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Die U‑Bahn-Fahrer*innen von Buenos Aires streiken gegen Repression

Nach einem einmonatigen Kampf griff die militarisierte Polizei gegen streikende Arbeiter*innen der U-Bahn im Tunnel hart durch und verhaftete 16 von ihnen. Als Reaktion auf die Repression der Regierung forderten die Arbeiter*innen der U-Bahn einen unbefristeten, stadtweiten Streik im öffentlichen Nahverkehr, bis ihre Kolleg*innen aus dem Gefängnis entlassen werden.

Die U-Bahn-Fahrer*innen von Buenos Aires streiken gegen Repression

Nach einem ein­monati­gen Kampf der Arbeiter*innen der U‑Bahn von Buenos Aires gegen Spar­maß­nah­men und galop­pierende Infla­tion wurde am 22. Mai die mil­i­tarisierte Polizei angewiesen, gegen die Arbeiter*innen vorzuge­hen. 16 Arbeiter*innen der Aso­ciación Gremi­al de Tra­ba­jadores del Sub­ter­rá­neo y Premetro (AGTSP/Arbeiter*innenvereinigung der U- und Stadt­bahn) wur­den ver­haftet, wobei es zu eini­gen Ver­let­zun­gen kam. Als Reak­tion auf die Repres­sion der Regierung forderten die Arbeiter*innen der U‑Bahn einen unbe­fris­teten, stadtweit­en Streik im öffentlichen Nahverkehr, bis ihre Kolleg*innen aus dem Gefäng­nis ent­lassen wer­den. Die Lehrer*innen in Buenos Aires haben einen Sol­i­dar­itätsstreik angekündigt. Die inhaftierten Arbeiter*innen brauchen drin­gend inter­na­tionale Sol­i­dar­ität!

Hintergrund

Der Arbeit­skampf find­et im Zusam­men­hang mit der galop­pieren­den Infla­tion und dem starken Preisanstieg für Ver­sorgungsleis­tun­gen (Strom, Wass­er, Gas usw.) und der Erhöhung der Fahrpreise statt, was wiederum die Real­löhne der Arbeiter*innen sinken lässt. Die Regierung hat sich ein jährlich­es Infla­tion­sziel von 15 Prozent geset­zt und ist entschlossen, die Lohn­er­höhun­gen zu begren­zen — aus­ge­han­delt durch nationale Tar­ifver­hand­lun­gen in der Indus­trie. Dies ist ein Ver­such, die Real­löhne der Arbeiter*innen zu senken, da die geschätzte Infla­tion über 25 Prozent liegt.

Der Kampf der Arbeiter*innen muss auch im Zusam­men­hang mit dem Antrag der Macri-Regierung auf ein Dar­lehen vom Inter­na­tionalen Währungs­fond (IWF) in Höhe von 30 Mil­liar­den Dol­lar ver­standen wer­den, das dazu dienen soll, dem Man­gel an Liq­uid­ität und aus­ländis­chen Investi­tio­nen zu begeg­nen. Inmit­ten der Kap­i­talflucht wurde der Peso (Währung in Argen­tinien) in den let­zten Wochen um 20 Prozent abgew­ertet. Obwohl die Bedin­gun­gen des vorgeschla­ge­nen Abkom­mens mit dem IWF über das Dar­lehen ver­schwiegen wur­den, ist all­ge­mein bekan­nt, dass der IWF Spar­maß­nah­men und ein Ein­frieren der Gehäl­ter als Gegen­leis­tung für Dar­lehen fordert. Macris Regierung wiederum wird ver­suchen, die Spar­maß­nah­men durch Repres­sion durchzuset­zen.

Der Kampf eskaliert

Der Kon­flikt zwis­chen den mil­i­tan­ten Arbeiter*innen der U‑Bahn und der Regierung ist im let­zten Monat eskaliert. Die Gew­erkschaft AGTSP hat ver­schiedene Tak­tiken ange­wandt, um Angrif­f­en auf ihren Lebens­stan­dard zu wider­ste­hen, und sich um öffentliche Unter­stützung für ihr Anliegen in der bre­it­eren Arbeiter*innenklasse bemüht. Eine Maß­nahme war der “Fahrgeld­streik“, der es den Fahrgästen erlaubte, die U‑Bahn zu besteigen, ohne zu bezahlen. Die Regierung antwortete mit staatlich­er Ver­fol­gung und Aussper­run­gen.

Die Arbeiter*innen organ­isierten dann eine Rei­he von kurzen U‑Bahn-Streiks, die eine begren­zte Anzahl von U‑Bahn-Lin­ien betrafen. Am Mon­tag, dem 21. Mai, war der Streik zwis­chen 7.00 und 12.00 Uhr in den H- und E‑Linien geplant. Erneut beschloss die Regierung, die Forderung der Arbeiter*innen zu ignori­eren und schick­te die Polizei. Die Arbeiter*innen beset­zten einen Eisen­bah­n­tun­nel, bis die Polizei sie mit Trä­nen­gas und Gum­migeschossen unter­drück­te und 16 Arbeiter*innen, darunter sieben Gewerkschaftsführer*innen, fes­t­nahm.

Ein Streik gegen Repressionen

Auf die Repres­sion durch Polizei reagierten die Arbeiter*innen mit ein­er voll­ständi­gen Schließung aller U‑Bahn-Lin­ien von Buenos Aires, bis die inhaftierten Arbeiter*innen freige­lassen wer­den. Clau­dio Del­le­car­bonara, ein gewählter Delegiert­er der B‑Linie und Mit­glied des Exeku­tivor­gans der U‑Bahn-Gew­erkschaft, sowie sozial­is­tis­ch­er Kämpfer der PTS (Partei der Sozial­is­tis­chen Arbeiter*innen), kündigte von seinem Twit­ter-Account an, dass alle U‑Bahn-Lin­ien ab Mit­tag bestreikt wer­den wür­den.
“Ver­leug­nung, Sank­tio­nen, Fahrpreis­er­höhun­gen, Unter­drück­ung, Ver­haf­tun­gen und mehr. Wir, die Arbeiter*innen der U‑Bahn, kön­nen keine Angriffe mehr zulassen”, schrieb Del­le­car­bonara auf Twit­ter und rief zur Sol­i­dar­ität auf.

Es ist unklar, wie weit die Regierung­sof­fen­sive gegen die Rechte der Arbeiter*innen gehen wird und wie lange der Streik andauern wird. Die Sol­i­dar­ität der Arbeiter*innen ist entschei­dend, um die Angriffe der Regierung zu stop­pen. Seit dem Beginn des Streiks gegen die Repres­sion am Mit­tag haben mehrere Gew­erkschaften und Arbeiter*innenassoziationen ihre Sol­i­dar­ität zum Aus­druck gebracht. Lehrer*innen in der Stadt Buenos Aires riefen zum Sol­i­dar­itätsstreik auf, um den Arbeiter*innen der U‑Bahn beizuste­hen.

Die 16 Arbeiter*innen wur­den am späten Dien­stag aus dem Gefäng­nis ent­lassen. Am Mittwoch, dem 23. Mai, set­zten die Arbeiter*innen der U‑Bahn den Protest fort und öffneten die Tore aller U‑Bahn-Lin­ien.

Der Artikel erschien zuerst auf Left Voice.

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