la­tion auf Twit­ter und forderten die Ablehnung der Vere­in­barung. Das all­ge­meine Gefühl ist: „Das ist nicht der Deal, für den wir uns entsch­ieden haben.”

Für den Fall, dass die Gespräche scheit­ern, hat die UCU 14 weit­ere Streik­tage im April, Mai und Juni genehmigt, die zu ein­er Unter­brechung der Abschlussprü­fun­gen und Abschlussfeiern führen wür­den.

Der Artikel erschien am Dien­stag der vierten Streik­woche auf Left­Voice, dem englis­chsprachi­gen Schwest­er­magazin von Klasse Gegen Klasse. Der Autor dieses Artikels ist ein­er der Beschäfti­gen, die an ein­er britis­chen Uni­ver­sität streiken.

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