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Für einen aktiven Streik!

POST: Die Geschäfts­führung bleibt weit­er­hin stur, der Streik wird aus­geweit­et. Doch wie kön­nen die Beschäftigten die Organ­i­sa­tion des Streiks selb­st in Hand nehmen und zum Erfolg führen?

Für einen aktiven Streik!

// POST: Die Geschäfts­führung bleibt weit­er­hin stur, der Streik wird aus­geweit­et. Doch wie kön­nen die Beschäftigten die Organ­i­sa­tion des Streiks selb­st in Hand nehmen und zum Erfolg führen? //
Bere­its eine Woche dauert der unbe­fris­tete Streik bei der Post AG an. Mit­tler­weile beteili­gen sich mehr als 18.000 Kol­legIn­nen am Aus­stand. Die Geschäftsführung behauptet vehe­ment, dieser Streik hätte keine Auswirkun­gen. KundIn­nen und Mitar­bei­t­erIn­nen sprechen hinge­gen von verspäteten Zustel­lun­gen und wach­senden Paket­ber­gen. Ver.di fordert 5,5 Prozent mehr Lohn und die Verkürzung der Wochenar­beit­szeit auf 36 Stun­den. Doch es geht, wie wir alle wis­sen, um viel mehr: Kann die Post AG ihre arbei­t­erIn­nen­feindliche Prax­is weiterführen? Wird sie durchkom­men mit der Aus­gliederung der Post AG in die DHL Deliv­ery GmbHs, die Unter­wan­derung des Haus­tar­ifver­trags und damit die Tar­ifz­er­split­terung? Die Ver.di-Führung sagt zwar, dass ein Erfolg in diesem Kampf zukun­ftsweisend wäre. Doch die Wiedere­ingliederung der Deliv­ery GmbHs ist keine Streik­forderung.

Dabei ist diese Tak­tik der Post ein direk­ter Angriff auf­den gew­erkschaftlichen Wider­stand, der in all diesen Sub­un­ternehmen neu organ­isiert wer­den muss. Auch der Leis­tungs­druck auf Kol­legIn­nen der­Post AG wächst stetig dadurch, dass es im Mut­terkonz­ern keine Neue­in­stel­lun­gen mehr gibt. Das heißt für viele Beschäftigte: Dop­pelte Arbeit bei gle­ich­bleiben­dem Lohn. Diesen Streik als zukun­ftsweisend zu beze­ich­nen hat dem­nach seine Berech­ti­gung.

Wie gewinnen?

Doch was tut ver.di dafür, diesen Streik zu gewin­nen? Klar ist zwar, dass dieser unbe­fris­tete Streik ein starkes Zeichen in Rich­tung Konz­ern ist, die Forderun­gen durch­set­zen zu wollen. Den­noch machen die GewerkschaftsbürokratInnen immer wieder deut­lich, dass sie auch zu Kom­pro­mis­sen gegenüber der Post AG bere­it sind. Andreas Koc­sis, Verhandlungsführerin von ver.di sagt zum Ange­bot von ver.di gar: „Unser Ange­bot bedeutet eine dicke Einsparung für die Post.“ Wessen Inter­essen ver­tritt sie eigentlich? Die Kom­pro­misse wer­den let­ztlich auf den Schul­tern der Streik­enden aus­ge­han­delt wer­den. So wer­den selb­st die Angriffe der Post AG auf diesen Streik – Ein­satz von Lei­har­bei­t­erIn­nen und BeamtIn­nen als Streik­brecherIn­nen – von der Führung lediglich mit net­ten Worten quit­tiert. Dabei ist es ger­ade notwendig für den Erfolg des Streiks, aktive Streik­posten aufzustellen, die den Weg für Streik­brecherIn­nen zum Arbeit­splatz ver­langsamen.

Außer­dem kann dieser Streik nur gewon­nen wer­den, wenn die Öffentlichkeit gewon­nen wird. Dazu gehört es auch sich ein Vor­bild an den Streik­enden bei Ama­zon zu nehmen, die an die Universitäten und andere Arbeitsplätze gehen, um den Streik bekan­nter zu machen. Notwendig darüber hin­aus sind Demon­stra­tio­nen, Kundge­bun­gen und Flugblätter. Die Demon­stra­tion am heuti­gen Tag hier in Berlin kann nur der Start ein­er solchen Dynamik sein, die weit­er verstärkt wer­den muss.

Außer­dem hat jed­er Kol­lege, jede Kol­le­gin Ideen, wie der Streik kämpferischer wer­den kann. Deshalb brauchen wir echte Streikver­samm­lun­gen, auf denen der Kampf kollek­tiv geplant wer­den kann. Warum son­st ver­sam­meln sich denn son­st 1000 Streik­ende? Um sich von den net­ten Worten einzel­ner BürokratInnen berieseln lassen?! Dazu gehört es auch, die Streikführung in Frage zu stellen, wenn sie nicht den eige­nen Inter­essen entspricht. Diese Auf­gaben müssen von den Arbei­t­erIn­nen selb­st übernommen wer­den. Das heißt in erster Lin­ie eine demokratisch gewählte Streik­leitung, täglich Streikver­samm­lun­gen und der Auf­bau selb­stor­gan­isiert­er Struk­turen unabhängig von der Gewerkschaftsführung.

Denn auch die Gewerkschaftsführungen brauchen Demokratie nur solange, wie sie ihren eige­nen Inter­essen nicht wider­spricht. So wer­den Streiks auch gegen den Willen der Kol­legIn­nen abgewürgt. So geschehen bei den Streiks im Sozial- und Erziehungs­di­enst, bei denen die Entschei­dung der Streikdelegierten­ver­samm­lung, den Aus­stand nicht zu been­den, bevor nicht ein annehm­bares Ange­bot vor­liegt, ein­fach ignori­ert wurde. Auch der Streik der GdL wurde gegen den Willen viel­er Beschäftigter durch eine Schlich­tung abge­brochen. Davon haben die Kol­legIn­nen selb­st erst aus den Medi­en erfahren.

Gemeinsam streiken!

Dabei ist es notwendig auch mit anderen Sek­toren, gemein­same Strate­gien zu entwick­eln und gemein­same Inter­esse klarzustellen, allen voran mit den Streik­enden bei Ama­zon. Diese Kämpfe müssen von poli­tis­chen Kam­pag­nen begleit­et wer­den, die sich gegen Prekarisierung, Pri­vatisierung und Lohn­dump­ing richt­en und damit auch die Rolle des deutschen Staates offen kri­tisieren. So hält die Bun­desregierung bis heute 21% der Anteile der Post AG. Diese Anteile nutzt sie aber keineswegs, um die Kol­legIn­nen zu unterstützen. Ganz im Gegen­teil: Die poli­tis­che Prax­is des deutschen Staates – Pri­vatisierung der Post, Agen­da 2010 – in den let­zten 20 Jahren hat diese Sit­u­a­tion überhaupt erst ermöglicht.

Deshalb fordern wir:
— Vollständige Durch­set­zung der Forderun­gen der Beschäftigten — keine faulen Kom­pro­misse mit den Bossen!
— Demokratisierung der Streiks durch die demokratis­che Wahl ein­er Streik­leitung, sowie regelmäßige Streikver­samm­lun­gen!
— Zusammenführung der Arbeitskämpfe der ErzieherIn­nen, der Kolle- gIn­nen der Charité, bei Ama­zon. Dafür muss ein gemein­samer Kampf­plan aufgestellt wer­den.

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