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Die Solidarität der Lehrer hat keine Grenzen: Ein Brief von Mexiko nach Arizona

Arturo Méndez, ein Lehrer aus Mexiko-Stadt, schreibt einen Unterstützungsbrief an die Tausende von Lehrer*innen, die in Arizona in den Streik getreten sind.

Die Solidarität der Lehrer hat keine Grenzen: Ein Brief von Mexiko nach Arizona

Liebe Lehrer*innen in Ari­zona,


Ich bin Geschicht­slehrer in Mexiko-Stadt und schreibe, um Euch zu beglück­wün­schen und Sol­i­dar­ität in Eurem wichti­gen Kampf für öffentliche Bil­dung zu senden. Von Mexiko aus habe ich erwartungsvoll beobachtet, wie ihr Euch, die Lehrer*innen der USA, in West Vir­ginia, Okla­homa, Ken­tucky und jet­zt in Ari­zona und Col­orado zu mobil­isieren begin­nt.



Ich weiß, wie es ist, mit weni­gen Mit­teln zu unter­richt­en. Wie Ihr, mache ich es jeden Tag. Ich weiß auch, wie es ist, sich zu mobil­isieren, wenn man weiß, dass der Kampf nicht nur für einen selb­st, son­dern auch für seine Schüler*innen und ihre hart arbei­t­en­den Fam­i­lien ist, weil man weiß, dass sie mehr ver­di­enen. Als Lehrer*innen ver­di­enen wir auch mehr.



Seit 2013 haben inter­na­tionale Organ­i­sa­tio­nen, wie der IWF und die Welt­bank Bil­dungsre­for­men erzwun­gen. Es geschah in 120 Län­dern, ein­schließlich Mexiko. Diese “Refor­men” haben uns unsere Rechte als Lehrer*innen genom­men und uns gezwun­gen, unbezahlte Über­stun­den zu leis­ten. Es öffnete der Pri­vatisierung des Bil­dungssys­tems Tür und Tor, und heute ver­di­enen viele Pri­vatun­ternehmen viel Geld mit Bil­dung. Präsi­dent Peña Nieto und die großen mexikanis­chen poli­tis­chen Parteien haben diese “Refor­men” gebil­ligt und uns aufgezwun­gen. Die Gew­erkschafts­führung schienen bere­it zu sein, ihnen zu helfen, diese Geset­ze zu ver­ab­schieden, anstatt mit uns für unsere Rechte zu kämpfen.



Wir wis­sen, dass Sie, die Lehrer*innen auf der anderen Seite der Gren­ze, auch gese­hen haben, wie Regierun­gen der öffentlichen Bil­dung die Mit­tel kürzen und die Reichen begün­sti­gen. Sie geben den Reichen Steuersenkun­gen, während Lehrer*innen zwei oder drei Jobs haben müssen, nur um über die Run­den zu kom­men. Wir wis­sen, dass es in Ari­zona viele mexikanis­che Studierende gibt, aber dass die Regierun­gen auf bei­den Seit­en der Gren­ze nicht die qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Aus­bil­dung anbi­eten, die Kinder ver­di­enen.

Wie Ihr kämpfen wir für mehr Geld für die Bil­dung, höhere Gehäl­ter und bessere Arbeits­be­din­gun­gen, weil wir wollen, dass die Kinder der beruf­stäti­gen Men­schen eine qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Aus­bil­dung erhal­ten. In Mexiko wird es für Lehrer*innen immer selb­stver­ständlich­er, sich zu organ­isieren und auf die Straße zu gehen. In den Jahren 2013 und 2016 haben wir uns gegen die Bil­dungsre­form gewehrt. Aus diesen harten Kämpfen haben wir gel­ernt, dass wir Sol­i­dar­ität mit anderen Sek­toren der Arbeiter*innenbewegung, mit Mit­gliedern unser­er Gemein­schaften und sozialen Bewe­gun­gen suchen müssen. Wenn wir isoliert blieben, kon­nten wir unsere Forderun­gen nicht durch­set­zen.

Wir hof­fen, dass wir durch diese Erfahrung die zukün­fti­gen Bildungs“reformen” besiegen und die Möglichkeit bekom­men wer­den, unseren Schüler*innenn eine qual­i­ta­tiv hochw­er­tige Aus­bil­dung zu bieten. Deshalb möchte ich diese Nachricht an Euch weit­ergeben. Aus der Ferne scheint es, dass Eure besten Ver­bün­de­ten die Jugendlichen sind, die gegen Waf­fenge­walt mobil­isieren, die Black Lives Matter-Aktivist*innen, die gegen Polizeige­walt auf die Straße gehen, die Frauen­be­we­gung und die Bewe­gung der Migrant*innen, die gegen Abschiebun­gen und die Mil­i­tarisierung der Gren­ze zwis­chen unseren Län­dern kämpfen. Die Regierung ist mächtig und sie wird die Steuern für die Reichen nicht erhöhen, wenn sie nicht durch große Mobil­isierun­gen, mit dem Ziel zu kämpfen, dazu gezwun­gen wird. Du brauchst diese Allianzen, um zu gewin­nen.

Obwohl ich noch jung bin und die mas­siv­en und tri­umphalen Kämpfe, über die ich in Geschichts­büch­ern gele­sen habe, nicht erlebt habe, habe ich einige Lek­tio­nen aus der Geschichte gel­ernt. Ich habe gel­ernt, dass wir Arbeiter*innen sehr mächtig sein kön­nen, wenn wir vere­int sind. Ich weiß auch, dass die Kämpfe in den reichen Län­dern, wie Ihrem, eine große Hil­fe für diejeni­gen von uns sein kön­nen, die in armen Län­dern Wider­stand leis­ten.

Ich glaube, wenn sich Lehrer*innen in den USA mit ihren Ver­bün­de­ten – den aus­ge­beuteten und unter­drück­te Men­schen aller Art und Nation­al­itäten — vere­inen, kön­nen wir eine unaufhalt­same Kraft sein. Ihr müsst nicht die Pläne der Regierung akzep­tieren, Euch niedrige Löhne zu zahlen oder Ihre Schulen im Elend zu hal­ten. Sie müssen sich nicht mit kleinen Zugeständ­nis­sen beg­nü­gen. Wir kön­nen gewin­nen.

Aus Mexiko-Stadt möchte ich Euch meine tief­ste Sol­i­dar­ität über­mit­teln. Euer Kampf ist unser Kampf. Stärke für unsere Kol­le­gen auf der anderen Seite der Gren­ze!

Arturo Mén­dez, Lehrer, Mexiko-Stadt

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