Welt

Größter Eisenbahnstreik in London seit Jahrzehnten

Die Lokführer*innen der Firma Southern Rail traten am Dienstag in einen 48-stündigen Streik. Das Unternehmen will die Stellen für die Zugbegleiter*innen auf allen ihren Strecken streichen.

Größter Eisenbahnstreik in London seit Jahrzehnten

Das Unternehmen South­ern Rail will in allen Bahn­lin­ien die Stellen des Per­son­als stre­ichen, das für das Öff­nen und Schließen der Wag­gontüren zuständig ist – in Zukun­ft soll diese Auf­gabe auf die Lokführer*innen abgewälzt wer­den. Die Beschäftigten argu­men­tieren, dass die Abschaf­fung der Dop­pelbe­set­zung von Lokführer*innen und Zugbegleiter*innen die Sicher­heit der Fahrgäste gefährdet.

South­ern – eine Tochter des größten britis­chen Eisen­bah­nun­ternehmens Govia Thames Rail­way (GTR), die wiederum ein Gemein­schaft­sun­ternehmen der britis­chen Go-Ahead und der franzö­sis­chen Keo­lis ist – strich alle ihre 2.284 Verbindun­gen als Resul­tat des Streiks. Die Fir­ma ist für die Bahn­lin­ien vom Lon­don­er Zen­trum in den Süden der Stadt, zum Flughafen Gatwick und nach Brighton an der britis­chen Süd­küste ver­ant­wortlich.

Der Streik fand statt, nach­dem South­ern zwei Mal erfol­g­los ver­sucht hat­te, die Arbeit­skampf­maß­nah­men gerichtlich ver­bi­eten zu lassen – mit dem Argu­ment, dass die Gew­erkschaften europäis­ches Gesetz brechen wür­den.

Der Stre­it zwis­chen den Gew­erkschaften ASLEF (Lokführer*innen) und RMT (Zugbegleiter*innen) und dem Unternehmen begann im April. Seit­dem hat die unnachgiebige Hal­tung von South­ern für die Fahrgäste nur zu Prob­le­men geführt, da sie in den let­zten Monat­en immer wieder mit Zugaus­fällen und Verzögerun­gen rech­nen mussten.

South­ern ist von Gew­erkschaften, Fahrgastvere­ini­gun­gen und selb­st von eini­gen Funktionär*innen scharf für die schlechte Führung der Eisen­bahn­lin­ien ange­grif­f­en wor­den: Ver­spä­tun­gen von bis zu ein­er Stunde, hor­rende Preise und über­füllte Züge sind der All­t­ag. Laut Schätzun­gen benutzen etwa 300.000 Per­so­n­en pro Tag die Dien­stleis­tung des Unternehmens, um zu ihren Arbeit­splätzen zu gelan­gen.

Die Gew­erkschaften wer­fen der Regierung vor, die Ver­hand­lun­gen zu behin­dern und den Kon­flikt zu manip­ulieren, nach­dem der Verkehrsmin­is­ter Chris Grayling erk­lärt hat­te, dass der Streik poli­tisch motiviert sei und über ein Gesetz spekulierte, welch­es in Zukun­ft Eisen­bahn­streiks ver­bi­eten kön­nte. Der ASLEF-Sekretär Mick Whe­lan erk­lärte: „Die Regierung ist allein ver­ant­wortlich für die Ärg­ernisse und Prob­leme der Fahrgästen, da sie ver­sucht, die Nutzung von Zügen voranzutreiben, die nur von Lokführer*innen bedi­ent wer­den.“

Der Bürg­er­meis­ter von Lon­don, Sadiq Khan, der in Oppo­si­tion zur Regierungspartei ste­ht, sagte zu den Fahrgästen: „Ihr bezahlt zu viel für die Ver­spä­tun­gen, Zugaus­fälle und Unter­brechun­gen. Ihr ver­di­ent einen besseren Ser­vice. Die Fahrgäste von South­ern wur­den von der Regierung im Stich gelassen.“

In lokalen Medi­en sagen einige Fahrgäste, dass sie sog­ar ihren Arbeit­splatz ver­loren haben oder kündi­gen mussten, weil sie mit dem Eisen­bah­n­di­enst von South­ern immer wieder Prob­leme hat­ten. In der BBC äußerten sich Fahrgäste mit Sym­pa­thie für die Aktion der Beschäftigten und ihre Oppo­si­tion zum Ver­such des Unternehmens, Arbeit­skampf­maß­nah­men ver­bi­eten zu lassen.

Für den Guardian ist der Streik der Arbeit­skampf mit den größten Auswirkun­gen der let­zten 20 Jahre – dutzende Sta­tio­nen wur­den voll­ständig lah­mgelegt. Am heuti­gen Don­ner­stag wird eine neue Ver­hand­lungsrunde zwis­chen Gew­erkschaften und Unternehmen stat­tfind­en. Während­dessen ist für den morgi­gen Fre­itag ein weit­er­er 24-stündi­ger Streik sowie eine fün­ftägige Arbeit­snieder­legung ab dem 9. Jan­u­ar geplant.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.