Größter Eisenbahnstreik in London seit Jahrzehnten

15.12.2016, Lesezeit 3 Min.
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Die Lokführer*innen der Firma Southern Rail traten am Dienstag in einen 48-stündigen Streik. Das Unternehmen will die Stellen für die Zugbegleiter*innen auf allen ihren Strecken streichen.

Das Unternehmen Southern Rail will in allen Bahnlinien die Stellen des Personals streichen, das für das Öffnen und Schließen der Waggontüren zuständig ist – in Zukunft soll diese Aufgabe auf die Lokführer*innen abgewälzt werden. Die Beschäftigten argumentieren, dass die Abschaffung der Doppelbesetzung von Lokführer*innen und Zugbegleiter*innen die Sicherheit der Fahrgäste gefährdet.

Southern – eine Tochter des größten britischen Eisenbahnunternehmens Govia Thames Railway (GTR), die wiederum ein Gemeinschaftsunternehmen der britischen Go-Ahead und der französischen Keolis ist – strich alle ihre 2.284 Verbindungen als Resultat des Streiks. Die Firma ist für die Bahnlinien vom Londoner Zentrum in den Süden der Stadt, zum Flughafen Gatwick und nach Brighton an der britischen Südküste verantwortlich.

Der Streik fand statt, nachdem Southern zwei Mal erfolglos versucht hatte, die Arbeitskampfmaßnahmen gerichtlich verbieten zu lassen – mit dem Argument, dass die Gewerkschaften europäisches Gesetz brechen würden.

Der Streit zwischen den Gewerkschaften ASLEF (Lokführer*innen) und RMT (Zugbegleiter*innen) und dem Unternehmen begann im April. Seitdem hat die unnachgiebige Haltung von Southern für die Fahrgäste nur zu Problemen geführt, da sie in den letzten Monaten immer wieder mit Zugausfällen und Verzögerungen rechnen mussten.

Southern ist von Gewerkschaften, Fahrgastvereinigungen und selbst von einigen Funktionär*innen scharf für die schlechte Führung der Eisenbahnlinien angegriffen worden: Verspätungen von bis zu einer Stunde, horrende Preise und überfüllte Züge sind der Alltag. Laut Schätzungen benutzen etwa 300.000 Personen pro Tag die Dienstleistung des Unternehmens, um zu ihren Arbeitsplätzen zu gelangen.

Die Gewerkschaften werfen der Regierung vor, die Verhandlungen zu behindern und den Konflikt zu manipulieren, nachdem der Verkehrsminister Chris Grayling erklärt hatte, dass der Streik politisch motiviert sei und über ein Gesetz spekulierte, welches in Zukunft Eisenbahnstreiks verbieten könnte. Der ASLEF-Sekretär Mick Whelan erklärte: „Die Regierung ist allein verantwortlich für die Ärgernisse und Probleme der Fahrgästen, da sie versucht, die Nutzung von Zügen voranzutreiben, die nur von Lokführer*innen bedient werden.“

Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, der in Opposition zur Regierungspartei steht, sagte zu den Fahrgästen: „Ihr bezahlt zu viel für die Verspätungen, Zugausfälle und Unterbrechungen. Ihr verdient einen besseren Service. Die Fahrgäste von Southern wurden von der Regierung im Stich gelassen.“

In lokalen Medien sagen einige Fahrgäste, dass sie sogar ihren Arbeitsplatz verloren haben oder kündigen mussten, weil sie mit dem Eisenbahndienst von Southern immer wieder Probleme hatten. In der BBC äußerten sich Fahrgäste mit Sympathie für die Aktion der Beschäftigten und ihre Opposition zum Versuch des Unternehmens, Arbeitskampfmaßnahmen verbieten zu lassen.

Für den Guardian ist der Streik der Arbeitskampf mit den größten Auswirkungen der letzten 20 Jahre – dutzende Stationen wurden vollständig lahmgelegt. Am heutigen Donnerstag wird eine neue Verhandlungsrunde zwischen Gewerkschaften und Unternehmen stattfinden. Währenddessen ist für den morgigen Freitag ein weiterer 24-stündiger Streik sowie eine fünftägige Arbeitsniederlegung ab dem 9. Januar geplant.

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