Deutschland

Erfolgreicher Widerstand der hochschwangeren Adama gegen ihre Abschiebung

Die Abschiebung von der 21-jährigen Adama K., aus Sierra Leone geflüchtet, wurde vorerst ausgesetzt. Sie hat sich wohl sehr mutig gewehrt und Widerstand geleistet!

Erfolgreicher Widerstand der hochschwangeren Adama gegen ihre Abschiebung

„Liv­ing ideas, con­nect­ing lives“, so ste­ht es auf ein­er Wer­betafel der Lufthansa am Münch­n­er Flughafen. Doch vor allem der zweite Teil dieses Slo­gans wurde heute Mor­gen, am 30. Mai, zur Wider­wär­tigkeit und zum Zynis­mus umgedeutet, denn um 7:00 Uhr hätte die 21-jährige und hochschwan­gere Frau Adama K. mit ihrem 5‑jährigen Sohn nach Ital­ien abgeschoben und von ihrem Part­ner, der nach wie vor im Abschiebe­lager Deggen­dorf leben muss, getren­nt wer­den sollen.

Dabei würde sie nur zwei Tage später, am 1. Juni, das Recht auf Mut­ter­schutz erhal­ten und wäre somit vor Abschiebun­gen sich­er gewe­sen. Doch der deutsche Staat kam ihr zuvor.

Begonnen hat­ten die Repres­sio­nen gegen sie allerd­ings schon am 14. Mai um 3:30 Uhr mor­gens. Die Polizei stürmte Adama K.‘s Zim­mer. Adama war unbek­lei­det und in Panik und ver­stand nicht, was um sie herum vorg­ing. Laut Polizei soll sie Wider­stand geleis­tet und gedro­ht haben, aus dem Fen­ster zu sprin­gen. Hier­bei ist zu beacht­en, dass für diese Abschiebung mehrere Polizist*innen auf zwei Eta­gen der Unterkun­ft in Hengers­berg mit schar­fen Hun­den andere Bewohner*innen abschirmten und sicherten, damit sie nicht inter­ve­nieren kön­nen. Eine Flucht von Adama wäre also schlichtweg unmöglich gewe­sen. Trotz­dem wurde Adama wegen schein­bar­er Flucht­ge­fahr zur Abschiebe­haft in die JVA Erd­ing gebracht. Ihr Sohn wurde vom Jugen­damt Deggen­dorf in Obhut genom­men. Ihr Part­ner blieb ihm Tran­sitzen­trum Deggen­dorf zurück.

Protest vor dem Lufthansagate

Um auf diese Abschiebung aufmerk­sam zu machen und Lufthansa für ihre Abschiebeprax­is anzuk­la­gen, haben sich bere­its um 5:00 Uhr mor­gens rund 40 Aktivist*innen vor dem Lufthansagate am Flughafen München einge­fun­den. Es wur­den Fly­er verteilt, Gespräche mit den Passagier*innen gesucht, die mit Lufthansa fliegen, und kurze Rede­beiträge gehal­ten. Die Polizei und der Secu­ri­ty-Dienst ließen nicht lange auf sich warten und forderten uns auf, den Hauptein­gang der Gates für Flug­gäste freizu­machen. Prof­it scheint wichtiger zu sein als Men­schen­leben. Trotz­dem führten wir den Protest, begleit­et von „Lufthansa, Fron­tex and Police. Stop killing Regugees“-Rufen, weit­er.

Abschiebung verhindert

Als die geplante Abschiebung hätte stat­tfind­en sollen, erhiel­ten wir doch noch eine gute Nachricht. Die Mas­chine sei abge­hoben, Adama sei aber nicht an Board. Wenig später stellte sich her­aus, dass sie sich sehr mutig gewehrt und Wider­stand geleis­tet hat­te, was let­ztlich dazu führte, dass sie von Board gebracht wurde. Nach Infor­ma­tio­nen der Polizei werde heute keine Abschiebung mehr stat­tfind­en, Adama sei außer­dem in ein Kranken­haus nach Erd­ing gebracht wor­den. Doch wir wis­sen, dass wir uns auf das Wort der Polizei nicht ver­lassen dür­fen. Sie ist Teil der Abschiebun­gen und wird diese Prax­is natür­lich weit­er­hin ohne Zögern fort­set­zen. Solange Adama also nicht in absoluter Sicher­heit ist, gibt es noch keinen Grund aufzu­at­men.

Genauere Infor­ma­tio­nen zu Adama und ihrem Sohn sind noch nicht bekan­nt. Wir hof­fen aber sehr, dass es ihr und ihren Kindern gut geht!

Informieren kön­nt ihr euch beim Bay­erischen Flüchtlingsrat, bei Refugee strug­gle for Free­dom und hier.

Vorgeschmack auf das PAG

Die geplante Abschiebung von Adama und ihrem Sohn ist jedoch trau­rige Nor­mal­ität. Nor­mal­ität in einem Staat, der schon seit langem Geflüchtete und Migrant*innen krim­i­nal­isiert und abschiebt. So gab es während der let­zten Wochen, ins­beson­dere im Abschiebe­lager in Deggen­dorf, zahlre­iche Angriffe gegen Geflüchtete und ihre Unterkün­fte seit­ens der Polizei. Ver­schär­fun­gen wer­den den­noch fol­gen, näm­lich mit Hil­fe des neuen PAG, das vor kurzem durch die CSU im Bay­erischen Land­tag ver­ab­schiedet wurde.

Gegen die Abschiebun­gen kön­nen wir jedoch nur gemein­sam kämpfen. Dazu brauchen wir eine starke Bewe­gung aus Schüler*innen, Studieren­den, Arbeiter*innen und natür­lich den Geflüchteten selb­st.

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