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Für die Verteidigung Rojavas gegen die türkische Invasion! Raus mit dem Imperialismus aus der Region!

Seit dem 9. Oktober marschiert die türkische Armee gemeinsam mit jihadistischen Milizen über die syrisch-kurdische Grenze. Mit dem Abkommen zwischen der Türkei und den USA wollen diese NATO-Verbündeten die Vertreibung der Kurd*innen aus der Grenzregion konkretisieren. Wir verteidigen das Selbstbestimmungsrecht der kurdischen Nation gegen die türkische Invasion und fordern den Rauswurf des Imperialismus und anderer Mächte aus der Region. Erklärung der Trotzkistischen Fraktion für die Vierte Internationale (FT-CI).

Für die Verteidigung Rojavas gegen die türkische Invasion! Raus mit dem Imperialismus aus der Region!

Der Charakter des türkischen Kriegs und die Notwendigkeit, das Selbstbestimmungsrecht zu verteidigen

Das poli­tis­che Ziel des türkischen Angriffs ist die Liq­ui­dierung der poli­tis­chen und mil­itärischen Selb­stver­wal­tungsstruk­turen der Kurd*innen in Roja­va. In Verbindung damit ste­ht auch ein anderes Ziel der Innen­poli­tik, das immer größere Wichtigkeit erlangt: sich eines Teils der 3,6 Mil­lio­nen syrischen Geflüchteten zu entledi­gen, die aktuell in der Türkei leben, indem sie (falls nötig mit Gewalt) im syrischen Nor­dosten ange­siedelt wer­den, wo aktuell größ­ten­teils Kurd*innen leben.

Das staaten­lose kur­dis­che Volk wurde im Zuge der impe­ri­al­is­tis­chen Nachkrieg­sor­d­nung vom Ersten Weltkrieg (Sykes-Picot-Abkom­men) in vier Teile aufgeteilt. Seit­dem bleibt die kur­dis­che Frage in vier Län­dern (Türkei, Syrien, Irak und Iran) ungelöst. Die Besatzer­staat­en betra­cht­en die poli­tis­che Entrech­tung der kur­dis­chen Bevölkerung als Prinzip des Nation­al­staates. So bleibt Kur­dis­tan ver­wehrt, sein Selb­st­bes­tim­mungsrecht auszuüben.

Der Bürger*innenkrieg in Syrien hat das Sykes-Picot-Abkom­men in Frage gestellt. Die kur­dis­che Nation erkämpfte im Ver­laufe des Bürger*innenkriegs mit Hil­fe der ein­heimis­chen Bevölkerung eine gewis­sen Autonomie in der Region. Die Selb­stver­wal­tung in West­kur­dis­tan (Nordsyrien) ver­fol­gt den Ansatz, gegen die nationale und patri­ar­chale Unter­drück­ung im Rah­men ein­er Art demokratis­ch­er Ko-Exis­tenz mit den Besatzer­staat­en vorzuge­hen. Dazu trat sie in eine mil­itärische Allianz mit US-amerikanis­chen und europäis­chen Stre­itkräften ein, die die kur­dis­chen Kämpfer*innen nutzten, um Daesh zu besiegen, zumin­d­est in sein­er ter­ri­to­ri­alen Form. Ihrer­seits hat die kur­dis­che poli­tisch-mil­itärische Führung in ihren impe­ri­al­is­tis­chen “Part­nern” einen “Schutz” vor Assad und vor allem vor Erdo­gan gese­hen.

Doch die Aufkündi­gung der mil­itärischen Allianz durch Don­ald Trump drängte die kur­dis­che Bewe­gung in eine mil­itärische Allianz mit Assad und Putin. Doch nicht ein­mal dieses mil­itärische Bünd­nis zwis­chen PYD und Assad gegen den türkischen Angriff, unter der Schirmherrschaft von Putins Rus­s­land, war aus­re­ichend, um den Vor­marsch zu stop­pen. Am Don­ner­stag wurde ein Abkom­men zwis­chen der Türkei und der USA für einen “Waf­fen­still­stand” bekan­nt, laut dem die türkische Armee ihre Angriffe pausieren würde, im Gegen­zug für ein Ende wirtschaftlich­er Sank­tio­nen, und damit die kur­dis­che Bevölkerung die Städte Serekaniye und Tel Abyad ver­lässt. Laut kur­dis­ch­er Presse dauern die Kämpfe in Serekaniye trotz der erk­lärten Waf­fen­ruhe unver­min­dert an.

Diese Besatzung der syrisch-kur­dis­chen Gren­zre­gion zur Etablierung ein­er Puffer­zone ist Aus­druck eines Sied­lungskolo­nial­is­mus. Geschwächt von der wirtschaftlichen Stag­na­tion, erhofft sich die türkische Bour­geoisie durch Megapro­jek­te enorme Gewinne zu bekom­men. Die türkische Bour­geoisie pflegt die These, dass sie sich als regionale Macht etablieren kön­nte, wenn sie die kur­dis­chen Gebi­ete unter die eigene Kon­trolle bringt. Angesichts dieser Not­si­t­u­a­tion befind­en sich bere­its über 200.000 Men­schen aus Roja­va auf der Flucht.

Mit der “Puffer­zone” will der türkische Staat die eth­nis­che Zusam­menset­zung inner­halb ein­er Zone von 14.400 Quadratk­ilo­me­ter dauer­haft zu verän­dern. Dem­nach sollen für eine Anzahl zwis­chen zwei bis vier Mil­lio­nen Men­schen neue Dör­fer und Städte aufge­baut wer­den. Dazu ste­hen die jihadis­tis­chen Milizen als Vortrup­ps der zukün­fti­gen Sied­lungs­bevölkerung bere­it. Per­spek­tivisch beab­sichtigt der türkische Staat eine erzwun­gene Umsied­lung der syrischen Geflüchteten. Der türkische Bona­parte Erdo­gan ver­spricht den türkischen Nationalist*innen, die Geflüchteten in die beset­zten Teile Syriens zu senden. Eine Oper­a­tion eth­nis­ch­er Säu­berung.

Der Trumpsche Rückzug und die Heuchelei der europäischen Imperialismen

Der Rück­zug von Trump find­et im Rah­men eines bre­it­eren Par­a­dig­men­wech­sels statt. Der Mul­ti­lat­er­al­is­mus, d.h. dass die Bour­geoisien am sel­ben Strang ziehen und größere Inter­essenkon­flik­te ver­mei­den, ist in Zeit­en des unterge­hen­den Neolib­er­al­is­mus dys­funk­tion­al gewor­den. So wollen Frankre­ich und Deutsch­land die Türkei getren­nt von EU-Struk­turen sank­tion­ieren, da im Rah­men der EU eine ein­heitliche Lin­ie nicht zus­tande gekom­men ist.

Die bish­erige Legit­i­ma­tion der Kriege durch Begriffe wie Demokratie, Men­schen­rechte etc. funk­tion­iert nach den desas­trösen Inva­sio­nen von Afghanistan und Irak nicht mehr mit der­sel­ben Kraft der Pro­pa­gan­da auf inter­na­tionaler Ebene. Zugle­ich betra­chtet Trump die Nahost-Poli­tik der USA als gescheit­ert und hat prak­tisch den Kon­sen­sus aufgekündigt. Mit sein­er Entschei­dung hat er das Pen­ta­gon und die Demokrat­en erschüt­tert, die für eine län­gere Besatzung in Syrien ein­treten. Trump nutzte den Slo­gan „Mis­sion erfüllt“, um sich einen Fluchtweg aus Syrien zu eröff­nen und so seine Aufmerk­samkeit auf die asi­atisch-paz­i­fis­che Region lenken zu kön­nen. Wie Trump selb­st gesagt hat, ist es für die USA eine “strate­gis­che Frage”, sich aus dem Nahen Osten zurück­zuziehen.

Aber um das zu tun, muss der US-Impe­ri­al­is­mus sich­er­stellen, dass seine Inter­essen gewahrt bleiben. Dafür braucht Wash­ing­ton zuver­läs­sige und fähige Ver­bün­dete, vor allem in einem Moment, in dem Iran seinen Ein­fluss in der Region aus­dehnt – ein Resul­tat sein­er Erfolge im syrischen Bürger*innenkrieg. Zwei fun­da­men­tale Pfeil­er für die Aufrechter­hal­tung der impe­ri­al­is­tis­chen Ord­nung in der Region haben sowohl innen- als auch außen­poli­tis­che Prob­leme: Israel und Sau­di-Ara­bi­en. Es ist deshalb nicht an den Haaren her­beige­zo­gen, dass Trump entsch­ieden hat, seine Beziehun­gen zu dem anderen his­torischen strate­gis­chen Ver­bün­de­ten der Region, die Türkei, auf eine neue Grund­lage zu stellen. Denn die Allianz mit den kur­dis­chen Kräften hat­te immer einen tak­tis­chen Charak­ter, der zudem in Wider­spruch mit den Inter­essen eines NATO-Ver­bün­de­ten geri­et. Der “Ver­rat” der USA an den Kurd*innen war in diesem Sinne nur eine Frage der Zeit.

So fühlte sich die Türkei durch den Rück­zug der US-Trup­pen zum Ein­marsch ermutigt. In einem ersten Moment sah es so aus, als wenn sie west­liche Staat­en als Part­ner in dieser Inva­sion ver­lieren würde, auch wenn die türkische Armee ein wichtiger Bestandteil der NATO ist. Das vom US-Vizepräsi­den­ten angekündigte Abkom­men zeigt so in let­zter Instanz die Unter­stützung des US-Impe­ri­al­is­mus für den Plan seines Ver­bün­de­ten Türkei. Dadurch soll auch – unab­hängig von der Rhetorik von Trump – die türkische Inva­sion legit­imiert und der von Trump angekündigte Trup­pen­rück­zug in „geord­nete“ Bah­nen gebracht wer­den.

Auch wenn diese Art von Abkom­men nicht unbe­d­ingt am zuver­läs­sig­sten ist, wie sich während der acht Jahre Krieg in Syrien ein ums andere Mal gezeigt hat, stärkt es die Posi­tio­nen von ver­schiede­nen Akteuren. Rus­s­land und Assad ver­voll­ständi­gen ihre Kon­trolle des syrischen Ter­ri­to­ri­ums, das sich in kur­dis­ch­er Hand befand, und brem­sen den weit­eren Vor­marsch der Türkei. Während­dessen schre­it­et die Türkei dabei voran, ein Ter­ri­to­ri­um zu erobern, was die Kurd*innen noch weit­er vertreibt, und eine “Puffer­zone” etabliert, wo Mil­lio­nen syrisch-ara­bis­che Geflüchtete zwang­sum­ge­siedelt wer­den.

Erdo­gan hat die Stärke sein­er Posi­tion aus­ge­spielt: Der Geflüchteten-Deal mit der Europäis­chen Union und die geopoli­tis­che Lage der Türkei.

In diesem Rah­men war die Hal­tung der europäis­chen Impe­ri­al­is­men zur Türkei mehr als heuch­lerisch. Es war die EU – und beson­ders Deutsch­land – selb­st, die die türkische Armee in den let­zten Jahren selb­st aufgerüstet haben: zum einen mit den Mil­liar­den aus dem Geflüchteten-Deal, mit dem die EU ihre Außen­gren­zen mit Hil­fe von Erdo­gan abgeschot­tet haben. Aber vor allem mit direk­ten Waf­fen­ex­porten: Die Türkei ist Hauptempfän­gerin deutsch­er Rüs­tung­sex­porte und erhielt allein 2018 Waf­fen und Kriegs­gerät aus Deutsch­land im Wert von 242,8 Mil­lio­nen Euro – fast ein Drit­tel aller deutschen Kriegswaf­fen­ex­porte. Für 2019 wer­den die Zahlen wahrschein­lich noch höher sein. Noch heuch­lerisch­er ist, dass das von Außen­min­is­ter Maas angekündigte Waf­fen­em­bar­go gilt nur für zusät­zlich beantragte Waf­fen­ex­porte, nicht für schon genehmigte.

Erdo­gan weiß das und kann die syrischen Geflüchteten deshalb als Geiseln hal­ten, um seine regionale Poli­tik gegenüber der EU zu behaupten. Um die kri­tis­chen Stim­men zu block­ieren, dro­ht er mit der Aufkündi­gung des Abkom­mens mit der EU.

Die kur­dis­chen Struk­turen, die Deutsch­land und Frankre­ich ange­blich in Syrien vertei­di­gen wollen, wer­den von densel­ben impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en in ihren eige­nen Gren­zen bekämpft. Die kur­dis­che Organ­i­sa­tion PKK bleibt als Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion eingestuft, weshalb kur­dis­che Aktivist*innen in Europa unter Repres­sio­nen und Krim­i­nal­isierung lei­den. Davon ist auch die YPG/YPJ nicht aus­geschlossen. So bleibt es den kur­dis­chen Aktivist*innen de fac­to ver­boten, effek­tive Sol­i­dar­ität­snet­zw­erke gegen die türkische Inva­sion zu organ­isieren.

Die Demokratie-Dem­a­gogie der europäis­chen Regierun­gen ist ein Aus­druck der Panik, in der Innen­poli­tik von rechts unter Druck geset­zt zu wer­den. Sie haben der türkischen Regierung durch Flüchtlingsabkom­men, Waf­fen- und Kap­i­tal­ex­port erlaubt, die restrik­tiv­en Geset­ze zu ver­schär­fen, das kur­dis­che Volk, die Arbeiter*innenklasse und die Geflüchteten zu unter­drück­en. Da die Insta­bil­ität des Erdoğan-Regimes ständig Krisen pro­duziert, bre­it­en sich diese Krisen über die nationalen Gren­zen der Türkei in die europäis­chen Län­der aus. Der türkische Bona­partismus zer­mürbt sich an sein­er his­torischen Auf­gabe, aus der Türkei eine regionale Macht aufzubauen. Deshalb ver­sucht Erdo­gan, ange­bun­den an dieser bona­partis­che Auf­gabe, auch mit Kriegshand­lun­gen gegen kur­dis­ches Volk die türkische Bour­geoisie zu diszi­plin­ieren und hin­ter sich zu scharen. Erdo­gan ist derzeit diese chau­vin­is­tis­che nationale Ein­heit gelun­gen.

Für die Niederlage der türkischen Invasion! Für den Rauswurf aller kolonialen, regionalen und imperialistischen Mächte aus Kurdistan!

Wir unter­stützen den Sieg Rojavas über den türkischen Besatzungskrieg. Doch die Poli­tik der kur­dis­chen Führung ist an ihre Gren­zen gestoßen. Die Kom­pro­misse an die west­lichen impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en, um Anerken­nung für „basis­demokratis­che Autonomie in Roja­va“ zu bekom­men, haben die Möglichkeit­en der gesellschaftlichen Verän­derun­gen deut­lich gebremst. Der türkische Staat sig­nal­isierte in den let­zten Jahren immer wieder, er wolle Roja­va kolo­nial­isieren. Die aktuelle Sit­u­a­tion, wo die Kurd*innen in die Ecke gedrängt wur­den und sie entwed­er einen Genozid akzep­tieren oder mit allen Teufeln pak­tieren mussten, zeigt, dass diejeni­gen, die die impe­ri­al­is­tis­chen Staat­en als Schutzmächte oder gar Ver­bün­dete unter­drück­ter Natio­nen dargestellt haben, das kur­dis­che Volk ohne Werkzeuge und ohne Strate­gie der nationalen Befreiung ließen.

Die türkische Inva­sion zer­stört mit ihren Luft­waf­fen die Lebens­grund­la­gen der Men­schen und der Natur. Dieses Gebi­et soll erst bom­bardiert, dann im Inter­esse impe­ri­al­is­tis­ch­er Konz­erne neu betoniert wer­den. Dabei marschiert die türkische Armee mit deutschen Panz­ern ein, um die Region zu erobern. Es sind die impe­ri­al­is­tis­chen Konz­erne, die von der Kriegs­maschiner­ie Prof­ite ziehen und die Hauptver­ant­wor­tung tra­gen. Denn im Kap­i­tal­is­mus ste­ht Prof­it über allem: über Men­schen­leben, über das Über­leben von Ökosys­te­men und über die Zukun­ft des Plan­eten ins­ge­samt.

Die Rolle, die Assad und vor allem Putin spie­len, ist eben­falls schreck­lich für die Selb­st­bes­tim­mung des kur­dis­chen Volkes und für die Rechte und Inter­essen aller Unter­drück­ten und Aus­ge­beuteten der Region. Weit davon ent­fer­nt, sich für die nationalen Rechte des kur­dis­chen Volkes zu inter­essieren, ver­suchen Putin und sein Vasall Assad, von der Sit­u­a­tion zu prof­i­tieren, Gebi­ete zurück­zuer­obern und damit ihre Kräftev­er­hält­nisse gegenüber ihren Rivalen und inter­na­tionalen Verbündeten/Konkurrenten zu stärken. All das offen­sichtlich auf Kosten des kur­dis­chen Volkes. In diesem Sinne lässt sich nicht auss­chließen, dass sowohl Assad als auch Putin dem­nächst mit Erdo­gan zu ein­er Übereinkun­ft über die “kur­dis­che Frage” in Syrien kom­men.

Es gibt jedoch durch eine neue Welle der inter­na­tionalen Sol­i­dar­ität mit dem kur­dis­chen Wider­stand auch pro­gres­sive Ansätze. Die kur­dis­chen Milizen haben durch ihre hero­is­chen Kämpfe die Sym­pa­thie der unter­drück­ten Völk­er und inter­na­tion­al­is­tis­ch­er Aktivist*innen erobert. Zehn­tausende sind in den ver­gan­genen Tagen europaweit auf die Straßen gegan­gen, um ihre Sol­i­dar­ität zu zeigen und die Kom­plizen­schaft des Impe­ri­al­is­mus anzuk­la­gen, darunter auch die Jugendlichen von Fri­days For Future.

Zugle­ich liegt ein Schlüs­sel der Vertei­di­gung Rojavas in der Allianz mit den Aus­ge­beuteten und Unter­drück­ten in der Region selb­st: Im Iran haben Arbeiter*innen in vie­len Städten auf den Straßen mobil­isiert und ihre Betriebe bestreikt. In Irak hat die soziale und poli­tis­che Krise eine neue Dimen­sion erre­icht, wo die Massen gegen Arbeit­slosigkeit und Kor­rup­tion auf die Straße gehen. In der Türkei hat die poli­tis­che und wirtschaftliche Krise sog­ar Erdo­gans Partei erre­icht, wo zwei führende Per­sön­lichkeit­en jew­eils nach ihrem Rück­tritt aus der AKP eigene Partei zu grün­den beab­sichti­gen. Die hohe Arbeit­slosigkeit und der kor­rupte Staat­sap­pa­rat und niedrige Löhne verur­sachen in der Türkei Unmut. Vor der Inva­sion zer­bröck­elte Erdo­gans Bona­partismus poli­tisch und ökonomisch, jet­zt will er durch sie die nationale Ein­heit wieder­her­stellen und alle Sek­toren der eige­nen Bour­geoisie diszi­plin­ieren. Der türkische Staat hat kein Inter­esse daran, das türkische Mil­itär und die Polizei aus Nord­kur­dis­tan zurück­zuziehen, da er son­st de fac­to seine innere Kolonie ver­liert. Genau­sowenig kann er von der HDP an den Ver­hand­lungstisch gezwun­gen wer­den. Je schwäch­er Erdoğans Posi­tion in der Außen­poli­tik wird, um so schär­fer empfind­et er die Notwendigkeit, die innere Ter­rorherrschaft in zunehmen­dem Maße auszudehnen. Außer­dem gehört es zur Tra­di­tion der türkischen bürg­er­lichen Parteien, in der Frage der Unter­drück­ung des kur­dis­chen Volkes ein­stim­mig zu han­deln.

Ger­ade in dieser Phase ist die Anziehungskraft ein­er rev­o­lu­tionären, sozial­is­tis­chen Poli­tik enorm stark, die Brot, Arbeit, Woh­nung für alle verkör­pert und gegen die chau­vin­is­tis­che Spal­tung inner­halb der türkischen und kur­dis­chen Arbeiter*innen vorge­ht. Die Ein­heit der Arbeiter*innen mit den Unter­drück­ten ist zen­tral dafür, dass sich die nation­al­is­tis­che Reak­tion nicht durch­set­zen kann. Im Kampf gegen den gemein­samen Feind zeigt sich, wer ein Inter­esse an der Über­win­dung der chau­vin­is­tis­chen Spal­tung zwis­chen der kur­dis­chen und türkischen Arbeiter*innenklasse hat und wer der Kriegstreiber ist.

In den impe­ri­al­is­tis­chen Zen­tren gilt es, uns mit aller Kraft gegen die Kom­plizen­schaft unser­er eige­nen Regierun­gen und gegen die kriegstreiberischen Waf­fenkonz­erne zu stellen. Nach dem Vor­bild der Hafenarbeiter*innen von Gen­ua, die Waf­fen­liefer­un­gen an Sau­di-Ara­bi­en für den Krieg im Jemen block­iert haben, kann die europäis­che Arbeiter*innenklasse ihre Macht in die Waagschale leg­en und die Waf­fen­ex­porte bestreiken. Die mas­sive Bewe­gung der Jugend kann ihre Sol­i­dar­ität vervielfachen und Schulen, Uni­ver­sitäten und die Straßen lahm­le­gen, bis die impe­ri­al­is­tis­chen Regierun­gen ihre heuch­lerische Unter­stützung für den Angriff­skrieg aufgeben.

Unsere Sol­i­dar­ität gilt dem kur­dis­chen Wider­stand. Wir fordern;

 

  • Nieder mit der türkischen Inva­sion. Für den Rauswurf aller kolo­nialen, regionalen und impe­ri­al­is­tis­chen Mächte aus Kur­dis­tan.
  • Der geflüchteten­feindliche Deal zwis­chen der EU und der Türkei muss ersat­z­los gestrichen und stattdessen die Auf­nahme in würdi­gen Bedin­gun­gen für alle Geflüchteten, die in Europa Asyl beantra­gen wollen, organ­isiert wer­den.
  • Aufhe­bung des Ver­bots und Ende der Repres­sio­nen der kur­dis­chen Organ­i­sa­tio­nen PKK, YPG und YPJ. Die PKK muss von den Lis­ten der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tio­nen gestrichen wer­den.
  • Freilas­sung aller kur­dis­chen und Kur­dis­tan-sol­i­darischen Gefan­genen in den europäis­chen Gefäng­nis­sen
  • Inter­na­tionale Massen­mo­bil­isierung der Arbeiter*innen, der Frauen und der Jugend, mit Bewe­gun­gen wie Fri­days For Future und der fem­i­nis­tis­chen Bewe­gung gegen die türkische Inva­sion und die impe­ri­al­is­tis­chen Inter­ven­tio­nen in der ganzen Region.
  • Um diese Ziele zu erre­ichen kämpfen wir für die Grün­dung ein­er anti-impe­ri­al­is­tis­chen Strö­mung inner­halb der Gew­erkschaften. Denn die strate­gis­che Per­spek­tive ist die Entwick­lung von Massen­be­we­gun­gen und Gen­er­al­streiks gegen den Krieg und die Inter­ven­tio­nen des Impe­ri­al­is­mus.

 

 

Deutsch­land: Rev­o­lu­tionäre Inter­na­tion­al­is­tis­che Organ­i­sa­tion (RIO)
Frankre­ich: Rev­o­lu­tionär-Kom­mu­nis­tis­che Strö­mung (CCR) in der Neuen Antikap­i­tal­is­tis­chen Partei (NPA)
Spanis­ch­er Staat: Rev­o­lu­tionäre Strö­mung der Arbeiter*innen (CRT)

One thought on “Für die Verteidigung Rojavas gegen die türkische Invasion! Raus mit dem Imperialismus aus der Region!

  1. Jan Möller sagt:

    Ich denke nicht das der Mul­ti­lat­er­al­is­mus für den Neolib­er­al­is­mus dys­funk­tion­al gewor­den ist. Er wurde nur lib­er­al­isiert. Statt klar­er fest­geschrieben­er Part­ner­schaft der Bour­geoisien wer­den die Part­ner­schaften in lib­eraler Art und Weise freier ver­han­delt, entsprechend nationaler Inter­essen. Trump geht zur Zeit ein Bünd­nis ein mit Erdo­gan, welch­es für bei­de vorteil­haft ist. Die Inter­essen der EU sind bei­den vor­erst unwichtig. Sie wird bei Ver­größerung des Kon­flik­tes (eventuell auf den Iran) schon von bei­den gezwun­gen wer­den die USA und Türkei zu unter­stützen. Diese Art der inter­na­tionalen Beziehungs­gestal­tung entspricht dem unter­drück­erischen Charak­ter lib­eraler Frei­heit­sphiloso­phie, die in ihrer radikalen Anwen­dung auf den Faschis­mus und Nation­al­is­mus zus­teuert (wom­it wir wieder bei Trump und Erdo­gan wären).

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