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Beschäftigte von Amazon streiken auch zum Ostergeschäft

In der Spätschicht am Montagabend rief die Gewerkschaft ver.di erneut Beschäftigte des Online-Konzerns in Koblenz zum Streik auf. Rund 200 Kolleg*innen beteiligen sich nach Angaben der Gewerkschaft am Ausstand. Auch in Bad Hersfeld und Leipzig legen die Beschäftigen wieder die Arbeit nieder.

Beschäftigte von Amazon streiken auch zum Ostergeschäft

Mit exk­lu­siv­en Blitzange­boten lock­te der Online-Riese in der let­zten Woche wieder Kund*innen an. Alle 15 Minuten ein neues Son­derange­bot – bis zu 50 Prozent reduziert. Doch über den seit mit­tler­weile drei Jahren andauern­den Kon­flikt zwis­chen dem Konz­ern und ver.di täuscht kein noch so gutes Ange­bot hin­weg.

Kurz vor dem Ostergeschäft geht ver.di noch ein­mal in die Streikof­fen­sive. Seit Mittwochmor­gen befind­en sich die Kolleg*innen in Koblenz, Bad Hers­feld und Leipzig gle­ichzeit­ig im Streik. Am Don­ner­stag sind auch die Beschäftigten in Rhein­berg und Werne zum Streik aufgerufen. Die Forderun­gen sind diesel­ben wie immer, möchte man fast sagen: der Abschluss eines Tar­ifver­trags, der sich an dem Ver­trag für den Einzel- und Ver­sand­han­del ori­en­tiert, d. h. höhere Löhne, mehr Wei­h­nachts- und Urlaub­s­geld sowie Ver­ringerung der Wochenar­beit­szeit.

Das Prob­lem fasst das ver.di-Bundesvorstandsmitglied Ste­fanie Nutzen­berg­er tre­f­fend zusam­men: “Ama­zon will die Arbeits­be­din­gun­gen zulas­ten der Beschäftigten weit­er­hin willkür­lich und ein­seit­ig dik­tieren und will deshalb wed­er eine Gew­erkschaft im Betrieb noch einen Tar­ifver­trag.” Genau deshalb befind­et sich der Arbeit­skampf momen­tan jedoch in ein­er Sack­gasse. Nach­dem ver.di es geschafft hat, acht von neun Ver­sandzen­tren streik­fähig zu machen und die Kolleg*innen viele Verbesserun­gen außer­halb tar­i­flich­er Bindun­gen erzwun­gen haben, scheinen der Gew­erkschaft jedoch die Ideen auszuge­hen.

Der Jour­nal­ist Jörn Boewe kri­tisiert in der jun­gen Welt von Mittwoch zu Recht man­gel­nde Koor­dinierung zwis­chen den einzel­nen Fach­bere­ichen von ver.di: “Denn Ama­zon ist nicht nur Ver­sand­händler, son­dern auch Logis­tik­er, Medi­enun­ternehmen, IT-Dien­stleis­ter, Her­steller von Hard- und Soft­ware und wird dem­nächst mit ein­er eige­nen Luft- und Schiffs­flotte unter­wegs sein.” Das Prob­lem ist jedoch nicht ein­fach nur ein per­son­elles, son­dern geht viel tiefer. Es ist offen­sichtlich, dass eine Ver­net­zung zwis­chen den Fach­bere­ichen für die streik­enden Kolleg*innen von großer Bedeu­tung wäre. Das gilt jedoch in erster Lin­ie für die Beschäftigten selb­st, die uner­müdlich vor den Ver­sandzen­tren ste­hen und für bessere Arbeits­be­din­gun­gen kämpfen. Deshalb müssen sie es auch sein, die die branchenüber­greifende Ver­net­zung von Arbeiter*innen in die Hand nehmen.

Arbeiter*innen von Ama­zon beteili­gen sich immer wieder an anderen Arbeit­skämpfen. So gab es zum Beispiel im let­zten Jahr zum Streik im Sozial- und Erziehungs­di­ent in Leipzig eine gemein­same Kundge­bung und zum Post­streik eine gemein­same Streikver­samm­lung in Bad Hers­feld. Bei­de Kämpfe wur­den jedoch von der Gew­erkschafts­führung abgewürgt und die Kolleg*innen mit faulen Kom­pro­mis­sen abge­speist. Auch deshalb blieben die Verbindun­gen let­ztlich nur punk­tuell.

Dabei ist die Bedeu­tung für die Arbeiter*innen gar nicht hoch genug einzuschätzen. Denn jed­er Arbeit­skampf ist nicht nur ein Kampf gegen den eige­nen Chef, son­dern auch ein Kampf gegen zunehmende Prekarisierung und soziale Ein­schnitte seit­ens der Bun­desregierung. Deshalb ist es auch wichtig, wie Boewe eben­falls betont, eine bre­ite gesellschaftliche Kam­pagne gegen Ama­zon zu organ­isieren.

Darüber hin­aus ist es jedoch notwendig, diese Kam­pagne auch gegen Befris­tung im All­ge­meinen, gegen Lei­har­beit, Union Bust­ing und Out­sourc­ing auszuweit­en. Die Möglichkeit dazu hat die Gew­erkschaft ohne Zweifel, ein Inter­esse offen­bar aber nicht. So verkom­men die „Trümpfe“ in der Hand der Gew­erkschaft zu wenig erfol­gre­ichen Bluffs. In der Hand der Beschäftigten kön­nten die Trümpfe Ama­zon jedoch ausstechen.

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