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Ein Tag des Kampfes, der Repression und der Solidarität bei PepsiCo

Am Mittwoch versammelten sich einige hundert Arbeiter*innen und Aktivist*innen vor dem Obelisk von Buenos Aires auf der Straße des 9. Juli, eine der breitesten Straßen der Welt. Ihr Ziel: Die Straße zu blockieren, um auf die Schließung einer Fabrik des multinationalen Konzerns PepsiCo aufmerksam zu machen.

Ein Tag des Kampfes, der Repression und der Solidarität bei PepsiCo

Pep­si­Co schloss den Betrieb im Indus­triegür­tel nördlich der Stadt, ange­blich auf­grund der fehlen­den Wirtschaftlichkeit der Fab­rik. Der Fakt, dass der Konz­ern immer noch Mil­liar­dengewinne ver­bucht und Pro­duk­te aus Chile ein­fliegen lässt, zeigt jedoch, dass es sich hier­bei wohl um eine Ausrede han­delt. Wahrschein­lich geht es darum, einen kämpferischen Betrieb­srat loszuw­er­den. Schon seit Jahren tobt ein Kampf in der Fab­rik: Die CEOs und die Gew­erkschafts­bürokratie auf der einen Seite und kämpferische Arbeiter*innen auf der anderen.

Eine lange Tradition des Kampfes

2001 entließ der Konz­ern 100 out­ge­sourcte Arbei­t­erin­nen, woraufhin sich der Betrieb­srat spal­tete. Ein Teil nahm die Ent­las­sun­gen hin und der andere Teil kämpfte für die Wiedere­ingliederung. Im Zuge davon wur­den kämpferische Betrieb­sräte sus­pendiert und weit­ere Aktivist*innen ent­lassen. Eine bre­ite Sol­i­dar­ität­skam­pagne, an der sich unter anderem auch Soziolog*innen und Psycholog*innen beteili­gen, um die extreme Belas­tung der Arbeiter*innen aufzuzeigen, ver­schaffte dem The­ma eine bre­ite Öffentlichkeit und schädigte das Image des Konz­erns. Let­z­tendlich brachte diese Kam­pagne Pep­si­Co dazu, Per­so­n­en mit Behin­derung anzustellen und für wohltätige Zwecke zu spenden, um das Image nicht zu befleck­en und nach einem lan­gen Kampf wur­den einige der Ent­lasse­nen 2004 wieder angestellt.

Diese Erfahrung poli­tisierte große Teile der Belegschaft, die seit­dem auf Selb­stor­gan­isierung set­zt, um gegen die extrem prekären Arbeits­be­din­gun­gen und den Ver­rat der Gewerkschaftssekretär*innen zu kämpfen.

Die Belegschaft erhält massiv Solidarität

Als die Arbeiter*innen am 20. Juni zur Früh­schicht kom­men, erfahren sie von der Schließung der Fab­rik. Diese erfolge laut Pep­si­Co, weil sie sich in einem Wohnge­bi­et befinde, in dem es keine Möglichkeit­en für Ver­größerun­gen und Mod­ernisierun­gen gäbe, sowie auf­grund logis­tis­ch­er Schwierigkeit­en und daraus resul­tieren­der Kosten.

Ein Teil der Belegschaft akzep­tiert die Bedin­gun­gen, wonach die Arbeiter*innen bis zum 31. Juli ihren Lohn erhal­ten sollen, sowie eine Entschädi­gung von 200 Prozent ver­glichen mit der geset­zlich vorgeschriebe­nen. Genau­so nahm die Gew­erkschaft der Lebens­mit­tel­branche unter Führung von Rodol­fo Daer die Schließung ohne jeglichen Protest in Kauf.

Der Teil der Belegschaft, der für seine Arbeit­splätze kämpft, beset­zte nach weni­gen Tagen die Fab­rik. Dies sorgte für medi­ale Aufmerk­samkeit und eine bre­ite Sol­i­dar­ität­skam­pagne. Umfra­gen ergaben, dass über 55 Prozent der Bevölkerung Sym­pa­thien für den Kampf haben. Arbeiter*innen von ver­schiede­nen Betrieben im In- und Aus­land schick­ten Sol­i­dar­itäts­botschaften, die #NiU­na­Menos-Bewe­gung und viele Studierende beteili­gen sich am Kampf.

Als es am 13. Juli zur Räu­mung der Fab­rik durch die Polizei kommt, tobt stun­den­lang eine Straßen­schlacht gegen die Polizei. Hun­derte haben sich ihnen in den Weg gestellt.

Wie wird weitergekämpft?

Argen­tinien “ret­tete” sich, wie andere Län­der Lateinamerikas, die 2008 “pro­gres­sive”, post­ne­olib­erale Regierun­gen hat­ten, vor der Weltwirtschaft­skrise. In Wahrheit hat­te sich das Land jedoch nicht von der Krise befre­it, son­dern diese nur verzögert. Mauri­cio Macri, der neolib­erale Präsi­dent, der seit zwei Jahren im Amt ist, etabliert ger­ade eine Aus­ter­ität­spoli­tik nach griechis­ch­er Art: Kürzun­gen der Staat­saus­gaben, Erhöhung der Leben­skosten, eine Arbeits­mark­tre­form wird disku­tiert.

Weil viele nun gegen Armut und für den Erhalt ihrer Arbeit­splätze kämpfen müssen, sehen sie Pep­si­Co als ein Aus­druck dessen. Dazu kommt, dass ein Großteil der Beschäftigten Frauen sind und Unter­stützung durch die große Frauen­be­we­gung bekom­men, die #NiU­na­Menos Sin Tra­ba­jo („Nicht eine weniger ohne Arbeit”) fordern und die geschlechtliche Kom­po­nente der Krise aufzeigen.

Jedoch führt bre­ite Unzufrieden­heit mit dem Sta­tus Quo nicht automa­tisch zum Sieg. Die Arbeiter*innen und ihre Unterstützer*innen arbeit­en hart für die Sol­i­dar­ität, die sie erhal­ten haben. Studierende der Uni­ver­si­dad de Buenos Aires sam­meln Geld für die Streikkassen und spende­ten Tausende Pesos. Die Front der Linken und Arbeiter*innen (FIT) mobil­isiert, im Gegen­satz zu den pop­ulis­tis­chen Parteien des Kirch­ner­is­mus, Tausende für diesen Kampf. Am 18. Juli demon­stri­eren 30.000 gegen die Schließung, es find­en Streikver­samm­lun­gen und Konz­erte statt.

Repression gegen Demonstration

Als sich am Mittwoch die Demon­stri­eren­den am Obelisken tre­f­fen, um die Kreuzung zu block­ieren, dro­ht die Polizei mit ein­er gewalt­samen Räu­mung. Diese find­et let­zten Endes nicht statt und die Demo startet in Rich­tung des Kon­gress­es, um auf die Schließung und den Wider­stand aufmerk­sam zu machen. Kurz vor diesem block­iert die Polizei die Demon­stra­tion. Die Wut der Arbeiter*innen, die unver­mummt in der ersten Rei­he ste­hen, ste­ht ihnen im Gesicht. Nach kürzester Zeit sprüht die Polizei Pfef­fer­spray in die Menge und prügelt auf sie ein. Da sich Par­la­mentsab­ge­ord­nete und öffentliche Fig­uren der FIT ein­schal­ten, wird der Demo let­zten Endes die Route gewährt und sie darf weit­er­marschieren.

Die Arbeiter*innen von Pep­si­Co sind sich bewusst, dass dieser Kampf sehr lange andauern kön­nte. Um zu gewin­nen, ist mehr Unter­stützung nötig. Die Per­spek­tive für einige ist der Gen­er­al­streik sowie die Ver­staatlichung unter Arbeiter*innenkontrolle. Wie der Kampf gegen die Ent­las­sun­gen 2001–2004 kön­nte es Jahre dauern, gegen den multi­na­tionalen Konz­ern zu gewin­nen.

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