Deutschland

Ein Münchner in der Miethölle: Ausspekuliert hat sich’s

Ausspekuliert: Unter diesem Motto gingen im September über 10.000 Münchner*innen auf die Straße, um gegen hohe Mietpreise und Verdrängung zu demonstrieren. Ein Kommentar der marxistischen jugend münchen.

Ein Münchner in der Miethölle: Ausspekuliert hat sich’s

Illus­tra­tion: Ravi­o­li

Zu “Ausspekuliert” Aufgerufen hat­te keine Partei, die Mobil­isierung ging von Mieter*innen-Initiativen aus. Die poli­tis­chen Parteien waren zwar zu Reden geladen, doch schon seit Jahrzehn­ten unternehmen SPD, Grüne, CSU und FDP in Stadt, Land und Bund nichts gegen die Miet­preis­spi­rale. 
Im Gegen­teil: Die Bay­erische Staat­sregierung pri­vatisierte wie im Fall der GBW-Gruppe sog­ar zehn­tausende Woh­nun­gen, davon über 8.000 in München. Deshalb waren die Ver­sprechun­gen von der Bühne wenig glaub­würdig. Und auch die SPD ver­wal­tet in München nur den Not­stand, anstatt Wohnen als Recht anzuerken­nen und für alle zugänglich zu machen.

An der Woh­nungs­frage zeigt sich das Ver­sagen des Mark­tes. Der kap­i­tal­is­tisch organ­isierte Woh­nungs­markt ist nicht in der Lage, die Bevölkerung mit bezahlbaren Woh­nun­gen zu ver­sor­gen. Die „Miet­preis­bremse“ der SPD ist ein stumpfes Schw­ert, das nie­man­dem wehtun soll, der mit Woh­nun­gen Geld ver­di­ent. Um Wohn­raum für alle zur Ver­fü­gung zu stellen, muss er zunächst dem Markt ent­zo­gen und unter Kon­trolle der Bewohner*innen und Arbeiter*innen verge­sellschaftet wer­den. Unser Ziel ist dabei ein Recht auf Wohnen für alle. Diese Forderung ist eine Kamp­fansage an Investor*innen. Es ist aber auch eine Ansage an die Regierun­gen von München bis Berlin, die in Sachen Wohnen nicht uns – Beschäftigte, Studierende, Schüler*innen – vertreten, son­dern die Kapitalist*innen, die mit uns Gewinne machen.

Dazu zählen wir auch unsere neuen Mitbürger*innen, die aus ver­schiede­nen Regio­nen vor Armut, Krieg und Ver­fol­gung geflüchtet sind. Sie haben eben­so ein Recht auf lebenswerten Wohn­raum. Geflüchtete Men­schen wer­den in Masse­nun­terkün­ften und Ankerzen­tren unterge­bracht. Zäune und Secu­ri­ties son­dern die Bewohner*innen, die weniger in Woh­nun­gen leben als vielmehr in Haf­tanstal­ten, von der Nach­barschaft ab. Arbeiter*innen aus Bul­gar­ien und Rumänien bekom­men in München nicht ein­mal Zugang zu Notun­terkün­ften, geschweige denn Sozial­woh­nun­gen – zum Arbeit­en sind sie der Stadt gut genug, aber nicht zum Wohnen. Deshalb organ­isieren sie sich in der Ini­tia­tive „Wir wollen wohnen“.

Und auch Fachkräften fällt es, selb­st wenn sie das nötige Klein­geld mit­brin­gen, immer schw­er­er, in München eine Woh­nung für sich und ihre Fam­i­lien zu bekom­men. Der Not­stand bet­rifft alle, außer die Reichen. Eine Wirtschafts­form, in der immer schneller pro­duziert wer­den kann, aber immer weniger Men­schen eine bezahlbare Woh­nung find­en, erk­lärt ihren Bankrott. Deshalb ist für uns der Kampf um bezahlbares Wohnen untrennbar ver­bun­den mit dem Kampf gegen den Kap­i­tal­is­mus schlechthin, der diese Zustände erzeugt.

Wir wollen über die drin­gende Frage des Wohn­raums in näch­ster Zeit mehr schreiben und disku­tieren. Auf KlasseGegenKlasse.org veröf­fentlichen wir einen Dre­it­eil­er zu dem The­ma.

Dieser Beitrag erscheint am 26. Okto­ber in der zweit­en Aus­gabe der Zeitung marx­is­tis­che jugend, erhältlich in München (maju­muc [at] gmail.com).

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