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Ein Brief der Fahrer*innen fordert radikale Veränderungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)

In einem Brief an die BVG-Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta und die Geschäftsführerin der Berlin Transport GmbH (BT), Sylke Winter, kritisieren bereits mehr als hundert Beschäftigte des Berliner Nahverkehrs, organisiert bei verschiedenen Gewerkschaften oder unorganisiert, die unhaltbaren Zustände im Berliner ÖPNV. Wir spiegeln die Pressemitteilung der gwerkschaftlichen Basisgruppe ver.di aktiv.

Ein Brief der Fahrer*innen fordert radikale Veränderungen bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG)

Die wach­sende Liste der bere­its über hun­dert Verkehrsarbeiter*innen — zumeist Fahrer*innen — weisen auf die schlecht­en Löhne und Arbeits­be­din­gun­gen hin und fordern ein Ende der Spal­tung der Belegschaft.

Lothar Erich Kurth, ehe­ma­liger BT-Betrieb­srat und ehe­ma­liger Vor­sitzen­der der ver.di-Betriebsgruppe bei der BT erk­lärt:

Bei der BT GmbH han­delt es sich um ein Out­sourc­ing-Pro­jekt der BVG, das bere­its unter dem schwarz-roten Sen­at durchge­führt wurde. Wie in vie­len anderen Betrieben der öffentlichen Daseinsvor­sorge im Ver­ant­wor­tungs­bere­ich des Lan­des Berlin, ging es darum, den damals gülti­gen Tar­ifver­trag zu unter­laufen.
Ab 2005 wur­den dann die die Löhne und Arbeits­be­din­gun­gen für alle Beschäftigten ver­schlechtert, mit Ein­führung des Absenkungstar­ifver­trags TV‑N Berlin bei BVG und BT unter dem rot-roten Sen­at. Diese bei­den von der Poli­tik geleit­eten Angriffe auf die Belegschaft und die gesamte Spar­poli­tik sind der Grund für die des­o­late Sit­u­a­tion bei der BVG.

Erdoğan Kaya, Bus­fahrer und zudem Mit­glied des ver.di Gew­erkschaft­srats und der BVG-Tar­ifkomis­sion, ergänzt:

Der TV‑N Berlin läuft zum Ende des Jahres aus.
Fakt ist: die Erwartung für radikale Verän­derun­gen ist sehr groß. Wenn bei den Arbeits­be­din­gun­gen und bei der Bezahlung keine Verbesserun­gen erzielt wer­den, dann sieht es für die BVG nicht gut aus.

“Eine sofort umzuset­zende Maß­nahme ist die Über­nahme aller BT-Fahrer*innen in die BVG”, sagt Lothar Erich Kurth, der an den Ver­hand­lun­gen beteiligt war, die 2014 zum Über­gang aller BT-Straßenbahnfahrer*innen zur BVG führten. “Die Poli­tik ste­ht in der Ver­ant­wor­tung, das beschäftigten­feindliche Pro­vi­so­ri­um BT nach 18 Jahren endlich abzuwick­eln.”

„Es fehlt über­all an Mate­r­i­al und Per­son­al“, sagt Aimo Tügel, als soge­nan­nter Neubeschäftigter Zug­fahrer bei der U‑Bahn,

Es find­en sich kaum Leute, die bere­it sind, unter den herrschen­den Bedin­gun­gen Busse, U- und Straßen­bah­nen zu fahren. In anderen Bere­ichen sieht es nicht viel anders aus. Die weni­gen Zugänge wiegen die Abgänge nicht auf. Unter den Ver­hält­nis­sen von ‘TV-Niedriglohn’ und der entsprechen­den Behand­lung der Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er, ergreifen viele die erste Gele­gen­heit zur Flucht.

“Die BVG wirbt heute mit dem Titel ‘Top Employ­er’ und dem ‘Beruf-und-Familie’-Zertifikat, aber in Wirk­lichkeit hat sie nicht viel Liebe für uns und unsere Fam­i­lien übrig. Wir alten BVGer wis­sen, dass das mal anders war. Die jün­geren Kol­legin­nen und Kol­le­gen hal­ten so manchen wahrschein­lich schon für leicht senil, wenn man erzählt, was BVB und BVG mal geboten haben. Was seit den Neun­zigern hier zer­stört wor­den ist, das ist kaum vorstell­bar.” sagt Wolf­gang Wendt, Bus­fahrer aus Licht­en­berg.

Mit dem Brief fordert die Basis eine Auseinan­der­set­zung um die Ret­tung des Berlin­er Nahverkehrs ein. “Die BVG, seit 1994 entsprechend dem neolib­eralen Zeit­geist von einem Eigen­be­trieb in eine Anstalt öffentlichen Rechts umge­wan­delt, hat seit­dem Kurs auf den Prell­bock genom­men. Wenn die Weichen jet­zt nicht anders gestellt wer­den, ent­gleist der Berlin­er Vorzeige­be­trieb mit voller Fahrt. Und das geht nicht ohne Schä­den an der Umge­bung.” sagt Aimo Tügel, “Uns geht es nicht um Sta­tis­tiken und schicke Präsen­ta­tio­nen son­dern um die Mobil­ität der Berlin­er Bevölkerung.”

“Unsere Prob­leme spiegeln die Prob­leme viel­er Arbei­t­erin­nen und Arbeit­er in Deutsch­land,” sagt Erdoğan Kaya, “unsere Parolen sind ein­fach zu ver­ste­hen: ‘Gle­ich­er Lohn für gle­iche Arbeit!’ ‘Ein Betrieb — eine Belegschaft!’ und ‘Ret­tet unseren Nahverkehr!’ ”

Lothar Erich Kurth macht deut­lich:

Das BVG-Man­age­ment hat auf die Brand­briefe von Seit­en der Per­son­al­räte mit ein­er voll­ständig nach außen gerichteten PR-Strate­gie reagiert, die offen­bar — und wom­öglich zurecht — die eige­nen Beschäftigten als Adres­sat­en schon abgeschrieben hat. Doch die schicke Fas­sade hil­ft den Fahrgästen und uns Beschäftigten kein biss­chen. Unser Brief sagt: Uns Mal­ochern reicht es ent­gültig. Deswe­gen wächst die Liste der Unter­schriften jeden Tag.

Für Rück­fra­gen und Anfra­gen kon­tak­tieren Sie uns gerne:

Basis­gew­erkschafts­gruppe ver.di aktiv,
verdi.aktiv@gmail.com
0151 5949 0077

Lothar Erich Kurt, z.Zt. Bahn­hofs­be­treuer, ehem. Zug­fahrer und Ver­trauensmann,
lotharsolidaritaet@gmx.de
0157 7791 2749

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Wir ver­weisen als Basis­gruppe ver.di aktiv natür­lich für Infor­ma­tio­nen zu den Zustän­den bei der BVG auch auf unsere “Offiziellen”:

Mirko Köp­ke, ver.di-Betriebsgruppensprecher,
Mirko.Koepke@bvg.de

Jere­my Arndt, für die BVG zuständi­ger ver.di-Gewerkschaftssekretär,
Jeremy.Arndt@verdi.de
030 8866 5500
0170 579 0403

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