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Fabrik unter Arbeiter*innenkontrolle

Fabrik unter Arbeiter*innenkontrolle

Am let­zten Sam­stag besuchte Raúl Godoy, wesentliche Fig­ur der selb­stver­wal­teten Keramik­fab­rik Zanon, zum Abschluß ein­er zwei­wöchi­gen Run­dreise durch Europa Berlin. Dort berichtete er über seine Erfahrun­gen und Erleb­nisse im Kampf um die Arbeiter*innenkontrolle und ver­suchte, beson­ders auf Griechen­land bezo­gen, weit­ere Ansätze für den inter­na­tion­al­is­tis­chen Kampf aufzuzeigen. Er sprach vor knapp 120 Inter­essierten, um die Lehren aus dem beispiel­haften Kampf bei Zanon zu ziehen.

Nun pro­duziert die argen­tinis­che Keramik­fab­rik Zanon schon seit über zehn Jahren selb­stver­wal­tet und ohne eine kap­i­tal­is­tis­che Struk­tur, weshalb sie auch als „Fab­rik ohne Chefs“ beze­ich­net wird. Was wie eine schwärmerische Utopie klingt, ist im Gegen­teil erfol­gre­iche Real­ität, was sich auch sta­tis­tisch bele­gen lässt: So gab es etwa seit der Beset­zung im Jahr 2001 keine ern­sthaften Arbeit­sun­fälle, während in der Vorzeit von 1979 bis 2001 etwa 25 Arbeit­sun­fälle pro Monat (!) gescha­hen. Die ehe­mals sehr harten Arbeits­be­din­gun­gen, wie Godoy, der seit knapp 20 Jahren dort arbeit­et, berichtete, hat­ten auch zu 14 Toten geführt. Eben­so wurde infolge des Kampfes der 8 Stun­den-Tag mit gle­ichem Lohn für alle durchge­set­zt, im Gegen­satz zum ehe­ma­li­gen 14 Stun­den-Tag.

Doch wie kann solch ein Erfol­gsmod­ell über­haupt funk­tion­ieren, während „vor dem Tor ein kap­i­tal­is­tis­ches Sys­tem in der Krise herrscht“? Wie kon­nten die Arbeiter*innen die Produktions­mittel an sich reißen? Godoy berichtete, dass es zunächst mas­sive Repres­sio­nen seit­ens der Unternehmer*innen gab, wodurch die anfängliche Organ­isierung der Arbeiter*innenschaft sehr schw­er war. Und doch war es ein­fach­er als erwartet: Ein klein­er poli­tis­ch­er Kern um Godoy – der selb­st Anführer in der Partei Sozial­is­tis­ch­er Arbeiter*innen (PTS) ist – fing an, Grillfeste und Fuss­ball­turniere zu ver­anstal­ten, wodurch man außer­halb der Augen der Chefs Kon­tak­te knüpfen und die weit­ere Strate­gie her­ausar­beit­en kon­nte, also eine wichtige Vorar­beit leis­tete, die nüt­zlich war, als die Fab­rik im Zuge der Krise in Argen­tinien 2001 geschlossen wer­den sollte. So gelang es, auch mit der sol­i­darischen Hil­fe von Studieren­den, Arbeit­slosen und Bünd­nis­sen von anderen beset­zten Betrieben, die Kon­trolle über die Fab­rik zu übernehmen.

Damit befan­den sie sich in ein­er ähn­lichen Sit­u­a­tion wie heute die Arbeiter*innen der griechis­chen Baustoff­fab­rik Vio.Me, in der 38 Arbeiter*innen seit drei Monat­en selb­st pro­duzieren. Zanon kann als Vor­bild für die griechis­chen Genoss*innen dienen, denn ent­ge­gen einiger Ein­wen­dun­gen, wonach Zanon „nur“ ein beson­der­er Aus­druck und Ergeb­nis der argen­tinis­chen Krise von 2001 ist, lässt sich fest­stellen, dass das Mod­ell Zanon Teil ein­er rev­o­lu­tionären Antwort auf die Krise ist. Es ist dies der Grund, weshalb der Vor­trag Godoys vor eben jenen Arbeiter*innen in Thes­sa­loni­ki eine große Bedeu­tung hat­te.

Nichts­destotrotz hängt die weit­ere Zukun­ft Zanons natür­lich von der weltweit­en klassenkämpferischen Arbeiter*innenklasse ab, weshalb die Fab­rik niemals ein Selb­stzweck, son­dern eher ein „Schützen­graben“ ist, aus welchem weit­ere Kämpfe wie diese mit dem gle­ichen Ergeb­nis geführt wer­den müssen. Damit Zanon nicht eine „sozial­is­tis­che Insel im kap­i­tal­is­tis­chen Meer“ ist, wird von dort die Verbindung mit Kämpfen über die Fab­rik hin­aus gesucht. Damit diese Kämpfe erfol­gre­ich bestrit­ten wer­den kön­nen, ist auch der Auf­bau ein­er rev­o­lu­tionären Partei notwendig, damit diese die Per­spek­tive ein­er sozial­is­tis­chen Rev­o­lu­tion aufzeigen kann.

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