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Erdbeben und Kommunismus

Nach dem verheerenden Erdbeben in Mexiko helfen tausende und abertausende Menschen freiwillig bei den Rettungsarbeiten. Aber wie wäre es, wenn wir auch ohne Naturkatastrophen zusammenarbeiten würden? Ein Student aus Mexiko-Stadt reflektiert über Kommunismus, während er Trümmer aufräumt.

Erdbeben und Kommunismus

Bere­its in den ersten Stun­den nach dem Erd­beben, das mehrere Städte in Mexiko erschüt­terte, began­nen tausende und aber­tausende Men­schen spon­tan, Hil­fe für die betrof­fene Bevölkerung zu organ­isieren.

In Mexiko-Stadt haben sich Studierende aus den ver­schiede­nen Uni­ver­sitäten über soziale Medi­en koor­diniert und Hil­fs­bri­gaden gebildet. Ärzt*innen, Elektriker*innen, Klempner*innen, Ingenieur*innen und Arbeiter*innen aus den ver­schieden­sten Berufen haben sich gemeldet, um mit ihren Fähigkeit­en den Betrof­fe­nen zu helfen. Verkäufer*innen und Einwohner*innen sam­melten Hil­f­s­güter in der ganzen Stadt.

Kommunismus ist Humanismus

Diese frei­willige Zusam­me­nar­beit hat ein riesiges Poten­tial. Was würde passieren, wenn die arbei­t­ende und arme Bevölkerung sich auch außer­halb von Naturkatas­tro­phen vere­ini­gen würde?

Der Kom­mu­nis­mus ist ein Vorschlag für eine Gesellschaft jen­seits der Klassenspal­tung und der Aus­beu­tung des Men­schen durch den Men­schen, in der die Men­schen geschwis­ter­lich und sol­i­darisch zusam­men­leben kön­nen.

Im Kom­mu­nis­mus kön­nte der Men­sch die Entwick­lung der Wis­senschaft und der Tech­nolo­gie in den Dienst ein­er har­monis­chen Entwick­lung stellen – har­monisch zwis­chen den Men­schen selb­st, aber auch mit der Natur. Die Wirtschaft würde nicht mehr im Dienst der Prof­ite ein­er kleinen Min­der­heit von Kapitalist*innen ste­hen, son­dern die Bedürfnisse der Bevölkerung befriedi­gen.

Statt der Konkur­renz ums Über­leben, wie wir es im Kap­i­tal­is­mus ken­nen, kön­nten die Men­schen sich vere­ini­gen und ihre Fähigkeit­en für ein kollek­tives Ziel verbinden. Jedes Indi­vidu­um kön­nte sich frei und voll entwick­eln.

Hoffnung in den Trümmern

In einem Land wie Mexiko sind Gewalt und prekäre Lebens­be­din­gun­gen die Norm – bürg­er­liche Politiker*innen sind zynisch und kor­rupt, und die arbei­t­ende Bevölkerung ist vom Regime angewidert. Die enorme Sol­i­dar­ität, die heute nach den Erd­beben sicht­bar wird, ist ein Hoff­nungss­chim­mer.

Das Sys­tem bom­bardiert uns mit Indi­vid­u­al­is­mus, damit wir unter unseren wirtschaftlichen und per­sön­lichen Schwierigkeit­en ganz allein lei­den. Aber in Momenten wie diesem gehen Tausende und Aber­tausende auf die Straße, um zu helfen, ohne irgen­deine Gegen­leis­tung zu erwarten. Die einzige Beloh­nung ist das Glück, im Rah­men der Tragödie ein wenig beige­tra­gen zu haben. Es ist schön.

Wir sind überzeugt, dass es möglich ist, eine bessere Gesellschaft als diese aufzubauen. Die Zeichen der Sol­i­dar­ität, die wir in diesen Tagen gese­hen haben, sind für uns eine Ermu­ti­gung, um uns zu organ­isieren und immer mehr Men­schen zu überzeu­gen, dass wir im Angesicht dieses Sys­tems des Elend und des Todes nicht resig­nieren dür­fen.

Wirkliche Selbstverwaltung

Wenn die Gesellschaft auf eine Katas­tro­phe so antworten kann – stellen wir uns mal vor, was passieren würde, wenn es eine soziale Umwälzung im Sinne ein­er wirk­lich demokratis­chen Selb­stver­wal­tung gäbe. Wenn in den Uni­ver­sitäten die Studieren­den zusam­men mit den Arbeiter*innen disku­tieren und entsch­ieden wür­den – wenn an den Arbeit­splätzen die Arbeiter*innen Ver­samm­lun­gen machen wür­den um ihre Rechte zu vertei­di­gen.

Der Kom­mu­nis­mus ist die Per­spek­tive ein­er Gesellschaft, in der die arbei­t­en­den Massen sich selb­st regieren – in der sie kollek­tiv entschei­den und han­deln. Nach­dem wir die Sol­i­dar­ität gese­hen haben, die sich nach den Erd­beben gezeigt hat, ist es klar, dass diese Per­spek­tive abso­lut umset­zbar ist. Es lohnt sich, dafür zu kämpfen.

Zuerst veröf­fentlicht auf La Izquier­da Diario Méx­i­co. Dort gibt es rund um die Uhr Berichter­stat­tung über die Fol­gen des Erd­bebens aus Sicht der Arbeiter*innen und Jugend.

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