Unsere Klasse

Erste gewerkschaftliche Aktionsaufrufe nach Hanau – Vorbereitung auf “Tag des Widerstands”?

Die IG Metall Hanau-Fulda ruft für den 4. März, dem Tag der zentralen Trauerfeier zu dem faschistischen Terroranschlag in Hanau, zu einer 10-minütigen Arbeitsniederlegung auf. Wird das die erste konkrete Streikaktion nach dem faschistischen Angriff? Und wird dies der Auftakt für weitere Mobilisierungen? Verschiedene migrantische Organisationen haben schon für den 8. Mai zu einem "Tag des Widerstands" oder "Tag des Zorns" aufgerufen.

Erste gewerkschaftliche Aktionsaufrufe nach Hanau – Vorbereitung auf

Bild: Per­spek­tive Online

Am 4. März wird in Hanau eine zen­trale Trauer­feier für die Opfer des faschis­tis­chen Angriffs auf zwei Shisha-Bars – Gökhan Gül­tekin, Fer­hat Ünvar, Mer­cedes Kier­pacz, Sedat Gür­büz, Hamza Kur­tović, Kalo­jan Welkow, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu und Said Nes­sar El Hashe­mi – stat­tfind­en. In den ver­gan­genen Tagen waren von ver­schiede­nen Seit­en Aufrufe laut gewor­den, auch gew­erkschaftliche Aktio­nen durchzuführen, um aufzuzeigen, dass die Arbeiter*innenbewegung sich gegen ras­sis­tis­che Spal­tung und recht­en Ter­ror stellt. Außer­dem hat es Aufrufe für einen “Tag des Zorns” oder gar einen Gen­er­al­streik am 8. Mai gegeben, der aus dem Umfeld migrantis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen kam.

“Initiative für eine 10-minütige Arbeitsruhe am 4. März 2020”

Die lokale IG Met­all-Vertre­tung Hanau-Ful­da hat nun einen Aufruf für eine 10-minütige Arbeit­snieder­legung am 4. März lanciert:

“Zehn Men­schen­leben sind von einem Recht­sex­trem­is­ten in Hanau aus­gelöscht wor­den. Über ihre Fam­i­lien und Fre­unde ist uner­messlich­es Leid hereinge­brochen. Wir fühlen und trauern weit­er­hin mit ihnen. Diese men­schen­ver­ach­t­ende Tat ist für uns ein weit­er­er tief­trau­riger Anlass, unseren Kampf gegen Recht­sex­trem­is­mus unver­min­dert fortzuführen.

Wir rufen als IG Met­all Hanau-Ful­da dazu auf, entsch­ieden­er als je zuvor, allen men­schen­feindlichen, recht­sex­tremen und anti­demokratis­chen Umtrieben aktiv ent­ge­gen­zutreten.

Bun­desweit find­en zurzeit vielfältige Aktio­nen, Demon­stra­tio­nen und Kundge­bun­gen gegen Ras­sis­mus und recht­en Ter­ror statt. Vere­inzelt wer­den auch betriebliche Gedenkver­anstal­tun­gen durchge­führt oder sind in Pla­nung. Auch und ger­ade in den let­zten Tagen in Hanau und dem Main-Kinzig-Kreis. Am 04. März 2020 find­et eine zen­trale Trauer­feier in Hanau statt.

Wir nehmen dieses Ereig­nis zum Anlass, die Ini­tia­tive zu ergreifen, an diesem Tag auch ein klares Zeichen aus den Betrieben und Ver­wal­tun­gen der Region gegen rechte Gewalt zu set­zen und deut­lich zu machen, dass dort kein Platz für Ras­sis­mus und Frem­den­feindlichkeit ist. Wir schla­gen daher vor, am Mittwoch, den 4. März 2020 um 11:50 Uhr in Betrieben und Ver­wal­tun­gen für 10 Minuten die Arbeit ruhen zu lassen und wür­den uns freuen, wenn sich viele Arbeit­ge­ber gemein­sam mit ihren Belegschaften dieser Ini­tia­tive anschließen wür­den.”

Wir hal­ten dies für einen wichti­gen ersten Schritt, ein Zeichen in den Betrieben zu set­zen. Das Beispiel sollte nicht auf Hanau und Umge­bung beschränkt bleiben, son­dern bun­desweit über­tra­gen wer­den. Die Aktion sollte mit möglichst auch mit Mobil­isierun­gen ver­bun­den wer­den, um zu zeigen, dass die Gew­erkschaften ein zen­traler poli­tis­ch­er Akteur sein kön­nen.

Doch damit dies mehr als nur ein ein­ma­liges Ereig­nis zum Damp­fa­blassen wird – noch dazu in trauter Einigkeit mit den Bossen, gegen die doch ger­ade eine Tar­i­fau­seinan­der­set­zung anste­ht –, soll­ten diese Aktio­nen dazu genutzt wer­den, um in den Betrieben gemein­sam zu disku­tieren, wie gegen Ras­sis­mus und andere Spal­tun­gen am Arbeit­splatz und darüber hin­aus vorge­gan­gen wer­den kann. Denn diese Spal­tun­gen sind nicht zufäl­lig, son­dern dienen ger­ade der Aufrechter­hal­tung der Prof­ite der großen Unternehmen.

Tag des Widerstands – Tag des Zorns

Diese Ini­tia­tive sollte ver­bun­den wer­den mit den Bestre­bun­gen migrantis­ch­er Organ­i­sa­tio­nen, den 8. Mai – an dem sich dieses Jahr zum 75. Mal die Nieder­lage des NS-Faschis­mus jährt – zu einem “Tag des Wider­stands” oder “Tag des Zorns” zu machen. Wenn die Basis der Gew­erkschaften sich mobil­isiert, kann die Per­spek­tive eines poli­tis­chen Gen­er­al­streiks real wer­den, der jedoch vor­bere­it­et wer­den muss.

“Wir migrantis­chen Selb­stor­gan­i­sa­tio­nen rufen unsere Geschwis­ter und Genoss*innen am 08. Mai 2020 zu einem Tag des Zorns und damit ein­herge­hen­den Gen­er­al­streik auf. Wir fordern alle Men­schen mit Migra­tionserbe, jüdis­che Men­schen, Sinti*ze und Rom*nja, Schwarze Men­schen, peo­ple of colour, #BIPoC und alle sol­i­darischen Men­schen auf, mit uns zu streiken. […] Da die Poli­tik dabei zusieht wie unsere Geschwis­ter und Freund*innen, auch unsere antifaschis­tis­cht­en Genoss*innen, bis heute sog­ar in staatlichen Insti­tu­tio­nen ums Leben kom­men, kön­nen wir uns nicht auf sie ver­lassen. Sie schützen uns nicht und spätestens seit dem NSU wis­sen wir, dass in Deutsch­land aller Wahrschein­lichkeit nach Täter­schutz betrieben wird. […] Angeregt durch die Ramazan Avcı Ini­tia­tive tra­gen wir unsere Wut und unsere Trauer am acht­en Mai auf die Straße.”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.