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Der Kampf der ArbeiterInnen von Movistar

SPANISCHER STAAT: Seit mehreren Monaten streiken die Beschäftigten der multinationalen Telekommunikationsgesellschaft Movistar von Telefónica. Ihr Kampf richtet sich gegen das gesamte System der Prekarisierung.

Der Kampf der ArbeiterInnen von Movistar

// SPANISCHER STAAT: Seit mehreren Monaten streiken die Beschäftigten der multinationalen Telekommunikationsgesellschaft Movistar von Telefónica. Ihr Kampf richtet sich gegen das gesamte System der Prekarisierung. //

Nach 74 Tagen setzten die Streikenden dem Konflikt bei Movistar- Telefónica ein vorzeitiges Ende. Durch Demonstrationen, Kundgebungen und mehreren Besetzungen des Mobile World Centre (MWC) in Barcelona, Aushängeschild von Telefónica, wurde die Auseinandersetzung zu einem Anhaltspunkt im Kampf gegen die allgegenwärtige Prekarisierung. Wie kam es zu dem Konflikt?

Movistar: Sklavenhalter

Das Telekommunikationsunternehmen konnte in den letzten Jahren Milliardengewinne einfahren. Diese fußen auf der Überausbeutung ihrer ArbeiterInnen, die in einem Netz von zehn Tochterfirmen zu miserablen Arbeitsbedingungen angestellt sind. Zudem wollten die Bosse die Arbeitszeiten weiter verlängern. Dagegen wehrten sich die technischen Angestellten und traten im April in den landesweiten unbefristeten Streik, der von kleinen linken Gewerkschaften ausgerufen wurde.

Schnell versuchten sich auch die großen Gewerkschaftsapparate von CCOO und UGT in den Kampf einzumischen und begannen ebenfalls einen Streik. Doch nur, um ihn kurz darauf am Verhandlungstisch hinter dem Rücken der Basis zu beenden und damit den gesamten Kampf zu schwächen. Am 5. Mai unterzeichneten die BürokratInnen einen Vertrag mit Telefónica und den zehn Tochterfirmen, der Forderungen und Kampfkraft keine Rechnung trug und deshalb von den Streikenden nicht akzeptiert wurde. Seitdem waren CCOO und UGT direkte GegnerInnen des Streiks und Hindernisse auf dem Weg zu einem Abschluss im Sinne der ArbeiterInnen.

Radikalisierung und Solidarität

Telefónica verweigerte daraufhin jede Verhandlung mit den Streikenden, die sich gegen die Ergebnisse mit den Gewerkschaftsriesen richtete. Das radikalisierte die ArbeiterInnen jedoch nur weiter. Und die landesweite Streikfront hielt stand: In Madrid nahm die „blaue Welle“ der Streikenden die großen Straßen unter dem Ruf „Movistar beutet aus und versklavt“ ein. In Barcelona besetzten sie das MWC und forderten die Stadt auf, den Vertrag mit dem Unternehmen nicht mehr verlängern. An den Universitäten suchten sie die Solidarität und füllten die Streikkasse mit Spenden. Movistar verlor insgesamt 21.000 KundInnen.

Der Streik erzeugte große Sympathien in breiten Bevölkerungsschichten sowie unter linken und gewerkschaftlichen Organisationen. Besonders groß war die Solidarität unter den ArbeiterInnen, Studierenden, Frauen und ImmigrantInnen, die täglich unter denselben präkeren Arbeitsverhältnissen wie die Streikenden zu leiden haben. Movistar ist schließlich nur eine von tausenden Unternehmen im Spanischen Staat, die mit einem Modell von Out-Sourcing, Befristung und Teilzeitverträgen diejenigen überausbeuten, die nach acht Jahren Wirtschaftskrise immer noch einen Job haben.

Auch die BürgerInneninitiativen, die bei den Kommunal- und Regionalwahlen am 24. Mai große Erfolge erzielten und inzwischen in Städten wie Madrid und Barcelona regieren, unterstützten die Streikenden. In Barcelona forderten die Streikenden dann die Bürgermeisterin und Sprecherin der Plattform gegen Zwangsräumungen (PAH) Ada Colau zur Nichtunterzeichnung des Vertrags mit MWC auf, den die konservativ-nationalistischen Vorgängerregierung ausgearbeitet hatte. Colau unterzeichnete dennoch mit der Begründung, der Mega-Event diene zum „Wohle der Stadt“. In Wirklichkeit stecken hinter dem Deal Millionen für Telefónica und andere Unternehmen, und schlecht bezahlte Jobs für die ArbeiterInnen der Stadt.

Kampf gegen die Prekarisierung geht weiter

Nach gut zwei Monaten erbitterten Kampfes konnten die Streikenden Telefónica endlich an den Tisch bringen. In den Verhandlungen stellten sich die großen Gewerkschaftsbürokratien erneut als Hindernis heraus, da sie offensiv jede Einigung verhinderten. Auch die KapitalistInnen stellten ihre Fallen: Obwohl sie versprochen hatten, alle Strafanzeigen wegen der Besetzung des MWC fallen zu lassen, wurde im Nachhinein ein Mitglied des Betriebsrats und des Streikkomitees deshalb verklagt.

Am 22. Juni kehrten die ArbeiterInnen wieder an ihre Arbeitsplätze zurück. Sie hatten das Unternehmen zur Verhandlung gezwungen. Dazu war auch eine Konfrontation mit den offiziellen GewerkschaftsführerInnen von CCOO und UGT nötig. Am Ende stand eine mündliche Vereinbarung zur Verminderung des Out-Sourcing und die Nicht-Erhöhung der Arbeitszeit. Doch die ArbeiterInnen kündigten schon jetzt an, erneut im Oktober zu streiken, falls diese Versprechen nicht erfüllt werden. Zudem werden sie die größte Errungenschaft, die selbstständigen Organisierungsstrukturen, weiterhin stärken. Denn die ArbeiterInnen von Movistar wissen, dass sie nur ein Fall von Millionen sind, die gegen die Prekarisierung der Arbeitswelt kämpfen. Und das dieser Kampf gerade erst begonnen hat.

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