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Große Proteste in Chile

Studieren­den­be­we­gung nimmt wieder fahrt auf

Große Proteste in Chile

// Studieren­den­be­we­gung nimmt wieder fahrt auf //

In Chile hat die Studieren­den­be­we­gung mit einem mas­siv­en Protest­tag im ganzen Land für Aufmerk­samkeit gesorgt. Mehr als 150.000 Studierende, Schüler*innen, Lehrer*innen und andere Arbeiter*innen demon­stri­erten alleine in der Haupt­stadt San­ti­a­go.

Diese Demon­stra­tio­nen find­en in einem ange­heizten poli­tis­chen Kli­ma statt.

Auf der einen Seite hat die Regierung eine Rei­he von Refor­men ver­sprochen, unter anderem eine Bil­dungsre­form. Diese soll die his­torische Forderung der Studieren­den nach kosten­los­er Bil­dung erfüllen.

Auf der anderen Seite erlebt das poli­tis­che Sys­tem in Chile die größte Krise seit dem Ende der Mil­itärdik­tatur 1990. Ange­fan­gen von der erzreak­tionären Recht­en bis hin zu den regieren­den Parteien – alle sind in ver­schiedene Kor­rup­tions­fälle ver­wick­elt. Unternehmen hin­ter­zo­gen Steuern und finanzierten gle­ichzeit­ig Wahlkam­pag­nen von Politiker*innen. Das ent­larvt die poli­tis­che Kaste von Politiker*innen, die nur Poli­tik für die Unternehmer*innen machen.

Das ver­set­zte das gesamte poli­tis­che Regime in eine tiefe Legit­im­ität­skrise. In diesem Rah­men ist die mas­sive Mobil­isierung vom ver­gan­genen Don­ner­stag zu bew­erten.

Schon 2011 gab es große Proteste. Mit Beset­zun­gen, Streiks und Demon­stra­tio­nen hat­ten die Studieren­den und Schüler*innen gegen das ungerechte Bil­dungssys­tem gekämpft. Die Stu­di­enge­bühren in Chile gehören zu den höch­sten der Welt, während die Besitzer*innen des Bil­dungssys­tems zu den reich­sten Kapitalist*innen des Lan­des gehören.

Im ver­gan­genen Jahr ord­neten sich die Führun­gen der Studieren­den­be­we­gung der Regierung unter und hofften pas­siv auf eine Änderung von oben.

In der aktuellen poli­tis­chen Kon­junk­tur ist es deswe­gen beson­ders bemerkenswert, dass die Bil­dungs­be­we­gung den Kampf gegen das Bil­dungsys­tem mit ein­er Kri­tik an den bürg­er­lichen Politiker*innen und ihren Beziehun­gen mit den Kapitalist*innen verbindet.

Am ver­gan­genen 21. April fand zudem ein kräftiger Warn­streik in den strate­gis­chen Indus­trien des Lan­des – von den Häfen, über die Minen und den Forst­be­trieb – statt. All das deutet auf ein kon­flik­tre­ich­es Szenario hin, in dem sich die Krise des Regimes von oben mit dem auf­steigen­den Klassenkampf von unten verbindet.

Dieser Artikel erschien am 25. April in einem Flug­blatt der linken Jugend­gruppe Red­Brain.

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