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Friert die Hölle zu? Pilot*innen drängen Ryanair zur Verhandlung

Zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte will die Billigfluglinie mit Gewerkschaftsvertreter*innen verhandeln. In mehreren Ländern hatten ihre Pilot*innen mit Streik gedroht – kurz vor den Feiertagen.

Friert die Hölle zu? Pilot*innen drängen Ryanair zur Verhandlung

Eher würde die Hölle zufrieren, als dass Ryanair mit ein­er Gew­erkschaft einen Tar­ifver­trag abschließe. So hat­te noch vor weni­gen Tagen der für seine arro­gan­ten Sprüche berüchtigte Vor­stand­schef der Bil­ligfluglin­ie, Michael O’Leary, getönt. Die Aus­sicht auf Streiks kurz vor Wei­h­nacht­en in Irland, Deutsch­land, Ital­ien und Por­tu­gal und der damit dro­hende mas­sive Aus­fall von Flü­gen hat nun doch ein Umdenken erzwun­gen. Zum ersten Mal seit der Grün­dung 1985 wolle die irische Fluglin­ie nun in Ver­hand­lun­gen mit Gew­erkschaften in ins­ge­samt sechs europäis­chen Staat­en treten, teilte sie mit.

Die irische Fluglin­ie Ryanair ist nicht nur für ihre bil­li­gen Preise und schlecht­en Ser­vice bekan­nt, son­dern auch für drastis­che Arbeiter*innenfeindlichkeit. Die Löhne der Pilot*innen liegen unter dem Branchen­schnitt, mehr als die Hälfte der Pilot*innen sind als Schein­selb­st­ständi­ge beschäftigt und haben damit keinen Anspruch auf eine Lohn­fortzahlung im Krankheits­fall, keine verbindlichen Dien­st­pläne und keine Altersvor­sorge. In der Ver­gan­gen­heit hat­te die Bil­ligfluglin­ie ihren Beschäftigten auch bere­its mit der Kündi­gung gedro­ht, soll­ten diese sich mit ein­er Gew­erkschaft in Kon­takt set­zen.

Am ver­gan­genen Dien­stag hat­te die Pilot*innengewerkschaft Vere­ini­gung Cock­pit (VC) im Rah­men ein­er Pressekon­ferenz angekündigt, für eine Anpas­sung an branchenübliche Stan­dards in Vergü­tung und Arbeits­be­din­gun­gen jed­erzeit streik­bere­it zu sein. Den genauen Zeit­punkt hat­ten sie nicht bekan­nt gegeben, um dem Konz­ern nicht die Gegen­wehr zu erle­ichtern. Nur der Zeitraum zwis­chen dem 23. und dem 26. Dezem­ber sollte aus Rück­sicht auf die Pas­sagiere aus­ges­part bleiben. In Reak­tion auf den Schwenk des Unternehmens zeigte sich VC ver­hand­lungs­bere­it.

Erst vor kurzem hat­te ein ange­blich­er Fehler in der Urlaub­s­pla­nung Ryanair gezwun­gen, Tausende Flüge zu stre­ichen. Tat­säch­lich herrscht ekla­tan­ter Per­sonal­man­gel, die Fluk­tu­a­tion der Pilot*innen ist beträchtlich. Im Schnitt sind die Pilot*innen nur 34 Jahre alt.

Gle­ichzeit­ig ist Ryanair im Gespräch, Teile der insol­ven­ten Fluglin­ie Niki zu übernehmen. Zuvor stand Medi­en­bericht­en zufolge Lufthansa vor ein­er Über­nahme der Air-Berlin-Tochterge­sellschaft. Auch der ehe­ma­lige Formel-1-Pilot Niki Lau­da kündigte Inter­esse an. Er hat­te das Unternehmen 2003 gegrün­det, ehe es schrit­tweise von Air Berlin über­nom­men wor­den war.

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