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Die “Migrant Caravan” erreicht die US-Grenze: Internationale Solidarität jetzt!

Rund 7.000 US-Soldat*innen sollen die „Migrant Caravan“ an der Einwanderung in die USA hindern – fast so viele, wie aktuell in Afghanistan stationiert sind. Sie stellen sich bewaffnet gegen 10.000 Menschen, die vor Armut und Gewalt fliehen. Die ersten 800 haben gestern Nacht bereits den Grenzzaun erreicht.

Die

Unter den Tausenden Men­schen sind viele Frauen, Kinder und alte Men­schen. Sie kom­men vor allem aus Hon­duras, Guatemala und El Sal­vador. Fehlende Jobaus­sicht­en und organ­isierte Gewalt und Repres­sion vom Staat haben sie ver­trieben. An der Gren­ze zu Mexiko mussten sie jedoch wiederum bru­tale Gewalt der mexikanis­chen Polizei erfahren. Aus der Bevölkerung sol­i­darisierten sich jedoch zahlre­iche Men­schen mit den Migrant*innen. Sie spende­ten Klei­dung, Deck­en, Essen und Trinken.

In Mexiko-Stadt protestierten rund 400 Men­schen vor dem Gebäude des UNHCR (“UN-Hochsekre­tari­at für Flüchtlinge”). Sie verurteil­ten dabei die Gewalt an der Gren­ze und forderten Busse für eine sichere Ein­reise in die USA. Diese Busse wur­den ihnen jedoch ver­weigert. Viele ver­suchen nun in kleineren Grup­pen „per Anhal­ter“ die Gren­ze zu erre­ichen. Die Gegen­den, die sie dabei durch­queren, sind jedoch oft kon­trol­liert von Dro­genkartellen und somit beson­ders gefährlich. Bis zu 100 Men­schen sind bere­its ver­schwun­den. Die Weigerung der Regierun­gen, Busse zu stellen, erhöht die Zer­split­terung dabei umso mehr und damit auch die Gefahr von Kid­nap­ping.

Die Entschei­dung, welche Route man ein­schlägt, wurde teil­weise in demokratis­chen Ver­samm­lun­gen getrof­fen. In Mexiko-Stadt gab es sog­ar eine Ver­samm­lung von Frauen, wo über die sich­er­sten Wege und Trans­port­möglichkeit­en für sich und ihre Kinder gesprochen wurde.

Armut und Gewalt in Heimatländern

Die Sit­u­a­tion in Hon­duras, Guatemala und El Sal­vador kommt dabei nicht von unge­fähr. Die USA unter­stützen die Regierun­gen dieser Staat­en zwar aktuell mit Geld und verkaufen das als Hil­fe. Jedoch dient dieses Geld nur dazu, die Repres­sion gegen die Men­schen schon vor Ort zu ver­stärken, damit sie gar nicht erst auf die Idee kom­men, zu fliehen. Beson­ders die Krise von 2008 hat in den Län­dern die Arbeit­slosigkeit in die Höhe getrieben. Die Antwort der Regierun­gen war noch stärkere Angriffe auf die arbei­t­ende und arme Bevölkerung vor Ort.

Diese Poli­tik ist die Fort­set­zung impe­ri­al­is­tis­ch­er Aggres­sion der USA gegenüber den Staat­en Mit­te­lamerikas, in denen die USA in den ver­gan­genen Jahrzehn­ten rechte Putschist*innen finanziert und aus­gerüstet haben, um pro-impe­ri­al­is­tis­che Regierun­gen zu instal­lieren. Die human­itäre Krise, vor der wie heute ste­hen, ist Ergeb­nis der jahrzehn­te­lan­gen Aus­plün­derun­gen der arbei­t­en­den Bevölkerung in diesen Län­dern im Sinne des US-Impe­ri­al­is­mus.

Mexiko ist dabei eines der gefährlich­sten Län­der für Migrant*innen. Polizei und Dro­genkartelle arbeit­en hier oft Hand in Hand. 2010 wur­den dadurch 72 Migrant*innen in San Fer­nan­do ermordet. In Mexiko lei­den Migrant*innen unter extremer Aus­beu­tung, Dro­genkriegen und Mil­i­tarisierung. Die Regierung und die Medi­en schüren dabei Xeno­pho­bie gegen diese Men­schen.

Unterstützung aus Mexiko und den USA

Dage­gen formiert sich jedoch auch Wider­stand. Die Genoss*innen unser­er mexikanis­chen Schwes­t­eror­gan­i­sa­tion MTS rufen derzeit gemein­sam mit unser­er US-Schwes­t­eror­gan­i­sa­tion Left Voice zu poli­tis­ch­er und human­itär­er Unter­stützung auf. Ein­er­seits geht es dabei um Spenden, die den Men­schen vor Ort zu Gute kom­men sollen. Ander­er­seits aber auch darum, ein von der mexikanis­chen Regierung und den Medi­en unab­hängiges Sprachrohr für die tausenden Migrant*innen zu schaf­fen, dass die Gewalt, die Repres­sion und andere Erfahrun­gen öffentlich anprangert.

Auch in den USA gibt es zum Glück nicht nur die xeno­phoben und ras­sis­tis­chen Dro­hun­gen von Trump. Die Ver­samm­lung von Uni­ver­sitäts­beschäftigten in New York hat eine Sol­i­dar­ität­serk­lärung veröf­fentlicht und mehrere Hun­dert Dol­lar für die Men­schen gesam­melt. In der Erk­lärung heißt es unter anderem:

Viele unser Student*innen sind aus Süd- oder Mit­te­lameri­ka. Viele von ihnen flo­hen, genau wie die Men­schen jet­zt, vor Gewalt, poli­tis­ch­er Ver­fol­gung, Armut (meist das Pro­dukt der US-Poli­tik und den Inter­ven­tio­nen). […] Viele von ihnen sind Ille­gal­isierte, die jeden Tag mit der Angst leben, ihr Studi­um abbrechen zu müssen, oder ihre Fam­i­lien inhaftiert oder abgeschoben zu sehen. […]

Wir unter­stützen das Recht aller migrantis­chen Arbeiter*innen, sich über­all dort zu organ­isieren, wo sie leben und arbeit­en, und heißen sie in unseren Gew­erkschaften und Com­mu­ni­ties willkom­men, weil ihre Anwe­sen­heit uns stärkt.

In diesem Sinne müssen Gew­erkschaften und linke Organ­i­sa­tio­nen die Führung für den Kampf der Migrant*innen übernehmen. Denn die Migrant*innen, die dort derzeit fliehen, sind ein wichtiger Teil der Arbeiter*innenklasse. Deshalb brauch es kollek­tive Organ­isierung an Schulen, Uni­ver­sitäten und in Betrieben, um die Repres­sion gegen unsere migrantis­chen Kolleg*innen zurück­zuschla­gen und sie vor Abschiebun­gen zu schützen.

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