Jugend

„Für viele war es die erste Demonstration überhaupt" – Eindrücke vom Schulstreik

Letzten Donnerstag waren 3.000 Schüler*innen und 300 Geflüchtete beim Schulstreik gegen Rassismus. Allein von einer Schule, der „Fichte“ in Steglitz, schlossen sich 65 Jugendliche dem Streik an. Wie haben sie das geschafft? Ein Gastbeitrag von Resa von der Fichtenberg-Oberschule und von der Antirassistischen Jugend Südwest.

„Für viele war es die erste Demonstration überhaupt

Vor dem Streik lief dieses Mal bei uns wenig. Trotzdem haben wir es irgendwie geschafft, die Zahl derjenigen, die wir mobilisieren konnten, auf 65 zu steigern. Die letzten Male hatten wir noch schulinterne Flyer – diesmal nur ein Artikel in der Schulzeitung. Zusätzlich haben wir in der Vergangenheit versucht, Vollversammlungen zu organisieren. Meistens hat das zwar nicht geklappt, aber schon der Versuch schaffte Aufmerksamkeit.

Unser Konzept

Unser Konzept ist weniger die wochenlange Vorbereitung des Streiks in der Schule als die spontane Mobilisierung. Das hat sich bei uns bewährt. Am Morgen des Streiks gehen wir durch alle Klassen und argumentieren für den Streik, treffen uns in der Pause danach und gehen gemeinsam hin. Das ist schon so etwas wie eine kleine Tradition geworden und hat auch dazu geführt, dass es weniger Gegenwind gibt. Anders als in anderen Schulen gibt es nicht viel Stress mit Lehrer*innen, die überwältigende Mehrheit zeigt sich eher solidarisch. Diesmal wurde es sogar von Lehrkräften geduldet, die dem Streik vorher immer eher negativ entgegenstanden.

Die spontane Mobilisierung hat dazu geführt, dass wir bei den letzten drei Streiks immer über 50 Leute mobilisieren konnten. Diesmal waren es 65 aus unterschiedlichen Klassenstufen. Zwar kam auch die Mobitour an unsere Schule, dazu gab es Mundpropaganda und Mobimaterial. Allerdings hat sich eine zu frühe Mobilisierung in der Vergangenheit als ungünstig herausgestellt: Einmal gab es eine Elternrundmail, die vor dem Streik gewarnt hatte, da dieser angeblich nicht angemeldet sei. Das war natürlich Schwachsinn, aber gerade die Mittelstufen verunsichert sowas schon noch.

Die erste Demo

Ich halte es für wichtig, den Schulstreik als politisierendes Mittel gerade für jüngere Schüler*innen zu nutzen. Für viele war dieser Streik die erste Demonstration überhaupt. Die Altersverteilung war relativ ungewöhnlich: Die siebten und achten Klassen haben den Streik als sehr positiv aufgenommen, die älteren Mittelstufenschüler*innen oder die Oberstufe waren im Vergleich eher weniger gut zu mobilisieren. Das hat man auch auf dem Streik gemerkt: einerseits waren diejenigen da, die immer kommen und mittlerweile die Abschlussjahrgänge besuchen; andererseits waren auch sehr viele sehr junge Menschen dabei.

Es wird interessant sein zu beobachten, ob die neue Generation Aktivist*innen, die „Tradition“ des Schulstreiks weiterführen kann oder nicht, wenn viele, die den Streik maßgeblich mitorganisieren, in der nächsten Zeit ihren Abschluss machen.

Warum streiken

Meiner Meinung nach gibt es viele unterschiedliche Gründe, warum Menschen streiken. Ich hab in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten hingehen, weil sie einfach keine Lust auf Schule haben. Tendenziell ist es denen nämlich nicht unbedingt wert, dafür dann einen Fehltag zu kassieren. Viele lassen sich nicht aufgrund von irgendwelchen komplizierten und wenig schüler*innengerechten Forderungen mobilisieren, sondern vielmehr weil sie Rassismus doof finden. Die meisten – außer denjenigen, die davon selbst betroffen sind – haben keine Vorstellung davon, wie weit Rassismus in der Gesellschaft verbreitet ist, und haben selten eine eigene ausgefeilte Position. Doch gerade jüngere Schüler*innen finden Ausgrenzung scheiße. Wenn dann die ersten sich entscheiden zu streiken, ziehen oft viele andere mit.

Auch wenn es bereits größere Streikaktionen in der Vergangenheit gab, ist der Streik vom letzten Donnerstag trotzdem ein politischer Erfolg. Beim Streik gab es eine bessere Dynamik als je zuvor. Obwohl die allgemeine Stimmung im Land uns Antirassist*innen nicht gerade in die Hände spielt, sind viele gekommen. Außerdem konnten wir zum ersten Mal Seit’ an Seit’ mit einer größeren Gruppe Geflüchteter zusammen demonstrieren. Zusätzlich kommt viel mehr aus den Bezirken selber: Es gibt Aktivengruppen aus unterschiedlichen Bezirken, die sich am Streik sowie an der Vorbereitung beteiligt haben. Natürlich ist der Südwesten traditionell nicht so gut aufgestellt wie beispielsweise Pankow – trotzdem kamen einige Aktivist*innen aus unserer Region.

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