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Die Lüge, dass es bei VW keine Kündigungen geben wird

Am Freitag kündigte der angeschlagene Volkswagen-Konzern einen "Zukunftspakt" an. Weltweit will der Konzern 30.000 Stellen streichen. Für Manager und Gewerkschaftsbürokratie bedeutet "Zukunft" die Zerstörung der Lebensgrundlage von zehntausenden Menschen.

Die Lüge, dass es bei VW keine Kündigungen geben wird

“Der Volk­swa­gen-Konz­ern, ins­beson­dere die Marke VW, hat Fett ange­set­zt in den Erfol­gs­jahren.” Deshalb brauche es “eine Schlankheit­skur, die nehmen wir jet­zt in Angriff”. Mit diesen obszö­nen Worten recht­fer­tigte der Vor­stand­schef des Volk­swa­gen-Konz­erns, Matthias Müller, in der Frank­furter All­ge­meinen Son­ntagszeitung die angekündigte Stre­ichung von 30.000 Stellen des Auto­mo­bilkonz­erns bis 2025, davon 23.000 in Deutsch­land.

Am Fre­itag hat­ten Unternehmensführung und Betrieb­srat einen “Zukun­ftspakt” präsen­tiert. “Zukun­ft”, das bedeutet die Senkung der Kosten bis 2020 um 3,7 Mil­liar­den Euro pro Jahr, vor allem durch die Stre­ichung von zehn­tausenden Stellen. Auch die SPD-Lan­desregierung unter Min­is­ter­präsi­dent Stephan Weil trägt den Pakt mit.

Betrieb­sratschef Bernd Oster­loh brüstete sich, dass der Abbau “sozialverträglich” stat­tfind­en solle, etwa durch Alter­steilzeit und Vor­ruh­e­s­tand­sregelun­gen. Bis Ende 2025 seien betrieb­s­be­d­ingte Kündi­gun­gen mit dem Pakt aus­geschlossen. Nie­mand in der Stamm­belegschaft müsse mehr Angst um seinen Arbeit­splatz haben.

Was Oster­loh nicht sagt: Tausende Leiharbeiter*innen wer­den ihren Job ver­lieren. Tausende weit­ere Arbeiter*innen wer­den vorzeit­ig in die Rente gedrängt, und vor allem soll die Arbeitsin­ten­sität durch “effizien­tere Arbeitsabläufe“ erhöht wer­den. VW-Marken-Vor­stand Her­bert Diess kom­men­tierte: “Wir bauen die gesamte Marke um, wir machen sie fit für den großen Wan­del in unser­er Branche.” Mit anderen Worten: Das Ergeb­nis der “Zukun­ft”, die die sozial­part­ner­schaftlichen Betrieb­srats­fürsten mit dem Unternehmen aus­ge­han­delt haben, bedeutet mehr Stress für die Stamm­belegschaft und zer­störte Exis­ten­zen für tausende Leiharbeiteŗ*innen und ihre Fam­i­lien.

Und nicht nur die Beschäftigten des Mut­terkonz­erns sind betrof­fen. Dutzende Tochter­fir­men und Zulief­er­er wer­den die Auswirkun­gen dieser “Zukun­ft” zu spüren bekom­men. Beispiel­sweise beim in Berlin ansäs­si­gen Werk MAN Diesel & Tur­bo, wo in den näch­sten Jahren 300 der rund 570 Beschäftigten ihren Job ver­lieren sollen. Mit­tel­fristig soll das ganze Werk geschlossen wer­den. Weltweit will die MAN-Tochter für Diesel-Motoren und Tur­binen sog­ar jede zehnte Stelle stre­ichen.

Neolib­erale “Wirtschaft­sex­perten” wie von der FAZ oder den Deutschen Wirtschafts Nachricht­en frohlock­en indes über den obszö­nen “Zukun­ftspakt”. Für Fer­di­nand Duden­höf­fer, Pro­fes­sor der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen, hat VW “eine wichtige Wende ein­geleit­et”. Carsten Ger­mis, FAZ-Wirtschaft­sko­r­re­spon­dent, find­et den Zukun­ftspakt gar “beein­druck­end” und sieht eine “Chance”: “Kein ander­er Autokonz­ern geht den Umbruch so offen­siv an und legt Pläne für seine großen Stan­dorte vor, wie Volk­swa­gen.”

Die Lakaien des Kap­i­tals freuen sich. Umso mehr, als dass die Krise, die der VW-Konz­ern durch den Abgasskan­dal und die Strafzahlun­gen aus den USA durch­läuft, unter der Kom­plizen­schaft der IG Met­all nun auf dem Rück­en der Arbeiter*innen aus­ge­badet wird. Volk­swa­gen verze­ich­nete 2016 den höch­sten Ver­lust sein­er Geschichte. Trotz­dem hat der Wolfs­burg­er Konz­ern seinen Spitzen-Man­agern Boni in Mil­lio­nen­höhe aus­gezahlt: 63,24 Mil­lio­nen Euro für 2015 – knapp zehn Mil­lio­nen mehr als im Vor­jahr und damit Reko­rd. Bezahlt wird das mit der Stre­ichung von zehn­tausenden Stellen.

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