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Die Welt tratscht über Trump und Bannon — Die Angriffe der Bourgeoise gehen unbemerkt weiter

Das neue Buch "Fire and Fury" von Michael Wolff, ist eingeschlagen wie eine Bombe. Doch Grund dafür ist nicht die Empörung über unerwartete Enthüllungen, sondern Sensationsgelüste. Das Nützt am Ende vor allem Trump und den Kapitalinteressen, die er vertritt.

Die Welt tratscht über Trump und Bannon - Die Angriffe der Bourgeoise gehen unbemerkt weiter

Wieder ein­mal ist Trump in aller Munde. Dies­mal geht es um das neue Buch vom Jour­nal­is­ten Michael Wolff, der sich lange Zeit im Umfeld von Trumps Regierungsstabs bewegte. Das Buch ver­spricht uns intime Ein­blicke hin­ter die Kulis­sen des Weißen Haus­es, gehäs­sige Zitate, dreck­ige Macht­spiele und die Ent­blößung Trumps als naives, trotziges, selb­stver­liebtes Kleinkind.

Immer mehr vom Selben

Das Buch ver­fol­gt dabei keines­falls das Ziel der Aufk­lärung, der Enthül­lung von schock­ieren­den Fak­ten die den Diskurs über Trumps Präsi­dentschaft radikal verän­dern oder den Men­schen die Augen zu öff­nen. Denn wer es nach einem Jahr Trump, seinen wirren Reden, in denen er sich gerne mehrmals selb­st wider­spricht, belei­digten Tweets, über­stürzten und impul­siv­en Entschei­dun­gen, öffentlichen Schlamm­schlacht­en und Skan­dalen, noch nicht begrif­f­en hat, dass Trump ein trotziger, wankelmütiger, selb­stver­liebter Clown ist, gegen dessen Stim­mungss­chwankun­gen auch sein eng­stes Umfeld nicht gewapp­net ist, ist entwed­er blind oder hoff­nungs­los Fake-News Ver­schwörungs­the­o­rien ver­fall­en. All das wis­sen wir also bere­its. Das Buch gibt uns nur mehr vom gle­ichen. Mehr schmutzige Zitate, mehr Machtkämpfe, mehr Pein­lichkeit­en. Es befriedigt nicht das Bedürf­nis nach Aufk­lärung, son­dern nach Klatsch, Tratsch und Skan­dalen. Und damit schlägt es ein wie eine Bombe.

Die Trump Präsi­dentschaft ist zu ein­er Soap-Opera, zu ein­er Real­i­ty-Show gewor­den. Der poli­tis­che Skan­dal Trump, ist zum per­sön­lichen Skan­dal Trump gewor­den. Im Vorder­grund ste­ht der men­schliche Abgrund von Lügen, Intri­gen und Unfähigkeit, während der poli­tis­che Abgrund von Mark­tlib­er­al­isierung, Umwelt­sün­den, Ras­sis­mus und Frauen­feindlichkeit in den Hin­ter­grund tritt. Es ist ein Mech­a­nis­mus der Ablenkung. Wir kön­nen uns Trump und seinem ganzen Gefolge men­schlich über­legen fühlen, wenn wir uns im dreck­i­gen Schlamm­bad suhlen, das sich Weißes Haus nen­nt. Und darüber vergessen wir für einen Moment den Hor­ror und das Elend, welch­es die Präsi­dentschaft Trump für das Leben von Mil­lio­nen von Men­schen bringt und brin­gen wird. Ähn­lich wie wir gerne über die neue Beziehungskrise von Pro­mi XY herziehen, nur um uns einen Moment dieser dem All­t­ag entrück­ten Per­son über­legen zu fühlen.

Diese Ten­denz in der Berichter­stat­tung über Trump ist nicht neu. Sie wird ermöglicht durch Trumps exzen­trisches und öffentlichkeitswirk­sames Han­deln, wird bere­itwillig von den Medi­en aufgenom­men und von den frus­tri­erten, rat­losen Men­schen begierig kon­sum­iert. “Fire and Fury” bildet damit nur den aktuellen Höhep­unkt dieser Entwick­lung.

Doch ein Diskurs, der sich auf die Unfähigkeit Trumps fokussiert, hil­ft am Ende nur Trump selb­st. Und vor allem den­jeni­gen, die es hin­ter den großen Egotrip-Pro­jek­ten und Stim­mungss­chwankun­gen schaf­fen, unbe­merkt ihre Inter­essen bedi­ent zu sehen.

Abseits des Scheinwerferlichts

In diesen Tagen, während die ganze Welt über die Lästereien von Trumps „Chef­s­trate­gen“ Steve Ban­non spricht, wer­den Reg­ulierun­gen bei Frack­ing und Off­shore-Förderung gestrichen, Berg­baulizen­zen in Naturschutzge­bi­et­snähe für den Ver­mi­eter von Ivan­ka Trump ver­längert, Sank­tio­nen für Alter­sheime abgeschafft, die die Unversehrtheit der Bewohn­er leicht­fer­tig aufs Spiel set­zen, die Jus­tiz umgekrem­pelt und für Jahrzehnte auf einen Kon­ser­v­a­tiv­en Kurs geset­zt. Die Min­is­te­rien arbeit­en immer mehr unter Auss­chluss der Öffentlichkeit und ver­schreiben sich der Klien­telpoli­tik.

Dieser poli­tis­che Abgrund ist es, der eine bre­ite Öffentlichkeit ver­di­ent, gegen den es bre­it­en Wider­stand zu organ­isieren gilt. Trump und sein Umfeld sind sowohl das bere­itwillige Organ für die Umset­zung solch­er Inter­essen, als auch ein spek­takulär­er Zirkus, der wie bei einem guten Zauber­trick alle Augen auf sich zieht, weg von den eigentlichen Geschehnis­sen.

Trump ist ein reich­er Ego­mane, der es geschafft hat durch Het­ze, Lügen und der Marke Trump, Hoff­nun­gen des Wan­dels in vom Großkap­i­tal aufgescheucht­en Kleinbürger*innen und ent­täuscht­en Arbeiter*innen zu weck­en. Er hat Wirtschaftssek­toren gefun­den die in seinen vagen Wahlver­sprechen, Chan­cen für sich sahen und ihm ihre Unter­stützung sicherten. Nun sitzt er im Weißen Haus, set­zt sich bere­itwillig für seine und andere Kap­i­tal­in­ter­essen ein, ist aber vor allem an seinem Ego inter­essiert. Wir soll­ten nicht den Fehler machen es ihm nachzu­tun. Der Fokus unser­er Aufmerk­samkeit sollte auf dem ver­rot­teten Sys­tem liegen, das ihn ermöglicht hat, und den kap­i­tal­is­tis­chen Inter­essen, die ihn stützen — und nicht auf seinem Ego.

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