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Die Lehrkräfte von Oklahoma sind wütend auf ihre Gewerkschaft

Heute, neun Tage nach dem landesweiten Streik der Lehrkräfte in Oklahoma, rief die OEA (Oklahoma Education Association/Bildungsgewerkschaft Oklahoma) zu einem Ende des Streiks auf. Damit zieht sie die Wut der Lehrkräfte auf sich.

Die Lehrkräfte von Oklahoma sind wütend auf ihre Gewerkschaft

Nach jahrzehn­te­langer Spar­poli­tik in der Bil­dung hat­ten die Lehrer*innen endlich den Mut, bessere Bedin­gun­gen zu fordern. Sie streik­ten und kon­fron­tierten die Politiker*innen in Okla­homa City mit zer­lumpten und ver­al­teten Schul­büch­ern, schwarzem Schim­mel an den Wän­den und über­füll­ten Klassen­z­im­mern. Trotz des Ange­bots ein­er Gehalt­ser­höhung von 6.100 Dol­lar, bevor der Aus­stand über­haupt begann, beschlossen die Lehrer*innen, dass sie zum Wohle der Schüler*innen und des Bil­dungssys­tems von Okla­homa streiken mussten.

Also tat­en sie es. Jeden Arbeit­stag kamen die Lehrer*innen, Schüler*innen und Fam­i­lien in Scharen zum Sitz der Regierung von Okla­homa – häu­fig kamen zwis­chen 20.000 und 30.000 Men­schen. Die Unter­stützung der Gemeinde war über­wälti­gend – die Streik­enden wur­den von lokalen Unternehmen kosten­los mit Essen beliefert, die Lehrer*innen erhiel­ten kosten­lose Mahlzeit­en in lokalen Restau­rants und die meis­ten Autos, die in der Nähe der Kundge­bung vor­bei­fuhren, gaben durch ein Hupen ihre Zus­tim­mung. Um zu zeigen dass sie zum Wohle der Schüler*innen in den Streik treten, kündigten die Lehrer*innen an, dass sie jeden Tag im Regierungssitz von Okla­homa sein wer­den, bis das Bil­dungssys­tem eine angemessene Finanzierung erhält.

Die OEA (Okla­homa Edu­ca­tion Association/Bildungsgewerkschaft Okla­homa) ist die größte Lehrer*innengewerkschaft des US-Bun­desstaates. In Okla­homa ist die Mehrheit der Lehrer*innen nicht gew­erkschaftlich organ­isiert. Seit Beginn des Streiks wird die Führung der OEA von Lehrer*innen her­aus­ge­fordert. Diese Lehrer*innen kom­mu­nizieren und organ­isieren sich über eine Face­book-Gruppe mit 80.000 Mit­gliedern, die es ihnen ermöglicht, zu disku­tieren, Artikel zu posten und über weit­ere Schritte nachzu­denken. Als die OEA ver­suchte, die Arbeit­snieder­legung auf Ende April zu ver­schieben, dro­ht­en die Mit­glieder der Gew­erkschaft damit, ihre Beitragszahlun­gen an die Gew­erkschaft einzustellen, falls die Gew­erkschaft die Aktion nicht für den 2. April ein­berufen würde.

Erst gestern wurde eine Umfrage auf der Face­book-Gruppe veröf­fentlicht, in der gefragt wurde, wie viele Lehrer*innen den Aus­stand fort­set­zen wollen, auch wenn die OEA ihn für been­det erk­lärt. Weniger als 400 stimmten dafür, dem Beispiel der OEA zu fol­gen, während fast 8.000 forderten, dass der Aus­stand weit­erge­hen soll.

In ein­er Pressekon­ferenz lobte die OEA-Präsi­dentin, Ali­cia Priest, den Kampf der Lehrer*innen und die erkämpfte Lohn­er­höhung als Teil­er­folg. „Ihr habt einen his­torischen Sieg für unsere Schüler*innen erre­icht“, sagte sie. „Aber wir müssen uns der Real­ität stellen“, und dass der Geset­zge­ber trotz des neun­tägi­gen Streiks keine weit­eren Forderun­gen der Lehrer*innen akzep­tieren würde. Sie fuhr fort und nan­nte eine Online-Umfrage der OEA:“70 Prozent der Befragten sind sich unsich­er, ob die Fort­set­zung der Streiks bei der Durch­set­zung der Ziele unser­er Kam­pagne behil­flich sein wird.

(Bild 1)

Kommt schon Lehrer*innen, legt Euren Bezirk lahm

Sag noch ein­mal Fokusver­lagerung. Das kommt doch ger­adewegs aus dem Hand­buch für Ver­hand­lun­gen.

Wer denkt sie wer sie ist???? Ich bin froh nicht nur OEA zu gehören.

Jedes OEA-Mit­glied sollte aus­treten!!!!

Wir haben so viel geopfert! Warum soll­ten wir für ein paar Prozent aufhören?!!!

Ich glaube nicht dass 70 Prozent bere­it sind den Streik abzubrechen, aber ich glaube dass 70 Prozent nicht denken dass sich das Par­la­ment jet­zt umentschei­det.

Die OEA hat mich nie nach mein­er Mei­n­ung gefragt

Die OEA ist so schwach

Ich habe an der Umfrage teilgenom­men und habe nicht mein OK gegeben, den Streik abzubrechen

Ich habe eben­falls an der Umfrage teilgenom­men und nicht mein OK gegeben den Streik zu been­den.

 

Sie behauptet, dass es auf­grund des Erfolges des Streiks an der Zeit ist, dass die Lehrer*innen zur Schule zurück­kehren. Ein OEA-Mit­glied teilte Left Voice, dem US-Schwest­er­magazin von Klasse Gegen Klasse, jedoch mit, dass die Ergeb­nisse der von der Gew­erkschaft durchge­führten Online-Abstim­mung noch nicht veröf­fentlicht wur­den und dass die OEA sich weigerte, eine Ver­samm­lung für Lehrer*innen einzu­berufen, um die näch­sten Schritte zu disku­tieren. Eine andere Lehrerin sagte, sie habe an ein­er Abstim­mung teilgenom­men – aber nur darüber, ob die Schule am Fre­itag wieder an der Ver­samm­lung teil­nehmen sollte, anstatt am Mon­tag. Da die meis­ten Lehrer*innen nicht von der OEA vertreten wer­den, selb­st wenn ihre Sicht auf die Ereignisse kor­rekt ist, kann er kaum als eine Darstel­lung der Ansicht­en aller Oklahoma-Lehrer*innen ange­se­hen wer­den.

Nach der Ankündi­gung der OEA bat Alber­to More­jon, der Organ­isator der Lehrer*innengruppe auf Face­book, die Lehrer*innen, das Gespräch fortzuset­zen und selb­st zu entschei­den, ob der Aus­stand vor­bei ist, was eine implizite Her­aus­forderung der Autorität der OEA-Führung ist. Lehrer*innen und Eltern haben mit großer Wut auf die Entschei­dung der OEA reagiert und äußern den Willen, den Aus­stand fortzuset­zen.

(Bild 2)

Ari­zona ste­ht in Sol­i­dar­ität mit Okla­homa! Nicht einknick­en! Wir kom­men als Näch­stes!

Willst Du mich ver­arschen?!!!

Sie sagt die Streiks sind vor­bei und wir sollen mor­gen zurück in die Schule

LOL nie­mand geht mor­gen zurück in die Schule

Nicht einknick­en! Schäme Dich OEA!

70% sind bere­it die Streiks abzubrechen? Das glaube ich für keine Sekunde.

LÜGEN!!!

Das sind nur OEA-Mit­glieder, zahlst Du nicht, hast Du nicht an der Umfrage teilgenom­men

Was geschieht! Bitte gebt nicht auf!

OEA, Du sprichst nicht für mich!!!

 

Der Weg dor­thin wird schwierig sein, wenn sich die Lehrer*innen weigern, an ihren Arbeit­splatz zurück­zukehren. Während der Aus­stand ursprünglich von den Schulleitun­gen unter­stützt wurde, die sich bere­it erk­lärten, den Unter­richt abzusagen, wird den Lehrer*innen in vie­len Bezirken nun vorge­wor­fen, ver­tragswidrig zu han­deln, wenn sie sich weigern, in ihre Schulen zurück­zukehren.

Da viele der Bezirke für Fre­itag Schulschließun­gen wegen des Streiks angekündigt hat­ten, wird es voraus­sichtlich weit­ere Mobil­isierun­gen in der Haupt­stadt geben. Der eigentliche Test fand am Mon­tag statt, als klar wurde, ob diese Lehrer*innen sowohl ihren Bezirken als auch der OEA trotzen wer­den.

Lei­der kon­nte sich die OEA durch­set­zen. Heute fand in Okla­homa wieder reg­ulär der Unter­richt statt. Lehrer*innen und Schüler*innen befind­en sich wieder in der Schule.

 

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