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Gewerkschafter gegen Donald Trump

Der Klimaanlagenhersteller Carrier möchte 2.100 Arbeitsplätze vernichten. Trump mischte sich ein und meldet einen Erfolg. Als die Meldung sich als falsch entpuppt, greift Trump die Gewerkschaft an. In der Washington Post äußerte sich der Vorsitzende öffentlich.

Gewerkschafter gegen Donald Trump

Der zuständige Gewerkschaftsfunktionär bei Carrier, Chuck Jones, hatte sich zuerst gefreut, dass Trump sich angeblich für die Arbeiter*innen des Klimaanlagenherstellers einsetzte. Doch nach der Erfolgsmeldung Ende November überprüfte er die Zahlen. Ihn überkamen Zweifel am angeblichen Erfolg. Danach riet er den Arbeiter*innen zur Vorsicht. Diese hatten Trump zunächst für die Rettung ihrer Arbeiterplätze bejubelt.

Jones bezichtigte Trump vergangenen Woche gegenüber der Washington Post der bewussten Verfälschung von Tatsachen:

“Als ich mich vor kurzem mit der Geschäftsleitung von Carrier traf, realisierte ich, dass wir belogen wurden. Obwohl Trump sagte, er hätte 1.100 Arbeitsplätze gerettet, war das nicht der Fall. Carrier sagte uns, dass sie 550 Arbeiter*innen entlassen würden.

Das hat Trump verschwiegen. Als er in unserer Fabrik eine Rede hielt, tat er so, als würden alle ihren Job behalten. Die Leute spielten verrückt wegen ihm. Sie dachten, dank Trump werden sie in der Lage sein, weiter ihre Familien zu versorgen.“

Daraufhin reagierte Donald Trump über Twitter auf die Vorwürfe – gewohnt aggressiv – und griff Jones und die Gewerkschaft direkt an.

So sagte er bezüglich des Vorgehens der Gewerkschaft: „Kein Wunder, dass Unternehmen das Land verlassen“. Trumps Logik: Wenn sich Arbeiter*innen organisiert für ihre Rechte einsetzen, sind sie selbst Schuld daran, wenn die Kapitalist*innen sie rauswerfen und ihre Produktion verlagern.

Trump ist nicht nur homophob, rassistisch und sexistisch. Er ist auch tiefgründig arbeiter*innen- und gewerkschaftsfeindlich.

Die extreme Rechte in den USA steht bereits hinter Trump. Seine Hetze gegen die Gewerkschaften dürfte von ihnen mit Wohlwollen aufgenommen werden. Faschistische Tendenzen sind auf dem Vormarsch.

Die Verhandlungen zum Erhalt der Arbeitsplätze mit Carrier waren eigentlich bereits gescheitert. Dabei war die Gewerkschaftsführung zu großen Kompromissen bereit, um die Arbeitsplätze zu retten. So hatten sie angeboten, den Stundenlohn auf 5$ zu reduzieren. Damit hatten sie sich in Opposition zur Bewegung „Fight for 15“ gestellt, die für einen Mindestlohn von 15$ kämpfen.

Am Beispiel Carrier können wir sehen, dass diese blinde Hoffnung auf Verhandlungen, die den Reformismus der Gewerkschaftsführung charakterisiert, scheitern muss. Denn trotz aller Kompromisse können Arbeiter*innen in den USA nicht mit den Löhnen in Mexiko konkurrieren.

Stattdessen muss eine radikale, klassenkämpferische Alternative aufgebaut werden, die sich nicht der Spirale nach unten ergibt, sondern Kürzungs- und Schließungspläne von Unternehmen mit allen Mitteln bekämpft.

Wie solche radikale Lösungen aussehen können, zeigen Beispiele wie die Keramikfabrik Zanon im Westen von Argentinien. Der Betrieb läuft bereits seit 15 Jahren unter Kontrolle der Arbeiter*innen. Sie haben den Betrieb besetzt und verfügen nun über die Produktionsmittel. So konnten der Betrieb und die Arbeitsplätze gerettet werden.

Doch Zanon muss weiterhin im kapitalistischen Markt überleben – ein Zeichen, dass diese Lösungen nur ein erster Schritt im Kampf für eine ganz andere Gesellschaft sein kann. Bei Zanon sind mittlerweile die Produktionsmittel veraltet. Deshalb haben die Arbeiter*innen eine Spendenkampagne organisiert. Mit den Spenden soll das Überleben von Zanon gesichert werden. Die Arbeiter*innen standen in vielen Kämpfen solidarisch an der Seite der Kämpfenden. Nun aber sind sie selbst auf solidarische Spender*innen angewiesen.

Solidarität haben auch die Arbeiter*innen bei Carrier dringend nötig. Deswegen führte Trumps Einmischung bei Carrier für große Euphorie unter den Arbeiter*innen. Doch seine Erfolgsmeldung entpuppte sich bald als Täuschung. Anstatt auf diese Täuschungen hereinzufallen, müssen sich die Arbeiter*innen unabhängig von Gewerkschaftsbürokratie und kapitalistischen Parteien organisieren und für eine Lösung der Arbeiter*innen eintreten.

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