Hintergründe

Ein Jahr nach dem Aufstand in Baltimore

Die zahllosen Polizeimorde und rassistischen Gewalttaten der letzten fünf Jahre - oft festgehalten auf Videos - lösten Proteste aus, die den Slogan Black Lives Matter aufstellten und im Laufe der letzten zwei Jahre immer massiver wurden.

Ein Jahr nach dem Aufstand in Baltimore

Bis zu dem Aus­bruch dieser Ereignisse bestand der lib­erale vorherrschende Diskurs auf der Idee, wir hät­ten eine post-ras­sis­tis­che Gesellschaft erre­icht, vor allem mit der Wahl von Oba­ma. Die Unter­drück­ten und Schwarzen ins­beson­dere — mit dem sys­tem­a­tis­chen Ras­sis­mus der ihnen täglich begeg­net — kon­nten sich den Luxus dieser Illu­sio­nen nicht leis­ten.

Dekonstruktion des Post-Rassen-Mythos

Der Mythos, die Gesellschaft der Vere­inigten Staat­en hätte die ras­sis­tis­che Spal­tung und Ungle­ich­heit über­wun­den, wurde von den Reak­tio­nen auf die wieder­holten Morde Schwarz­er Men­schen durch die Polizei zer­schmettert. Proteste, ange­führt von schwarzen Jugendlichen, Frauen und LGBT, haben erfol­gre­ich High Ways, Malls und Brück­en lah­mgelegt. In Uni­ver­sitäten im ganzen Land kam es zu Die-ins auf dem Cam­pus.

BLM-Aktivist*innen störten Bernie Sanders und forderten sein Pro­gramm her­aus. Dabei blieb viel zu wün­schen übrig, wenn es um die Belange von Peo­ple of Col­or ging. Alle Spitzenkandidat*innen auf die Präsi­dentschaft wur­den Fra­gen zu Black Lives Mat­ter und Polizeige­walt gestellt. Pas­sagen zu anti-schwarzem Ras­sis­mus wur­den in die Wahl­pro­gramme der Kandidat*innen der demokratis­chen Partei aufgenom­men. Der Grund dafür waren die BLM-Proteste.

Die Vorstel­lung eines far­ben­blind­en Amerikas wird durch das erhöhte Bewusst­sein über die Polizeimorde und Angriffe auf schwarze Men­schen abgelöst. Jedoch hat das Töten von schwarzen Men­schen durch die Polizei noch kein Ende gefun­den, alleine 2015 wur­den 1.134 Men­schen von der Polizei ermordet. Die Protest­welle und die Organ­isierung gegen Polizeige­walt ent­lar­ven die Lüge der post-ras­sis­tis­chen Gesellschaft. Die Black Lives Mat­ter Bewe­gung offen­bart die sys­tem­a­tis­che Natur von Ras­sis­mus.

Eine Zerrissene Stadt

Vor dem nationalen Kon­text von ras­sis­tis­ch­er Unter­drück­ung ist die Stadt Bal­ti­more ein beson­ders her­vorstechen­des Beispiel für Seg­re­ga­tion und Armut. Seit 1910 ein Gesetz einge­führt wurde, das Schwarze mit dem Ziel der “Ver­ringerung von zivil­er Unruhe und Präven­tion der Ver­bre­itung von Krankheit­en”, auf bes­timmte Blocks ein­schränk­te, haben zahlre­iche Regelun­gen die räum­liche Tren­nung aufrechter­hal­ten. Mit der Zeit lies sich die formelle Rassen­tren­nung weniger durch­set­zen und wurde durch die Redlin­ing-Prax­is erset­zt, die Schwarzen Zugang zu Ver­sicherun­gen, Dar­lehen und Hypotheken ver­weigerte.

Zusät­zlich zu der Polizeige­walt ist die Schwarze Bevölkerung in Bal­ti­more von ver­schiede­nen sozialen und wirtschaftlichen Prob­le­men betrof­fen. Öffentliche Schulen in armen Gegen­den sind sehr unzure­ichend aus­ges­tat­tet und ständig von Pri­vatisierung und Schließung bedro­ht, da das Schul­sys­tem durch eine lokale Eigen­tumss­teuer finanziert wird. Arbeit­slosigkeit ist am höch­sten unter Schwarzen: 37 Prozent junger Schwarz­er Män­ner haben keinen Job, im Ver­gle­ich zu 10 Prozent junger Weißer. Die Arbeitssuche gestal­tet sich noch schwieriger, da wegen der geziel­ten Ver­haf­tun­gen unge­fähr ein Drit­tel der Schwarzen vorbe­straft ist, was von den Arbeitgeber*innen geprüft wird. Das erschw­ert es, aus dem Kreis­lauf von Arbeit­slosigkeit, Armut, ille­galen Aktiv­itäten und Gefäng­nis auszubrechen.

In armen Schwarzen Vierteln kann die Polizei straf­frei Gewalt anwen­den. Das Rechtssys­tem beschützt und per­pe­tu­iert ihre Aktio­nen. So wur­den in den let­zten zehn Jahren nur 11 der 65 Polizis­ten, die wegen tödlich­er Schießereien angeklagt waren, auch tat­säch­lich verurteilt.

Die Rebellion von Baltimore

Nach­dem Fred­die Gray am 19.04.2015 ermordet wurde, brachen die ersten Anze­ichen von Wider­stand in seinem Vier­tel aus. Am Anfang waren es fast auss­chließlich Schwarze Jugendliche, Kinder, und einige Ältere aus dem Kiez. Nach eini­gen Tagen ver­bre­it­ete sich der Protest in der ganzen Stadt unter großer Teil­nahme von Studieren­den, Community-Aktivist*innen, Gew­erkschaften, religiös­er Grup­pen und linken Organ­i­sa­tio­nen. Men­schen kamen aus New York, Char­lottesville, Philadel­phia und Fer­gu­son, wo die Schwarzen Com­mu­ni­ties ähn­liche Kämpfe gegen Polizeige­walt führten.

Lan­desweit waren die Proteste in den Schlagzeilen und die Wut der Massen zielte immer direk­ter auf die lokalen Regierun­gen. Die wichtig­ste Forderung war, dass die Beamten die Mörder von Gray ver­haften und ankla­gen soll­ten.

Nach ein­er Großdemon­stra­tion zum Rathaus brachen die Demon­stri­eren­den durch und fegten durch Inner Har­bor, ein vornehmes Geschäftsvier­tel in der Innen­stadt von Bal­ti­more. Kochend vor Wut, kamen sie vor dem Sta­dion der Ori­oles zum Ste­hen. Zwei Polizeifahrzeuge wur­den beschädigt, bevor die schw­er bewaffneten Riot­cops sie aufhal­ten kon­nten. Ein paar Tage später geri­eten dutzende Schwarze Studierende in eine offene Kon­fronta­tion mit der Polizei, mit der sie sich, Steine wer­fend, auf einen Schlagab­tausch ein­ließen. Am Abend verurteilte die Schwarze Bürg­er­meis­terin, Rawl­ings-Blake, die die annäh­ernd zu 50 Prozent Schwarze Polizei von Bal­ti­more kom­mandierte, die Jugend als “Thugs” und rief den Not­stand aus. Zusät­zlich zum Bere­it­stellen von 3000 Polizist*innen aus Bal­ti­more suchte sie Unter­stützung durch Staat­spolizei und Nation­al­gar­de. In den fol­gen­den Tagen ging die Polizei gnaden­los gegen die Protestieren­den vor und ver­haftete mehr als 480. Die Macht­demon­stra­tion und die grund­losen Fes­t­nah­men soll­ten die Bewe­gung läh­men. Trotz­dem marschierten ein paar Tage später Studierende von High­schools und Uni­ver­sitäten aus ganz Mary­land durch die Stadt.

Am 1. Mai gab Staat­san­walt Mos­by die Entschei­dung bekan­nt, gegen die sechs Polizis­ten, die an Fred­die Grays Ermor­dung beteiligt waren, einen Strafantrag zu erlassen. Der Tag stellte auch den Höhep­unkt der Mobil­isierung dar. Unge­fähr zehn­tausend Men­schen umkreis­ten die Stadt zweimal und riefen:

“If we don’t get no jus­tice, then you won’t get no peace!”

Eine notwendige Bilanz2>

Die Anklage — eine bedeu­tende Abwe­ichung von der sys­tem­a­tis­chen Sank­tion von Mord durch die Polizei — war ein direk­tes Ergeb­nis der Mobil­isierun­gen. Die stärk­sten Aktio­nen waren sehr spon­tan, aber ohne diese Kon­fronta­tio­nen wäre die Nachricht von dem Mord an Fred­die Gray nicht um die Welt gegan­gen.

Gle­ichzeit­ig hät­ten diese isolierten, unor­gan­isierten Aus­brüche von Wut alleine nicht die selbe Aufmerk­samkeit erzeugt. Ohne die bre­ite Unter­stützung der Arbeiter*innen, Studieren­den, Gew­erkschaften und Organ­i­sa­tio­nen der Com­mu­ni­ty hätte der Staat die Proteste ein­fach mit sein­er Repres­sion ohne jedes Zugeständ­nis aus­löschen kön­nen.

Nach dem 1. Mai nah­men die Proteste schnell ab. Schwarze religiöse Führer*innen und reformistis­che Organ­i­sa­tio­nen feierten die Ergeb­nisse und beeil­ten sich, den Wider­stand auf der Straße zu been­den. Pfaf­fen, die New Black Pan­ther Par­ty und andere selb­ster­nan­nte Anführer*innen der Com­mu­ni­ty hiel­ten feier­liche Abschlusskundge­bun­gen vor dem Rathaus, während ein paar Meilen ent­fer­nt noch hun­derte in Haft saßen. Eine kleine Min­der­heit hörte nicht auf zu kämpfen und ver­langte die Freilas­sung der Inhaftierten sowie das Fal­l­en­lassen der Anklagepunk­te. Doch der Großteil der Organ­i­sa­tio­nen scheit­erte daran, eine gemein­same Antwort zu geben.

Der Mangel an Koordination in einer Einheitsfront

Ins­ge­samt kon­nten die bre­it­en Mobil­isierun­gen lose Grup­pierun­gen von Aktivist*innen, linken Parteien, Gew­erkschaften, Com­mu­ni­ty-Grup­pen und Studierende ver­sam­meln, deren gemein­same Antwort Zehn­tausende auf die Straßen brachte. Das Ergeb­nis davon war die Anklage der Mörder von Fred­die Gray.

Den­noch hat die Bewe­gung nie geschafft, eine wirk­liche Koor­dinierung zwis­chen den ver­schiede­nen kämpfend­en Sek­toren herzustellen. Die Aktio­nen waren zer­split­tert und ungerichtet. Ver­schiedene Grup­pen weigerten sich, gemein­sam zu laufen und riefen stattdessen zu sep­a­rat­en Demon­stra­tio­nen auf, was das Poten­tial der Mobil­isierun­gen spal­tete. Einige der Community-Führer*innen wiesen extra für die Proteste angereiste als “Außenseiter*innen” ab anstatt den gemein­samen Kampf gegen Polizeige­walt in den Vorder­grund zu stellen.

Der Man­gel an Koor­di­na­tion und der Wider­wille, eine pro­le­tarische Ein­heits­front auszu­rufen, erwiesen sich als schädlich für das poli­tis­che Poten­tial des Auf­s­tands, der schnell von den sym­bol­is­chen Zugeständ­nis­sen des Staates geschwächt wurde. Eine solche Front wäre ein Schritt hin zum gemein­samen Kampf der Lohn­ab­hängi­gen ver­schieden­er Sek­toren gegen Polizeige­walt. Dies sind nicht ein­fach organ­isatorische oder tak­tis­che Prob­leme. Die Ablehnung ein­er Ein­heits­front gegen staatliche Repres­sion und Ras­sis­mus ver­leugnet eine rev­o­lu­tionäre strate­gis­che Per­spek­tive.

Vere­inzelt gab es jedoch Beispiele des organ­isierten pro­le­tarischen Wider­standes gegen Polizeige­walt. Am 1. Mai 2015 legte die ILWU Local 10 den Hafen von Oak­land lahm. Nach dem Tod von Fred­die Gray mobil­isierte die Gew­erkschaft Unite Here Local 7 ihre Mit­glieder für mehrere Tage zu den Protesten. Später im Som­mer ver­ab­schiede­ten Studierende und Lehrkör­p­er der vere­inigten Automobilarbeiter*innen eine Res­o­lu­tion, die die AFL-CIO auf­fordert, die Beziehung zur inter­na­tionalen Vere­ini­gung der Polizeigew­erkschaften abzubrechen. Die Res­o­lu­tion besagt, dass Polizeigew­erkschaften “der Polizei erlauben, sich als Teil der Arbeiter*innenklasse auszugeben und die Rolle der Polizei bei der Aus­führung von Ras­sis­mus, Kap­i­tal­is­mus, Kolo­nial­is­mus [und] Unter­drück­ung ver­schleiern.” Dies alles sind Meth­o­d­en für Arbeiter*innen, den Kampf gegen Polizeige­walt an ihren Arbeit­splätzen auszu­tra­gen.

Eine junge Bewegung in einer Sackgasse

BLM ist die dynamis­chste poli­tis­che Bewe­gung, die es in den USA zur Zeit gibt. Frauen, Jugendliche und LGBT organ­isierend, haben sich Men­schen der Polizei und den kap­i­tal­is­tis­chen Politiker*innen angenom­men und das Ende des sys­tem­a­tis­chen Ras­sis­mus gefordert. Die BLM-Bewe­gung hat einige Politiker*innen der Bour­geoisie gezwun­gen zu han­deln. Das Unter­brechen von Kundge­bun­gen zu den Präsi­dentschaftswahlen, das Lahm­le­gen von Free­ways, und Beset­zun­gen haben die lokale Polizei bee­in­flusst; untyp­is­cher­weise klagten Staat­san­wälte Polizist*innen an, Polizeichef*innen und gewählte Amtsträger*innen trat­en zurück; das Jus­tizmin­is­teri­um hat (nut­zlose, aber stark öffentlichkeitswirk­same) Ermit­tlun­gen begonnen. BLM hat der massen­haften Ver­haf­tung und Frei­heits­ber­aubung von Peo­ple of Col­or inter­na­tionale Aufmerk­samkeit ver­schafft.

Hochgr­a­dig impul­siv und poli­tisch het­ero­gen, hat die Bewe­gung die Ten­denz gezeigt, dem Druck zweier, sich über­schnei­den­der Ide­olo­gien zu erliegen: Schwarz­er Nation­al­is­mus und Reformis­mus.

BLM ist ein dezen­trales Net­zw­erk, mit Sek­tio­nen, die in ihrem Charak­ter und in der Prax­is autonom sind. Im ganzen Land wer­den einige poli­tis­che Mei­n­ungsver­schieden­heit­en artikuliert. Einige Sek­tio­nen haben behauptet, die Organ­i­sa­tion würde koop­tiert wer­den, jedoch hat keine dieser Grup­pierun­gen ein Pro­gramm her­vorge­bracht, dass die poli­tis­chen Dif­feren­zen skizziert, oder eine wirk­liche Alter­na­tive vorgeschla­gen.

Vorherrschende Ten­den­zen des Schwarzen Nation­al­is­mus sind nicht mehr an die Idee von Sezes­sion oder einem eige­nen Staat gebun­den, jedoch an die sozio-kul­turelle “Sezes­sion” Schwarz­er Men­schen. Schwarz­er Nation­al­is­mus drückt sich in dem Ruf nach Schwarz­er Führung, dem Ende von White Suprema­cy, größer­er Gle­ich­heit, dem Zugang zu Schulen und dem Ende der Polizeige­walt aus.

Trotz der mil­i­tan­ten Geschichte Schwarz­er Men­schen unter dem Ban­ner des Schwarzen Nation­al­is­mus, vor allem der Black Pan­thers, hat die Entwick­lung dieser Ten­den­zen zu ein­er klassenkol­lab­o­ra­tionis­tis­chen Antwort auf anti-schwarzen Ras­sis­mus geführt. Diese Per­spek­tive kann keine Kri­tik der “Schwarzen Elite” liefern, die machtvolle Posi­tio­nen (poli­tisch oder ökonomisch) erre­icht hat; tat­säch­lich feiern einige Schwarze Nationalist*innen diese Elite.

Reformis­mus, der sich selb­st oft in ver­schiede­nen For­men von Nation­al­is­mus aus­drückt, hat genug Aus­druck in der Black Lives Mat­ter-Bewe­gung gefun­den. Er wird von Ver­trauen in die kap­i­tal­is­tis­chen Insti­tu­tio­nen geleit­et und an den Glauben eines san­ften Über­gangs in die “freie Gesellschaft”; er nährt die Illu­sion, dass stufen­weise Refor­men eine freie und demokratis­che Gesellschaft erre­ichen kön­nen.

Eine Gen­er­a­tion Schwarz­er Aktivist*innen pflastert den Weg für Insti­tu­tion­al­isierung, direkt auf einen der haupt­säch­lichen “Schützen­gräben” des amerikanis­chen Kap­i­tal­is­mus zu; — mit Gram­scis Worten — den gemein­nützi­gen Sek­tor. Eine Ten­denz in Rich­tung Eingliederung, soziales Unternehmer*innentum und pro­fes­sionellem Aktivis­mus durch­dringt die nationale BLM-Leitung. Des Weit­eren haben sich viele Führer*innen von BLM für Präsidentschaftskandidat*innen aus­ge­sprochen um Ras­sis­mus zu adressieren. Während sie ein sub­ver­sives oder radikales Auftreten präsen­tieren, ver­suchen diese promi­nen­ten Aktivist*innen in der Prax­is, bour­geoise Politiker*innen nach links zu rück­en — oder sog­ar diese Politiker*innen zu wer­den. Der bekan­nte BLM-Aktivist DeR­ay McKesson stellte sich April 2016 in Bal­ti­more als Bürg­er­meis­ter zur Wahl. Er bekam drei Prozent der Stim­men und erre­ichte den sech­sten Platz. Es war das erste Mal, dass eine bekan­nte Per­son der BLM-Bewe­gung für ein Amt kan­di­dierte. McKessons Kam­pagne repräsen­tierte im Grunde den recht­en Flügel der het­ero­ge­nen Bewe­gung. Eine Woche, bevor er seine Pläne zu kan­di­dieren bekan­nt machte, traf er sich mit Oba­ma.

Die Polizei reformieren oder das System zerstören

Einige Aktivist*innen befür­worten die Ein­set­zung Schwarz­er (oder “Pro-Schwarz­er”) bour­geois­er Politiker*innen. Sie geben Empfehlun­gen für Kör­perkam­eras, kul­turelle Sen­si­bil­itäts-Train­ings, “Com­mu­ni­ty-Con­trol” und organ­isieren Cop­watch gegen Polizeige­walt. Das alles ist langfristig schädlich, da so der Hass der Men­schen gegen das Sys­tem insti­tu­tion­al­isiert und auf reformistis­che Bah­nen gelenkt wird, und das Ver­trauen in die Herrschen­den und das juris­tis­che Sys­tem der Bour­geoisie gestärkt wird.

Seit sich in den 1820ern pro­fes­sionelle Polizeiar­beit entwick­elt hat, ist die primäre Auf­gabe, “gefährliche Klassen” zu kon­trol­lieren: Streiks und Block­aden zer­schla­gen, sozial und poli­tisch “Abwe­ichende” zu ver­haften. Radikale, Schwarze, Migrant*innen, LGBT-Men­schen, Arme, Obdachlose, und Men­schen mit Behin­derun­gen sind kon­stant das Ziel. Der kap­i­tal­is­tis­che Staat hat ein unmissver­ständlich­es Monopol auf den “legit­i­men” Gebrauch von Gewalt. Die Polizei und ihre tödlichen Meth­o­d­en sind dazu konzip­iert, das Pri­vateigen­tum der herrschen­den Klasse zu beschützen; sie existieren, um den sta­tus quo zu sich­ern. Das Gle­iche gilt für Haft- und Strafvollzugsbeamt*innen.

Wie kann die Com­mu­ni­ty die Polizei “kon­trol­lieren”, ohne deren Her­ren, die Kapitalist*innenklasse, auszulöschen und die Gesellschaft zu kon­trol­lieren? Wie kann die Com­mu­ni­ty die Polizei kon­trol­lieren ohne den Staat zu zer­stören?

Kap­i­tal­is­tis­che Regime nutzen und schüren Ras­sis­mus um die Arbeiter*innen zu spal­ten und in bes­timmten Sek­toren die Über-Aus­beu­tung möglich zu machen. Wie been­den wir Ras­sis­mus, angetrieben vom Kap­i­tal­is­mus, wenn wir keinen Wider­stand gegen Kap­i­tal­is­mus und die Bour­geoisie und ihre poli­tis­chen Parteien organ­isieren?

Reformis­mus wider­spricht der Real­ität. Die Klasse der Kapitalist*innen wird die Macht und die materielle Basis der Pro­duk­tion niemals für Fortschritt, Demokratie und bessere Lebens­be­din­gun­gen an die Arbei­t­en­den und die Unter­drück­ten abgeben.

Die Polizei ist der Feind der Arbeiter*innenklasse. Sog­ar wenn Schwarze Män­ner und Frauen kalt­blütig von der Polizei ermordet wer­den, sog­ar nach­dem die Vere­inigten Staat­en eine Radikalisierung und einen mas­siv­en Auf­s­tand von Men­schen gegen ras­sis­tis­che Kon­trollen und Polizeige­walt erlebt haben, hal­ten einige “pro­gres­sive” und sog­ar sozial­is­tis­che Organ­i­sa­tio­nen an der falschen Vorstel­lung fest, dass die Polizei kollek­tiv ein Teil der Arbeiter*innenklasse wäre.

Einige sagen, die Polizei würde irgend­wann ihre Rolle als Streikbrecher*innen, Repressor*innen und ras­sis­tis­che Mörder*innen able­gen, und stattdessen ihren Klas­sen­geschwis­tern im Kampf gegen die kap­i­tal­is­tis­chen Herrscher*innen beis­te­hen. In ein­er rev­o­lu­tionären Sit­u­a­tion, wenn der Klassenkampf die Form eines Bürger*innenkrieges angenom­men hat, und gegen­seit­ige Angriffe eröffnet wer­den, ist es möglich, dass einige indi­vidu­elle Polizeibeamt*innen ihre Posten aufgeben und sich der Arbeiter*innenklasse anschließen. Jedoch wird die Polizei an sich auf der Seite der Kapitalist*innen sein, wie sie es immer gewe­sen ist. Ohne rev­o­lu­tionären Kon­text geäußert, bleibt die Idee, die Polizei kön­nte auf der Seite der Arbeiter*innenklasse kämpfen, eine vol­lkom­men fan­tastis­che Vorstel­lung.

Die zen­trale Forderung der stal­in­is­tis­chen Work­ers World Par­ty nach Kon­trolle der Polizei durch die Com­mu­ni­ty ver­rät ihren zutief­st reformistis­chen Charak­ter. Auf gle­iche Weise ist das Drän­gen der Social­ist Alter­na­tive auf gew­erkschaftliche Organ­isierung der Polizei kom­plett falsch. Polizeigew­erkschaften haben sich nur für reak­tionäre Geset­ze, welche die Straf­frei­heit der Beamt*innen und die willkür­liche Anwen­dung von Gewalt fordern, stark gemacht.

Aufgaben und die Rolle der Linken

Schwarze Arbeiter*innen — gemein­sam mit migrantis­chen Arbeiter*innen — gehören zu den am stärk­sten aus­ge­beuteten Schicht­en der Arbeiter*innenklasse der Vere­inigten Staat­en. Auf­grund der Tat­sache, dass sie dem dop­pel­ten Joch von Ras­sis­mus und kap­i­tal­is­tis­ch­er Aus­beu­tung aus­ge­set­zt sind, haben sie das Poten­tial, länger, härter, und mit mehr Entschlossen­heit zu kämpfen. Dementsprechend sind Schwarze und Arbeiter*innen aus Min­der­heit­en unverzicht­bar­er Bestandteil jed­er linken Organ­i­sa­tion mit ern­sthaftem rev­o­lu­tionären Anspruch.

Die Linke kann das Ver­trauen der Jugend, Peo­ple of Col­or, Arbeiter*innen und Aktivist*innen gewin­nen, wenn sie Schul­ter an Schul­ter auf den Straßen gemein­sam mit ihnen kämpft und ein rev­o­lu­tionäres Pro­gramm für das Ende der Polizeige­walt anbi­eten kann. Ein pro­gres­siv­er Schritt dafür, eine rev­o­lu­tionäre Partei aufzubauen, wäre die Bil­dung ein­er Arbeiter*inneneinheitsfront, die erfol­gre­ich gegen Polizeige­walt kämpfen kann.

Dieser Artikel auf Left Voice.

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