Gaza: Zwischen Hungertod und Vertreibung
Immer mehr Menschen in Gaza sterben an der von Israel herbeigeführten Hungersnot, während Vertreibung und Annexion ihren Lauf nehmen.
Es gibt viele Arten zu töten und die israelische Armee ist nicht wählerisch. In den vergangenen 24 Stunden sind in Gaza 19 Menschen, darunter vier Kinder, verhungert. Zahlreiche Videos zeigen die verzweifelten Methoden, zu denen die Bewohner:innen im Versuch, dem Hungertod zu entgehen, gezwungen sind, etwa das Durchsuchen von Müll und das Essen von Blättern. Auch die Wasserversorgung wird, verschärft durch die Sommerhitze und den durch die Blockade ausgelösten Treibstoffmangel, immer prekärer. Dazu kommen gezielte Angriffe auf Entsalzungsanlagen.
„Die israelischen Behörden lassen Zivilisten im Gazastreifen hungern. Unter ihnen sind eine Million Kinder“, erklärte das UN-Hilfswerk UNRWA gestern auf Twitter. Seit dem 2. März wird die UNRWA, welche im vergangenen Jahr von der Netanjahu-Regierung verboten wurde, von den israelischen Behörden daran gehindert, humanitäre Hilfe nach Gaza zu bringen. Die zugelassene Quelle für „Hilfe“ ist seitdem die sogenannte Gaza Humanitarian Foundation (GHF). Anstatt die humanitäre Krise zu lindern, hat sich die von Israel und den USA unterstützte private Stiftung als weiteres Werkzeug für Israels Vertreibungs- und Vernichtungsabsichten offenbart.
Immer wieder werden hungernde, nach Hilfe suchende Zivilist:innen in den Verteilungszentren von der israelischen Armee erschossen. Allein innerhalb der letzten 24 Stunden wurden auf diese Weise mindestens 95 Palästinenser:innen ermordet, über 1.000 seitdem die Stiftung im Mai ihre Arbeit aufnahm. Neben der perfiden Instrumentalisierung humanitärer Hilfe als Todesfalle soll die gezielte Platzierung der GHF-Verteilungszentren dazu beitragen, die Bevölkerung im Süden zu konzentrieren und so die Entvölkerung und Annexion weiterer Teile Gazas zu beschleunigen.
Auch Teil dieses Plans, an dessen Ende die Deportation in andere Staaten stehen soll, ist der „Evakuierungsbefehl“ den die IDF gestern für Deir al-Balah verkündete. In der Stadt im Zentrum des Gazastreifens hielten sich zu dem Zeitpunkt zwischen 50.000 und 80.000 Menschen auf. Nur kurze Zeit später startete die Armee einen großangelegten Luft- und Bodenangriff.
Während Israel seine genozidale Absicht Tag um Tag unmissverständlich darlegt und sich nun beinahe 90 Prozent Gazas innerhalb israelischer Armeezonen befinden oder von „Evakuierungsanordnungen“ betroffen sind, spricht die deutsche Entwicklungshilfeministerin Alabali Radovan (SPD) bei ihrem Besuch in Ägypten davon, einen Beitrag zum Wiederaufbau Gazas leisten zu wollen. Ein heuchlerisches Manöver angesichts der Tatsache, dass Israel seine Vertreibungsoffensive weiterhin mit militärischer und diplomatischer Rückendeckung der deutschen Regierung durchführt.